Coronavirus: Das raten Bauteileeanbieter "Ruhe bewahren, Panik vermeiden"

Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums "Passive Bauelemente" waren sich einig, dass ein besonnenes Bestellverhalten und intensive Kommunikation helfen, die Liefersituation zu stabilisieren.

Während in China die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten und Getöteten weiter kontinuierlich steigt, arbeiten Bauelementehersteller und -distributoren intensiv an der Kommunikation zu ihren Kunden. Ihr Ziel: Panikkäufe vermeiden!

Konkret zeigte sich dieses Bemühen letzte Woche auf einem Forum dieser Zeitung. »Keine Doppelbuchungen, das ist mal das Prinzipielle«, fordert etwa Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales bei Yageo Europe. »Ruhe bewahren, Panik vermeiden«, das ist auch der Ratschlag von Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay. »Wenn jetzt viele sofort einkaufen, löst das bei allen in der Supply Chain ein Problem aus, und das hilft keinem.«

»Ruhe bewahren und langfristige Visibilität schaffen«, empfiehlt Andreas Hammer, Vice President Sales EMEA bei Kemet; »so lässt sich für alle am besten arbeiten«. Jörg Wüstner, Business Development Manager der Business Unit Automotive bei Murata Europe, plädiert dafür, als Erstes das Gespräch mit dem Lieferanten zu suchen. »Auch wenn es nach einer Phrase klingt, wichtig ist es in der jetzigen Situation, Ruhe zu bewahren und keine spontanen Überreaktionen zu initiieren.«

Harald Sauer, Director von Taiyo Yuden Europe, macht deutlich, warum Hersteller und Distributoren in der aktuellen Situation vor allem auf Panikvermeidung setzen: »Wir können den Kunden ja noch gar nichts Konkretes sagen, weil wir es selbst noch nicht wissen. In zwei, drei Wochen werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, etwas Substanzielles zu sagen.«

Auch Alexander Gerfer, CEO von Würth Elektronik eiSos, rät dringend von Panikkäufen ab, »das würde uns und unseren Kunden in der jetzigen Situation überhaupt nicht helfen«. Wie Sauer verweist er darauf, dass die Hersteller erst in zwei, drei Wochen wirklich wissen werden, wie es bei ihnen jeweils fertigungstechnisch wirklich aussieht und welche Folgen das dann im Einzelfall haben wird. »Wer jetzt beginnt, sich Ware massiv aufs Lager zu legen, macht die ganze Situation nur noch schlimmer«, warnt Matthias Hutter, Vice President Product Management & Supplier Marketing EMEA bei Arrow. Hutter appelliert auch speziell an den deutschen Distributionsmarkt, »sich daran zu erinnern, dass er vielleicht 2 Prozent des Weltmarktes ausmacht«. Aus dieser Tatsache leitet er den Appell ab, »dass wir hier noch sorgsamer mit unserer Supply Chain umgehen müssen«.

Stefan Sutalo, Marketing Director Passive Components bei Rutronik, weist auf die schlichte Tatsache hin, »dass sowohl für den Anbieter wie den Kunden die Langfristigkeit im Bestellverhalten wichtig ist. Es bringt Stand heute nichts, immer hin und her zu switchen«. Letztlich, so sein Ratschlag, sei es die Langfristigkeit in der Beziehungsebene, die dem Kunden nutzt. »Wenn ich bei einem Anbieter als Kunde bekannt bin, werde ich dort auch meine benötigte Ware bekommen.«

Warum sowohl Hersteller als auch Distributoren im Bereich passiver Bauelemente eine Rückkehr zu Panikkäufen und Mehrfachbuchungen wie in den Jahren 2017/18 vermeiden wollen, wird deutlich, als im Rahmen des Forums die Auftragsentwicklung im letzten Quartal 2019 diskutiert wird. In Asien ist die Nachfrage in den letzten Monaten massiv angestiegen. Bei Yageo liegt die Book-to-Bill beispielsweise nach Auskunft von Turbanisch über 3. Bereits im letzten Quartal 2019 war es für Yageo schwer, ausreichend Personal zu finden, nun kommen wochenlange Produktionsausfälle durch das Chinese New Year und die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie dazu.

Zur Erinnerung, Yageo steht etwa für ein Drittel der weltweiten Gesamtproduktionskapazität für Widerstände. Auch die Nummer 2 bis 5 im Hersteller-Ranking fertigen ihre Widerstände hauptsächlich in China. »Was uns an Fertigungsausfall im Februar und März bevorsteht«, so Turbanisch, »entspricht ungefähr zwei Dritteln des Jahresbedarfs von ganz Europa«. Was das zugespitzt bedeutet, ist klar: Keine Widerstände, keine Elektronikproduktion.

Wie unübersichtlich die Lage nach wie vor ist, macht Lüthje mit dem Hinweis deutlich, »dass, wenn wir in China nicht fertigen können, auch unseren Kunden dort die Komponenten für ihre Produktionen fehlen. So gesehen ist das erst mal ein Nullsummenspiel«. In der aktuellen Situation, so der Vishay-Manager, »wird ja immer so getan, als würde die Produktion auf der Kundenseite ungehindert weiterlaufen«.

Vor diesem Hintergrund könnte es also durchaus sein, »dass die Probleme, die durch den Produktionsausfall in China verursacht werden, in den nächsten Wochen und Monaten außerhalb Chinas durchaus größer sein könnten als in China selbst«. Um so wichtiger ist es darum in der aktuellen Situation, Chaos in der Lieferkette zu vermeiden.