Stabile Versorgungslage Relais-Markt: »Gewisse Überkapazitäten«

Für erneuerbare Energiesysteme hat Omron seine beiden Low-Power-Relais-Serien G7L-PV (zweipolig) und G8P-BG (einpolig) entwickelt.
Für erneuerbare Energiesysteme hat Omron seine beiden Low-Power-Relais-Serien G7L-PV (zweipolig) und G8P-BG (einpolig) entwickelt.

Als »stabil« bezeichnet Zettler-Geschäftsführer Richard Bayer die Versorgungslage bei Relais. Weil es aber bei »Allerweltsrelais gewisse Überkapazitäten gibt, werden einige Relaishersteller wieder Linien einmotten müssen«.

Dieser Schritt des Einmottens bleibe Zettler electronics erspart: Zwar habe man die Produktionsflächen in Asien stark erweitert, den Bau von »momentan sicher überflüssigen« Linien aber rechtzeitig gestoppt oder verschoben. Vor allem im letzten Quartal habe der Auftragseingang »merklich nachgelassen, weil sich mal wieder niemand langfristig zu bestellen getraut«. Die schon des öfteren erlebte Konsequenz dieses Kundenverhalten werde »in die nächste Allokation« führen, wenn auf einen Schlag alle Kunden die leer geräumten Lager wieder füllen wollten, wofür die Fertigungskapazitäten dann nicht ausreichten.

Bezüglich der Relaispreise sieht Bayer »keine Entspannung«, weil die Preise für die Rohstoffe Silber und Kupfer weiterhin auf hohem Niveau angesiedelt sind. Wenn dann auch noch das Einkaufsvolumen wegen des verringerten Auftragseingangs sinke, »wird es eher noch teurer und die Preise steigen weiter«. Augenblicklich schwächelt im übrigen der für Zettler wichtige Solarmarkt, »dieses Jahr kam der Wintereinbruch früher als erwartet«. Skeptisch ist der Zettler-Geschäftsführer bezüglich der Relaisnachfrage seitens Smart-Meter: »Smart-Meter ist immer noch sehr smart, das Elektroauto kommt wohl früher als Smart-Meter.«

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Relais-Markt: Stimmen aus der Branche

So äußert sich die Relais-Brache zum aktuellen Marktgeschehen

Auch bei Elesta relays, dem Schweizer Spezialisten für Relais mit zwangsgeführten Kontakten nach EN 50205, gab es 2012 laut Geschäftsführer Dr. Martin Kunschert »keinerlei Engpässe, die Regellieferzeiten betragen 20 Tage«. Dank Lean Production, in die auch die Lieferanten und Dienstleister eingebunden sind, verzeichnete man auch »weder ein Über- noch ein Unterschwingen«. Die Fertigungslinien seien »gut ausgelastet«, durch Lean Production habe die Flächenproduktivität weiter gesteigert und der Kundentakt bei allen Produktlinien erhöht werden können. Mittelfristig werde man jedoch die Produktionskapazitäten weiter optimieren müssen, um den stetig wachsenden Bedarfszahlen gerecht zu werden. Was die derzeitige Liefersituation anbelange, konstatiere man eine Marktkonsolidierung »mit leicht ansteigender Tendenz«. Trotz der seit 2010 »angespannten« Situation auf dem Energie- und Rohstoffmarkt seien Preisanpassungen »nur in sehr geringem Maß durchsetzbar« gewesen. Neben den reinen Rohstoffkosten kletterten auch die Verarbeitungskosten nach oben, zudem belasten die stetig steigenden Preise für Energie die Kostensituation. Und auch der derzeit schwache Euro sorge für eine »insgesamt noch immer nicht befriedigende Situation«. Dass man dennoch die Situation »gut im Griff« habe und weiterhin schwarze Zahlen schreibe, verdanke man zum einen der »leichten Beruhigung« an den Rohstoffmärkten und zum andern Effizienzsteigerungen im Unternehmen.

Jürgen Schönauer, European Relay Technology Manager bei Omron Electronic Components, beobachtet analog Zettler-Geschäftsführer Bayer einen »etwas abnehmenden Auftragseingang, weil die Kunden zuviel im Lager hatten oder der Markt rückläufig war«. So hat etwa die Nachfrage seitens der Solarindustrie »stark« nachgelassen, der Metering-Markt hingegen wachse abhängig vom jeweiligen Land weiterhin. Diese Situation spiegelt sich auch bei der Auslastung der Fertigung wider: »Je nach Relaisversion sind einige Linien nicht ganz ausgelastet.« Dennoch sei der Umbau auf automatische Produktionslinien nicht zuletzt wegen der in China schwankenden Personalsituation weiterhin wichtig, »auch wenn der Markt etwas schwächelt«. Was die Relaispreise betrifft, sind diese wegen der hohen Rohstoffpreise für Silber, Kupfer und Gold und sonstiger Kostensteigerungen sowie Währungsschwankungen gestiegen, zumindest momentan sei eine Senkung der Preise »nicht möglich«. Und auch der augenblicklich schwächere Euro mache Omron zu schaffen, »weil wir teilweise noch in Japan produzieren.«

Die Rohmaterialien sind laut Theo Reisel, Vertriebsleiter bei Hongfa Europe, »zwar etwas günstiger geworden, das konnte aber den Wertverlust des Euro nicht ausgleichen, sinkende Preise sind folglich nicht zu erwarten«. So habe der »schwache« Euro zu steigenden Preisen geführt, im übrigen habe der Preis für Silber auch schon wieder angezogen. Generell habe sich bei den Lieferzeiten die Situation zwar entspannt - »bei etwa 80 Prozent der Produkte sind wir wieder bei den Standardlieferzeiten angekommen« -, aber bei Power- und Kfz-Relais sei die Nachfrage wieder so hoch, dass deren Lieferzeit mittlerweile wieder 20 Wochen betrage. Bei diesen Relaistypen laufen die Linien auch am Limit, andere Linien seien hingegen nicht so gut ausgelastet, weshalb die hier gefertigten Relais innerhalb weniger Wochen geliefert werden können. Regional betrachtet schwächelten im Moment alle Märkte, nicht nur Europa, sondern auch Asien und Amerika. Produktseitig ließe sich die Nachfrage nicht für alle Typen über einen Kamm scheren, »hohe Zuwachsraten« habe man bei bistabilen Relais. In Europa gebe es auch bei Smart-Meter »unverändert hohe Zuwächse, nun fehlt eigentlich nur noch Deutschland«. Bei Solar ist die Nachfrage dagegen eingebrochen, hier sind »eher Wolken sichtbar«.

Je nach Abnehmermarkt und Relaistyp »ist die Situation unterschiedlich, insgesamt beurteilen wir die Marktentwicklung jedoch eher verhalten«, sagt Dr. Christian Veit, bei TE Connectivity als Director Global Sales zuständig für das Industrie-Relais-Geschäft. Eine »starke Nachfrage« beobachte man bei den neuesten Produkten wie RZ-Relais im General-Purpose-PCB-Low-Power-, bei SPR im Automotive-High-Power- und bei HF3 im Signal-Relais-Bereich. Um diesen steigenden Bedarf decken zu können, »wurde in einigen Bereichen in erhöhte Kapazitäten investiert«. Als Ergebnis dieser Maßnahmen sowie der Beruhigung seitens der Nachfrage insgesamt habe sich die Lieferzeitensituation »stabilisiert«. Mit den vorhandenen Fertigungskapazitäten sei TE jedenfalls auf das zu erwartende Wachstum »gut vorbereitet«. Regional wachse Asien und hier vor allem China stärker als der Rest der Welt, wobei das Wachstum getrieben werde durch den Ausbau der Infrastruktur und Maßnahmen zum Energiesparen. Eher als »kurzfristige Delle« bewerte man den Einbruch bei alternativen Energien durch das Auslaufen der Förderprogramme. Zum Wachstum tragen im übrigen auch die Innovationen bei Produkten für den Endverbraucher bei. Und in puncto Preisbildung lautet Veits Vorschlag: »In Anbetracht der gestiegenen Volatilität der Rohstoffkosten scheint eine Bindung der Relaispreise an die Materialindizes immer wichtiger.«

Lieferengpässe bei der Beschaffung der Rohstoffe gibt es laut Andreas Deisenrieder, Vertriebsleiter Deutschland Komponenten bei Panasonic Electric Works, keine. Die Preise für Rohstoffe seien aber »immer noch auf hohem Niveau«, was sich bei den Relaispreisen niederschlage. Und weil der Euro »immer noch stark unter Druck ist, sorgt dies für hohe Importpreise«. Für den Großteil der Relaistypen »haben sich die Lieferzeiten wieder normalisiert, jedoch in einigen Teilbereichen tritt immer noch eine starke Verknappung auf.« Auswirkungen der japanischen Dreifachkatastrophe im Vorjahr seien aber nicht mehr zu spüren.