AVX: Wachstum im Automotive-Bereich Mit Akquisitionen neue Wachstumssegmente erschlossen

Neil Smyth, AVX: »Eines der interessantesten Produktsegmente sind für uns derzeit die Doppelschichtkondensatoren. Wir erzielen hier signifikantes Wachstum.«

Passive Elektronikbauelemente und Verbindungstechnik sind das Rückgrat des Produktportfolios von AVX. Mit strategischen Akquisitionen im Bereich Sensorik sowie Antennentechnik kamen neue Angebote hinzu.

Für Neil Smyth, Marketing Director Europe, ist das ein entscheidender Schritt, um sich auch in neuen Wachstumsbereichen zu positionieren.

Markt&Technik: Aus Sicht der Hersteller passiver und elektromechanischer Bauteile muss 2018 ein phantastisches Jahr gewesen sein. Setzt sich dieser Herstellermarkt Ihrer Überzeugung nach 2019 weiter fort?

Neil Smyth: Es war in erster Linie eine Herausforderung, und im Bereich MLCCs war die Situation 2018 sehr, sehr fordernd. Wir setzen 2019 weiter auf Wachstum, und ich sehe aufgrund der hohen und weiter steigenden Elektronifizierung unserer Lebensumwelt keinen Grund für einen nachlassenden Bedarf.

Im Jahr 2018 konnten sich fast alle Hersteller passiver Bauelemente über einen häufig zweistelligen Umsatzzuwachs freuen. War das vor allem steigenden Preisen geschuldet oder profitierte die Branche auch in besonderem Maße von der Dynamik bestimmter Anwendermärkte?

In unserer Wachstumsstrategie spielt der Automotive-Markt eine ganz wichtige Rolle. Sein Umsatzbeitrag lag 2018 bei 32 Prozent und wird in diesem Jahr auf 39 Prozent steigen. Entscheidenden Einfluss auf diese Wachstumsdynamik haben unsere jüngsten strategischen Akquisitionen. Zur Wirkung kommt hier die Übernahme von AB Elektronik, die vor allem den Sensor- und Kontrollbereich betrifft, sowie Ethertronics, die uns ein leistungsfähiges Portfolio im Bereich hochentwickelter Antennentechnik für Elektronikanwendungen beschert hat. Diese beiden Akquisitionen tragen nun entscheidend zum Wachstum im Automotive-Bereich bei.

Sie sprachen die sehr angespannte Situation bei den MLCCs an. Auch AVX bietet MLCCs an, gehört aber nicht zu den Top 3 in diesem Bereich. Wie konnten Sie Kunden helfen?

Ich würde uns beim Thema MLCCs eher in der zweiten Hälfte der Top 10 sehen. MLCCs machen etwa 27 bis 28 Prozent unseres Geschäfts aus. Tantal, wenn Sie die Tantal-Polymer-Kondensatoren hinzunehmen, kommt ebenfalls auf einen Umsatzanteil von 25 Prozent. Wir sind im MLCC-Bereich sicher nicht so stark wie einige Wettbewerber im Konsumbereich vertreten, auch wenn wir im letzten Jahr allein 13 Prozent unseres Umsatzes im Handy-Bereich erzielt haben. Wir konnten einigen unserer strategischen Kunden im letzten Jahr beim Mehrbedarf helfen. Wir sahen uns aber auch mit hochvolumigen Bedarfen von Kunden konfrontiert, die wir aufgrund nicht mehr zur Verfügung stehender Produktionskapazität einfach ablehnen mussten.

Wie sieht Ihre aktuelle Analyse des MLCC-Marktes für 2019 aus?

Wir gehen davon aus, dass es bei großen Bauformen und bei High-Cap-Werten auch 2019 kritisch bleiben wird. Bei bestimmten Standard-MLCCs sehen wir dagegen bereits eine geringfügige Entspannung. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Bei MLCCs der Bauform 0603 mit 100 nF wird es 2019 sicherlich eine bessere Verfügbarkeit am Markt geben. Wenn wir dagegen einen 1210 mit 2,2 µF oder mit 4,7 µF nehmen, dann wird dieses Bauteil auch 2019 nur in beschränktem Maße zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund empfehlen wir unseren Kunden nach wie vor, langfristig zu planen. Wie schon angesprochen, betrifft das Thema Verfügbarkeit ja im wesentlichen MLCCs. Wenn Sie sich dagegen die Tantal- und Tantal-Polymer-Kondensatoren ansehen, dann liegen die Lieferzeiten für diese Produkte nach wie vor bei 12 bis 16 Wochen.

Sie sprachen das Thema ausgelasteter Produktionskapazitäten an. Ein Vorwurf der Anwender lautet ja auch, die Hersteller hätten in den letzten Jahren zu wenig in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten investiert. Wie sieht es in diesem Punkt bei AVX aus?

Wir haben unsere Produktionskapazitäten seit 2015 kontinuierlich erweitert. In Summe waren es bis 2018 über 77.000 m2. Im Bereich passive Bauelemente haben wir beispielsweise 2016 den Produktionsbereich im tschechischen Uherske um über 5500 m2 erweitert. In Malaysia haben wir 2018 den Produktionsbereich für Keramikprodukte um über 12.000 m2 erweitert. Und wir fahren fort, unsere Produktionskapazitäten weiter auszubauen.