Massiver Stellenabbau Leoni streicht 2000 Stellen

Karl Gadesmann  hat sein Mandat als Finanzvorstand im Einvernehmen mit der Gesellschaft mit sofortiger Wirkung niedergelegt.
Karl Gadesmann, ehemals Finanzvorstand von Leoni, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.

Mithilfe eines Strategie-Programms will Leoni nach einem schwachen Jahresgewinn wieder auf die Beine kommen. Dafür streicht das Unternehmen 2000 Stellen, Finanzvorstand Karl Gadesmann geht.

In den ersten zwei Monaten des Jahres 2019 hat sich die bereits letztes Jahr schwierige Situation von Leoni für das Unternehmen in “unerwartetem Umfang” fortgesetzt. Im Bordnetzbereich läge das vor allem an hohen Personal- und Frachtkosten im Zusammenhang mit den Anlaufschwierigkeiten in Merida sowie an Effizienz- und Kostendefiziten in einigen anderen Standorten. Insgesamt sieht sich das Unternehmen mit einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld unter anderem in China konfrontiert. Zudem haben einige OEMs ihre Abrufe für die nächsten Monate im Bereich WSD deutlich gekürzt. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen hält der Vorstand nach aktueller Planung nicht länger an seinem am 7. Februar 2019 bekannt gemachten Ausblick für das Jahr 2019 fest.

Als Konsequenz streicht Leoni rund 2.000 Stellen weltweit, davon bis zu 500 in Hochlohnländern. Außerdem gilt ein konzernweiter Einstellungsstopp und eine Aufschiebung von Gehaltserhöhungen für außertarifliche und leitende Angestellte.

»Die Entwicklungen zum Ende des Geschäftsjahres 2018 und insbesondere in den ersten beiden Monaten 2019 haben deutlich gemacht, dass wir noch schneller und konsequenter handeln müssen, um Leoni wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Wir haben die Ineffizienzen identifiziert, konkrete Maßnahmen ergriffen und einen klaren Fahrplan, wie wir die Probleme adressieren«, sagt Aldo Kamper, Vorstandsvorsitzender von Leoni.

In diesem Zuge hat Karl Gadesmann sein Mandat als Finanzvorstand mit sofortiger Wirkung niedergelegt, dessen Aufgaben kurzfristig Kamper übernimmt. Ab dem 1. April 2019 soll Kamper zusätzlich den Bordnetz-Bereich leiten. Martin Stüttem wird künftig die Funktion als Chief Operating Officer (COO) der Bordnetzsparte übernehmen. 

Mithilfe des Sparprogramms Value 21 will Leoni bis 2022 rund 500 Millionen Euro an strukturellen Kosten jährlich eingesparen – dies sei aber zunächst mit Kosten von rund 120 Millionen Euro verbunden, davon rund die Hälfte bezogen auf personalbezogene Maßnahmen, die größtenteils in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 anfallen werden. Die Maßnahmen beinhalten eine Verbesserung des direkten Einkaufs, Effizienzsteigerungen in Produktion, Logistik und indirektem Einkauf sowie die Reduzierung von Vertriebskosten, von Forschungs- und Entwicklungsausgaben und IT-Kosten. Die Implementierung erster Maßnahmen ist für das dritte Quartal 2019 vorgesehen. Der Nettoeffekt von Value 21 soll in einem stabilen Marktumfeld über die nächsten 3 Jahre zu einer Verbesserung der EBIT-Marge um 2 bis 3 Prozentpunkte im Vergleich zu 2018 führen. Der Free Cashflow soll analog um 4 bis 5 Prozentpunkte steigen. 

Organisatorische Neuausrichtung
Leoni beabsichtigt, die Unternehmensstruktur in eine auf kapitalmarktrelevante Funktionen ausgerichtete Finanzholding sowie zwei unternehmerisch eigenständig agierende Divisionen zu ändern. Die Divisionen werden volle direkte Kostenverantwortung für ihre eigenen Geschäfte übernehmen, damit sie Strukturen und Prozesse nach Bedarf unabhängig voneinander entwickeln können. Zudem werden der Vorstandsvorsitzende und der neue Finanzvorstand der Holding künftig dieselben Rollen im Bordnetzbereich übernehmen.