Welche Leitung ist die richtige? Kabel: UL-Listed oder UL-Recognized?

Teil 2: So schnell kann man in die Problem-Falle tappen

Wenn Probleme mit der Zulassung auftreten, liegt das in der Regel nicht daran, dass das Produkt keine Zulassung hat, sondern dass es eine falsche hat! Wie komplex die Thematik ist, zeigt das folgende Beispiel:

Ein Maschinenbauer stellt in einer Fabrikhalle mehrere Maschinen auf. Diese werden mit einer Schleppkettenleitung mit PUR-Mantel verkabelt, welche über eine Zulassung des Typs "UL-Recognized AWM Style" oder "UL-Listed CMX" verfügt. PUR ist ein hervorragender Werkstoff für permanent bewegte Leitungen mit langer Standzeit und langer Lebensdauer. Wegen seiner chemischen Zusammensetzung ist das Material aber nicht hoch flammwidrig. Will heißen: Für die Verkabelung innerhalb der Maschine eignet sich dieses Kabel zwar sehr gut, nicht aber, sobald die einzelnen Maschinen miteinander verbunden werden! Dann ergibt sich folgendes Problem: Die Leitungen werden z.B. am Boden in Kabelschächten oder über Kabeltragschienen verlegt. Diese Verlegart fällt unter die Gebäudeverkabelung (CM/CMG), die einen Bündelbrandtest vorschreibt. Bei der sogenannten Pritschenverlegung verlangen die Amerikaner eine hohe Flammwidrigkeit. Der prüfende Fire Marshal wird somit die Verkabelung in der Maschine abnehmen, nicht aber die Verkabelung zwischen den Maschinen. Dann muss das verbaute Kabel komplett oder teilweise wieder ausgebaut und durch zum Beispiel eine Version mit PVC-Mantel und "UL-Listed CMG" ersetzt werden.  

"Unsere Kunden sind sich oft gar nicht drüber im Klaren, welche Anforderungen ihre Applikation eigentlich erfordert und wie die Installationsmöglichkeiten in Nordamerika bei den unterschiedlichen Anbietern aussehen", berichtet Horst Messerer.

Aufgrund der ganzen Komplexität der Thematik rät er zu folgendem Vorgehen:

Besser auf UL-Listed vertrauen!

"Der Einkäufer oder Techniker sollte sich immer zuerst für die Norm entscheiden, weil die Norm auf dem Kabel einfacher zu prüfen ist und die Abnahme schneller erfolgt. Mit einem Produkt nach Norm hat der Kunde den Prüfer auf seiner Seite, weil er ihm quasi die AWM-Recherche erspart", weiß der Experte aus Erfahrung. Erst wenn man dabei nicht fündig wird, sollte man sich bei den AWM-Styles umschauen. AWM-Styles haben dabei durchaus auch ihre Berechtigung: Sie sind auf die Anwendung zugeschnitten, denn nicht alle Applikationen lassen sich in die UL-Norm pressen. Bekanntlich stellt eine Holzbearbeitungsmaschine andere Anforderungen an die Verkabelung als eine metallverarbeitende Maschine oder die Mechanik von Robotern.