Hammond: projektspezifische Gehäuse Selbst anpassen oder anpassen lassen?

Russell Irvine, Hammond Electronics

»Um die steigende Nachfrage nach werkseigenen Modifikationen erfüllen zu können, haben wir erheblich investiert.«
Russell Irvine, Hammond Electronics: »Um die steigende Nachfrage nach werkseigenen Modifikationen erfüllen zu können, haben wir erheblich investiert.«

Beim Anpassen eines Standardgehäuses an die Anforderungen eines Projekts hat der Kunde drei Möglichkeiten: Er kann das Gehäuse selbst modifizieren, das Anpassen von einem externen Anbieter durchführen lassen oder gleich den Originalhersteller beauftragen.

Die größten Vorteile von Standardgehäusen sind, dass keine Kosten für einmalige Design-, Planungs- und Werkzeugkosten im Voraus fällig werden. Die Produkte sind lieferbereit auf Lager, sodass die Markteinführungszeit so kurz wie möglich ist. Außerdem ist der Stückpreis attraktiv, und die Konstruktion hat sich schon in vielen verschiedenen Anwendungen bewährt. Im Vergleich mit anwendungsspezifischen, individuellen Gehäusen, die für ein spezifisches Projekt entworfen wurden, sind Standardprodukte unmittelbar verfügbar und in Stückzahlen im fünfstelligen Bereich extrem kostengünstig. Andererseits sind Standardprodukte auch einfach nur standardmäßig. Um die Bedürfnisse eines spezifischen Projekts zu erfüllen, müssen oft Öffnungen für Schalter, Displays, E/A-Anschlüsse, Tastaturen und andere Komponenten gefräst werden. Außerdem müssen meist Legenden und Logos aufgedruckt werden und die Oberfläche in einer nicht standardmäßigen Farbe ausgeführt werden, um die Markenanforderungen des Unternehmens bzw. des Produkts zu erfüllen.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, um aus einem standardisierten Gehäuse ein kundenspezifisches zu machen, das den Anforderungen eines Projekts gerecht wird?

1. Der Kunde kauft das Standardprodukt entweder direkt vom Hersteller oder bei einem Händler und ändert es dann vor Ort auf die eigenen Bedürfnisse ab. Jedoch haben viele Originalhersteller von Elektronikgeräten nicht die dafür erforderlichen Anlagen, Ausrüstungen, Erfahrungen oder das nötige Interesse, um Fräs- und Lackierarbeiten im eigenen Werk durchzuführen. Falls es Bearbeitungsmöglichkeiten vor Ort gibt, kann die Modifikation des Gehäuses als Teil des gesamten Montageprozesses die beste Vorgehensweise sein. In diesem Fall müssten aber mehr Standardprodukte bezogen werden als eigentlich nötig, da Überschuss für Einstellverfahren und Ausschuss vorhanden sein muss.

2. Gekauft wird ein Standardprodukt. Das Modifikationsverfahren führt ein externer Anbieter durch. In diesem Fall kommen zusätzliche Kosten auf den Elektronikhersteller zu und es können Lieferverzögerungen und Logistikprobleme im Zusammenhang mit dem Vergabeverfahren auftreten – oft an mehrere Lieferanten. Außerdem steigen die Gesamtkosten, weil für jedes Verfahren zusätzliche Einheiten für Probestücke und Einstellausschuss benötigt werden.

3. Die mit Abstand beste Option ist es, projektspezifisch angepasste Gehäuse vom Originalhersteller zu beziehen. In diesem Fall ist es nicht notwendig, zusätzliche Einheiten für Einstellung und Ausschuss zu bestellen. Und da der Originalhersteller seine Produkte am besten kennt, können potenziell teure Probleme schon durch Gespräche in der ersten Planungsphase abgewendet werden. Es ist sicherlich sehr vorteilhaft, den Standardgehäusehersteller so früh wie möglich in den Entwicklungszyklus mit einzubeziehen. Weil viele internationale Standards wie etwa Eurocard die Grundabmessungen von Platinen definieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass kleinere Platinen keinem externen Größenstandard entsprechen. Werden Layout und Größe der Platine jedoch schon zu einem frühen Zeitpunkt angepasst, lässt sich die Platine möglicherweise doch in ein Standardgehäuse einbauen; ein individuell angefertigtes Gehäuse ist somit überflüssig.