Relais-Forum der Markt&Technik: Lieferzeiten sind auf 6 bis 12 Wochen gesunken Relais-Branche: Auftragseingang zieht wieder an

Eine 2-jährige Allokationsphase endete früher als erwartet im Sommer letzten Jahres, »jetzt haben wir wieder die fürs Industriegeschäft typischen 6 bis 12 Wochen Lieferzeit und somit eine entspannte Situation«, freut sich TE-Manager Dr. Christian Veit zusammen mit den Forumsteilnehmern. Seit Februar steigt die Nachfrage wieder, die Book-to-bill liegt über 1.

Mit den zu erzielenden Preisen ist man trotz anhaltend hoher Rohstoffpreise zufrieden. Ob allerdings die gute Liefersituation bei den meisten Relais-Typen 2012 erhalten bleibt angesichts des jetzt erst langsam anziehenden Auftragseingangs, ist strittig unter den Relaisherstellern: Während Veit den Auftragsrückgang die letzten 3, 4 Monate im Jahr 2011 und im Januar 2012 als »ein Einpendeln und Anpassen und somit nichts Ungewöhnliches« betrachtet, blickt Zettler-Geschäftsführer doch etwas skeptischer in die Zukunft. Zwar konstatiert er die in der Branche allgemein wieder angezogene Nachfrage mit einer Book-to-bill über 1 im Februar, dennoch schwebe über 2012 ein großes Fragezeichen: »Ich seh‘s eigentlich so, dass wir bald wieder eine Allokation haben werden, wenn auch nicht in so umwerfendem Maße wie die letzten 2 Jahre.« Die Kunden hätten zu lange auf der Bremse gestanden und würden zu spät bestellen, weil sie alle die Läger voll hatten. Deshalb sei mittlerweile das eigene Lager »leer, und wenn jetzt Aufträge in großen Stückzahlen kommen, dann wird‘s schwierig, den Bedarf schlagartig zu befriedigen«.

Was neue Märkte für die Relais-Hersteller anbelangt, werden vor allem E-Metering/Smartgrid und E-Mobility genannt. In puncto E-Metering haben laut Panasonic-Manager Andreas Deisenrieder »alle Hersteller etwas in der Schublade, dass es noch nicht so richtig läuft, hängt ganz klar von den Regularien ab«. Wenn die stimmen, erwartet sich die Branche für die Zeitdauer von 10 Jahren einen Markt mit enormem Potenzial, sind doch etwa in Deutschland pro Smartmeter drei bistabile Relais erforderlich, und die sind deutlich teurer als monostabile, elektromechanische Relais. Aus derzeitiger Sicht werden die Stückzahlen um das Jahr 2016 den höchsten Wert erreichen, um danach wieder zurückzugehen und schließlich in den Ersatzbedarf zu münden.

Bei E-Mobility muss die Branche mittelfristig planen, denn der Absatz an E-Cars ist aktuell auch wegen der hohen Autopreise und der spärlichen Infrastruktur recht zögerlich, die Planung für 2012 sieht in Europa lediglich 100.000 Einheiten vor. Hindernisse sind neben Preisen/Infrastruktur die Batterietechnik und fehlende Standards im E-Fahrzeug, wo derzeit Spannung von 450 V und 800 V, bisweilen gar 1000 V zum Zuge kommen. Gerüstet ist die Branche gleichwohl, entsprechende Relais sind konzpiert und auch in kleineren Stückzahlen – folglich entsprechend teuer - verfügbar. Interessant ist der Markt der E-Cars eher für die großen Relais-Hersteller wie TE, Panasonic, Omron und die chinesische Hongfa. Das finanzielle Risiko bei Rückrufaktionen und die dafür erforderlichen Versicherungskosten können kleinere Hersteller wie etwa Zettler nicht schultern. »Bei Ladestationen hingegen sind wir wieder dabei«, betont Bayer.