Interview Neuartiges Hochvolt-Relais soll Sicherheitslücke schließen

Teil 2, Sicherheitslücken schließen

Sind noch weitere Applikationen denkbar?

Ja, beispielsweise nutzen stationäre Energiespeicher oftmals die gleiche Batterietechnologie wie Elektrofahrzeuge. Das macht das Relais auch für diese Anwendungen sehr interessant.

Mit dem leistungsstarken Hochvoltrelais wollen Sie kritische Sicherheitslücken schließen. Was bedeutet das konkret?

Aktuelle HV-Schütze verfügen über eine relativ geringe Schaltleistung. Bei einer Systemspannung von 800 V können sie nur bis etwa 750 A sicher abschalten. HV-Sicherungen können hohe Kurzschlussströme von 2000 A und mehr sehr schnell abschalten. Bei darunter liegenden Kurzschlussströmen brauchen Schmelzsicherungen allerdings zu lange, um einen Schaden an Batterie, Kabel oder Leistungselektronik zu verhindern.

Damit erweisen sich Überströme oder Kurzschlussströme zwischen 750 A und 2000 A als sehr problematisch. Handelsübliche Relais können diese grundsätzlich nicht abschalten und die Schmelzsicherungen sind dafür zu träge. Unser Relais schafft erstmals diesen Spagat.

Gibt es in diesem speziellen Segment aktuelle Normungsaktivitäten bzw. einen Bedarf für Normung?

Alle großen Automobilhersteller investieren in die Elektromobilität, und der technologische Fortschritt ist rasant. Die Normung kommt hier deshalb manchmal nicht hinterher. Insbesondere die Bedeutung der galvanischen Trennung ist noch in der Diskussion.

Für die Bereiche außerhalb der allgemeineren ISO-Normen greifen Werksnormen der OEMs. Dadurch ist die Normenabdeckung generell gut.

Welchen Stellenwert hat für Ihr Unternehmen die Elektromobilität?

E-T-A beschäftigt sich seit 2012 mit den Anforderungen von Elektromobilität an Relais, Schütze und Schutzschalter. Wir sind davon überzeugt, höhere Gleichspannungen werden in Zukunft nicht nur in Autos, Bussen oder LKWs, sondern auch in Baumaschinen, im Bereich erneuerbare Energien und sogar in Flugzeugen eine immer wichtigere Rolle spielen. Für diese Märkte wollen wir attraktive und innovative Produkte anbieten.

Wie stellt sich dieser Absatzmarkt im Moment dar? Und welche Ziele verfolgen Sie?

Das neue Relais ist bewusst nicht für Elektro-PKWs konzipiert. Abgesehen von Supersportwagen werden auch hier mittelfristig 450-V-Systeme zum Einsatz kommen. Mit dem HVR10 konzentrieren wir uns auf Busse und Nutzfahrzeuge, die leistungsstärkere Antriebe und somit auch Systemspannungen von 800 V und mehr nutzen. Wir gehen davon aus, in naher Zukunft werden Elektrobusse im öffentlichen Personennahverkehr die Regel sein. Städte werden den Verbrennungsmotor – auch für LKWs – aus den Innenstädten verbannen. Hier wollen wir erfolgreich sein!