100 Mal längere Lebensdauer Start-up mischt Kabelbranche auf

Die Kabel des ETH-Spin-offs nanoleq sind robuster als handelsübliche.
Die Kabel des ETH-Spin-offs »nanoleq« sind robuster als handelsübliche.

Wenn Kabel gebogen und gestreckt werden, brechen sie für gewöhnlich. Anders die Kabel von »nanoleq«: Das Start-up preist sie als unzerbrechlich an.

100 Mal länger leben sollen die Kabel von »nanoleq«, einem Spin-off der ETH Zürich. Den Beweis haben die ETH-Ingenieure Vincent Martinez und Luca Hirt im Labor erbracht: Mit Hilfe einer Maschine haben sie verschiedene Kabel gebogen und gestreckt, bis diese brachen. Das Resultat: Normale Kabel waren nach wenigen Hundert Zyklen unbrauchbar, die neu entwickelten Kabel funktionierten hingegen auch nach Tausenden Zyklen immer noch.

Das Geheimnis der unzerbrechlichen Kabel liegt in ihrem speziellen Material, das an der ETH hergestellt wird. Es sorgt dafür, dass sich die Kabel wie ein Gummiband dehnen und besonders robust sind. Mit diesem Material lösen die Jungunternehmer auch das Problem, dass die in Kabeln enthaltenen Metalldrähte brechen, wenn sie immer wieder gebogen werden. Ursprünglich wurde das Material mit dem Ziel erforscht, dehnbare Elektronik für die Medizin nutzbar zu machen – etwa, um das Rückenmark zu stimulieren. Woraus das Material besteht und warum die Kabel dank ihm unzerbrechlich werden, möchten Martinez und Hirt nicht verraten – zumindest so lange nicht, wie ihr Patentantrag hängig ist.

Besonders interessant dürften die neuen Kabel für Branchen sein, in denen verlässliche Verbindungen und die Übertragung von Strom von zentraler Bedeutung sind, wie etwa die Medizintechnik, die Luft- und Raumfahrt oder die Robotik. In ihrem Labor an der ETH arbeitet die Jungfirma zurzeit an Pilotstudien und Prototypen für Firmen aus verschiedenen Branchen. Klar ist, dass »nanoleq« keine Kabel selber herstellen wird. »Dieser Markt ist hart umkämpft und wird von einigen großen Playern beherrscht«, sagt Martinez. In Kabelfirmen sieht er vielmehr potenzielle Kunden. »Unser Geschäftsmodell ist es, Material und Technik zu verkaufen.«

Das Schweizer Start-up wächst schnell 

Erst im Juli 2016 hatte Martinez sein ETH-Doktorat abgeschlossen. Als sich die Idee mit den Kabeln konkretisierte, beantragte der Franzose Geld bei zwei Förderprogrammen: beim Pioneer Fellowship der ETH und bei der eidgenössischen Kommission für Technologie und Innovation KTI. Beide Stellen sagten Martinez zu, womit die Finanzierung bis im kommenden Sommer gesichert war. Hirt, der zuvor noch sein Doktorat abschließen musste und Edi Liberato als erster Mitarbeiter stießen hinzu. Im Mai 2017 gründeten sie eine GmbH.

Am Start Summit in St. Gallen – einem der größten und wichtigsten Startup-Treffen der Schweiz – gewann Vincent Martinez den mit 20'000 Franken dotierten Pitch, bei dem er seine Firma vorstellte.

So schnell wie sie gestartet sind, möchten die Jungunternehmer weitermachen. Im kommenden Jahr sollen zwei Kollegen zum Team dazu stossen. Für das geplante Wachstum suchen sie derzeit noch Investoren, wobei es bereits erste Interessenten gibt. »Der Business Plan sieht vor, ab 2019 mit eigenen Umsätzen den Großteil unserer Kosten decken zu können«, sagt Martinez.