Markt&Technik-Forum Lieferprobleme verbinden

Die Teilnehmer am Markt&Technik-Forum "Connectivity für Industrie 4.0" in reger Diskussion.

Die aktuelle Marktsituation empfinden die Teilnehmer am Markt&Technik-Forum "Connectivity für Industrie 4.0" als sehr gut. Das bekräftigen die durch die Bank weg positiven Wachstumszahlen der Branche. Trotzdem ist die Euphorie gedämpft.

Was die derzeitige Lage auf dem Steckverbinder- und Kabelmarkt angeht, herrscht beeindruckender Konsens bei den Teilnehmern des Markt&Technik-Forums „Connectivity für Industrie 4.0“: »Wir sind total zufrieden«, so Denis Giba, Geschäftsführer von Odu. »Wir haben das erste Halbjahr 2018 über 15 Prozent Wachstum generieren können. Unsere Book-to-Bill liegt im Moment bei 1,1. Wir können also auch für die kommenden Monate keine Änderung in irgendeiner Form wahrnehmen. Im Moment könnten wir gar nicht viel mehr produzieren als das, was wir monatlich an unsere Kunden senden. Also vollste Zufriedenheit in allen Kennzahlen.«

»Das vergangene Geschäftsjahr lag über unseren Erwartungen und auch das erste Quartal 2018 ist sehr positiv angelaufen«, stimmt Manuela Gutmann, Division Manager Connector Solutions bei Yamaichi Electronics, zu. »Wir sind zufrieden und im Moment läuft noch alles gut. Es ist sogar so, dass wir wegen der aktuellen Rohstoffsituation vielmehr damit beschäftigt sind, die Kundenbedarfe tatsächlich zu erfüllen und alles aus der Fertigung rauszubekommen. Also eigentlich ein Luxusproblem.«

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Markt&Technik-Forum: Trends in der Stecker- und Kabelwelt

5G, Single-Pair-Ethernet und Standardisierung – im Forum "Connectivity für Industrie 4.0" drehte sich alles um wegweisende Zukunftstrends in der Verbindungsbranche. Einen Einblick in die Themenvielfalt gibt Ihnen die Bilderstrecke.

Der Schatten der auf dem Markt herrschenden Lieferproblematik und die schwer einzuschätzende Weltpolitik, allem voran ein möglicher Handelskrieg zwischen den Wirtschaftsnationen, senkt sich auch über die Verbindungsbranche. Entsprechend zurückhaltend sind die Experten mit ihrer Prognose: »Es gibt viele Dinge, die man nicht beeinflussen kann, zum Beispiel die Zölle. Wir gehen davon aus, dass diese Dinge früher oder später auch Europa und Deutschland beeinflussen werden. Stand heute kann man es noch nicht voraussehen, aber man sitzt natürlich ein bisschen auf der Lauer in der Erwartung, was passiert«, so Manuela Gutmann. Zwiegespalten ist auch Simon Seereiner, Leiter Produktmanagement bei Weidmüller. »Eigentlich schwingen wir in den generellen Freudentaumel mit. Die ersten sechs Monate liefen sehr, sehr gut.« Die Größenordnung von Weidmüllers Wachstum liege bei etwa 15 Prozent, wobei vor allem das Automatisierungsgeschäft und Digital Communication als starke Wachstumstreiber im Konzern gelten. Aber auch Weidmüller hat mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen. »Uns beschäftigen Themen wie Rohwaren und Rohkabelmaterialien, aber auch ganz banale Dinge, wie die Verfügbarkeit von Komponenten auf dem Kunststoffmarkt. Da hilft dann natürlich eine entsprechende Einkaufsmacht, aber es wird schwieriger, die benötigten Rohmaterialien zu bekommen.« Um die Internationalisierung voranzutreiben, hat Weidmüller vor Kurzem auf dem asiatischen Markt einige Tochtergesellschaften eröffnet. Zudem hat das Unternehmen einen Millionenbetrag in das neue Customer-and-Technology-Center in Detmold investiert, das Ende des Jahres eingeweiht werden soll. Trotzdem bleibt Seereiner vorsichtig mit seiner Prognose: »Es war 2009 nach der Krise schwer einzuschätzen, es war 2015 nicht besser einzuschätzen und irgendwie hat sich da auch 2018 nichts daran geändert: Es ist immer noch schwer einzuschätzen. Wir gehen von einem stabilen Wachstum aus, aber man muss eben auf Sicht fahren und aufpassen, dass man sich mit seinen Investitionen nicht übernimmt.«

Dass langfristige Planungen momentan schwierig sind und Unternehmen generell vorsichtiger investieren, bestätigt Matthias Fritsche, Global Product Manager bei Harting. Risiken wie die aktuelle Rohstoffsituation könne man kaum beeinflussen und schwer abschätzen. Harting befindet sich aktuell im Endspurt des laufenden Geschäftsjahres. Die Wachstumsraten liegen Fritsche zufolge aktuell etwa bei 25 Prozent. Dabei investiert Harting kräftig, zum Beispiel in das neue Logistikzentrum, das im nächsten Jahr in Betrieb genommen wird. »Es wird uns massiv helfen, die Liefer-Performance zu verbessern.«