Verkabelung in Rechenzentren Ist OM5 die „bessere“ OM4-Faser?

Mehr als 70 MW elektrische Energie brauchen die Rechenzentren heute.
Auch bei den Multimode-Fasern macht die rasante Entwicklung zu immer größeren Bandbreiten keinen Halt.

Die Faserkategorie OM5 soll durch SWDM-Technik noch höhere Datenraten als ihre Vorgänger übertragen. Macht sie das zur „besseren“ OM4-Faser? Nur bedingt, sind sich die Experten einig.

OM5 folgt auf OM4 und ist damit automatisch leistungsfähiger. So einfach, so falsch: »Zwar suggeriert die Bezeichnung eine noch leistungsfähigere Multimode-Faser, OM5 ist aber vielmehr eine Version der OM4-Faser mit einem Bandbreiten-Peak bei 880 nm, einer Bandbreitencharakterisierung bei 850 nm und zusätzlich auch bei 953 nm«, erklärt Pius Albisser, Senior Engineer Data Centre Solutions bei Dätwyler Cabling Solutions.

Was also steckt hinter der OM5-Faser? Die neue Multimode-Fasertype, wobei „OM“ für „Optical Dibre Multimode“ steht, unterstützt Short-Wave-Division-Multiplexing (SWDM). Mit der von der SWDM Alliance ratifizierten SWDM-Technik lassen sich Daten über vier Wellenlängen in Multimode-Fasern übertragen. SWDM-Transceiver werden dabei über zwei Fasern miteinander verbunden. »Der wesentliche Vorteil von OM5 im Zusammenhang mit der SWDM-Technologie gegenüber OM3 und OM4 besteht in der erheblich größeren Reichweite: Sie liegt bei 440 Metern«, so André Engel, Geschäftsführer von tde. Zwar lassen sich auch OM3- und OM4-Fasern für die SWDM-Technologie nutzen, dies gehe jedoch mit reduzierten Reichweiten von 240 Meter bei OM3 und 350 Meter bei OM4 einher. Außerdem gäbe es in Bestandsverkabelungen keine Garantie dafür, dass wirklich jede installierte OM3- oder OM4-Faser diese Reichweiten möglich macht. Der Grund: »OM3- und OM4-Fasern sind nicht für den erweiterten Wellenlängenbereich oberhalb von 850 nm spezifiziert.«

»Je nach Einsatz bietet OM5 Vorteile«, sagt auch Dirk Traeger, Technical Solutions Manager DataVoice bei Telegärtner. So könne der Anwender bei Datenraten von 40 Gbit/s und darüber Fasern einsparen, weil eine Faser Lichtsignale von vier verschiedenen Wellenlängen gleichzeitig übertragen kann und somit vier Übertragungskanäle gleichzeitig bietet – eine Technik, die es für Single-Mode-Fasern schon lange gibt. »Wir warnen allerdings vor Pauschalaussagen. Auch in der IT-Infrastruktur gibt es kein Allheilmittel: Zwar lassen sich durch geringere Faserzahlen Kosten einsparen, allerdings stehen dem die Kosten für die anspruchsvollere Elektronik der aktiven Netzwerkkomponenten gegenüber.«

Dem stimmt Dr. Gerald Berg, Prozessverantwortlicher Sales & Marketing bei Rosenberger Optical Solutions & Infrastructure (Rosenberger Osi) zu: »Der Längenvorteil muss zu den deutlich höheren Faserkosten ins Verhältnis gesetzt werden.« Auch die entsprechenden Transceiver seien erheblich teurer als etwa paralleloptische Transceiver für 40 und 100 Gbit/s. »Mit steigender Nachfrage wird sich das aber sicherlich ändern«, so André Engel von tde. »Multiplexing war schon immer kostspieliger, deshalb gehe ich davon aus, dass auch die SWDM-Transceiver immer teurer sein werden.«

Können die Experten die OM5-Faser also uneingeschränkt empfehlen? »Im Multimode-Faserbereich kann die OM5-Faser nur mit der SWDM-Technologie Vorteile bringen. Für alle anderen Multimode-Anwendungen innerhalb und außerhalb des Datacenters bleibt die OM4-Faser das Medium der Wahl« so Pius Albisser. Dätwyler sehe momentan keinen Grund, die OM5-Faser generell als Medium für die Datacenter-Verkabelung zu empfehlen. Für zukunftssichere Verkabelungen und höhere Übertragungsraten geht der Trend in diesem Umfeld mehr in Richtung Single-Mode-Fasern.« So sieht das auch Dr. Gerald Berg: »Die OM5-Faser ist nicht – wie oft dargestellt – die „bessere“ OM4-Faser. Bei allen Überlegungen ist zu berücksichtigen, dass Stand heute die OM5-Faser ihre Vorteile nur mit der SWDM-Technologie ausspielen kann. Für alle anderen Anwendungen im Multimode-Bereich ist die OM4-Faser noch immer die Faser der Wahl.«