Für Billigkopie aus China Rittal-Nachahmer erhält »Plagiarius« für besonders dreiste Fälschung

Der Negativ-Preis »Plagiarius«, der jedes Jahr für besonders dreiste Fälschungen vergeben wird, geht in diesem Jahr an einen chinesischen Hersteller, der den Rittal-Schrank TS8 täuschend echt kopiert hat.

Die Billigkopie des TS8 stammt von dem chinesischen Hersteller »HFM - Shanghai HaoFuMan Electricity Equipment«. Design und Technik habe das Unternehmen 1:1 übernommen, jedoch teilweise deutlich minderwertig umgesetzt.

Als »Negativ-Auszeichnung« dafür erhielt das Unternehmen eine Urkunde - allerdings nur in Kopie. Dazu wurde ein Brief übersandt, in dem das unfaire Verhalten angeprangert wird. Das Original ging an Rittal, zusammen mit einer schwarzen Zwergenfigur, die eine goldene Nase trägt. Diese steht symbolisch für die »goldene Nase«, die sich Fälscher mit ihren Geschäftspraktiken verdienen.

Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung von Rittal, nahm die Original-Urkunde im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt aus den Händen von Prof. Rido Busse, Initiator des Plagiarius entgegen. »Die Verleihung des Plagiarius ist eine gute Plattform, die zeigt, dass nicht nur Konsumware, sondern auch Investitionsgüter Ziel von Kopierern sind«, verdeutlicht Dr. Thomas Steffen. Rittal als Marktführer der Schaltschrankbranche befindet sich permanent im Fokus eventueller Kopierer. »Dies trifft nach wie vor insbesondere auf chinesische Wettbewerber zu«, sagt Steffen.

Übrigens, nach erfolgloser Abmahnung hat Rittal im Dezember 2010 in China Klage gegen HFM eingereicht.

In Zeiten von Internet und Globalisierung weitet sich das Problem der Produkt- und Markenpiraterie enorm aus. Fälschungen untergraben die Wettbewerbsfähigkeit führender Industrienationen durch illegalen Handel und gehen einher mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Experten schätzen den finanziellen Schaden auf jährlich 50 Mrd. Euro allein in Deutschland. Plagiatoren bereichern sich am geistigen Eigentum anderer, indem sie Produkte kopieren, für die bereits Nachfrage besteht. Auf diese Weise sparen sie Geld für Forschung, Entwicklung und Marketing.

Seit 1977 wird mit dem Plagiarius jährlich besonders »dreister Ideenklau« ins öffentliche Licht gerückt. Für Prof. Rido Busse ist es wichtig, dass Ideenreichtum und Know-how fair entlohnt und in der Gesellschaft wieder stärker wertgeschätzt werden. Denn Originalprodukte sind zwar in der Anschaffung teurer, entsprechen aber stets den höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards. Hersteller von Fälschungen hingegen verwenden oft minderwertige bzw. gefährliche Materialien. So setzen sie sowohl die Gesundheit ihrer Arbeiter als auch die der Konsumenten leichtfertig aufs Spiel, um ihre Waren billig verkaufen zu können.