Interview IoT-Gehäuse der nächsten Generation

Mit den Gehäusen des Typs BoLink will Bopla einen neuen Standard am Markt setzen.
Mit den Gehäusen des Typs BoLink will Bopla einen neuen Standard am Markt setzen.

Am Markt bekannt ist Bopla vor allem wegen seines sehr großen Portfolios an Standard-Gehäusen. »Das ab Lager verfügbare Sortiment bildet gleichzeitig die Grundlage für viele kundenspezifische IoT-Gehäuse«, erläutert Mathias Bünte, Business Development Manager von Bopla, im Markt&Technik-Interview.

Markt&Technik: Ihr Unternehmen feiert im nächsten Jahr 50-jähriges Bestehen. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine?

Mathias Bünte: Unser Geschäft haben wir mit Euromas-Gehäusen aus Kunststoff gestartet. Später kam die Entwicklung von Aluminium-Gehäusen hinzu, welche heute ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts sind. 1977 wurde Bopla dann in die Phoenix-Mecano-Gruppe integriert, wodurch wir zu einem international aufgestellten Unternehmen mit Fertigungs- und Vertriebsstandorten auf der ganzen Welt aufgestiegen sind. Das unterscheidet uns von vielen nationalen Wettbewerbern am Gehäuse-Markt.

Den Kern ihres  Unternehmens bilden Standard-Gehäuse in nahezu allen Varianten sowie deren individuelle Anpassung. Was sind heute ihre wichtigsten Serien?

Zu den wichtigsten Meilensteinen in der Produktentwicklung gehören unsere Gehäuse der Serien »BoCube« und »BoCube Alu« - eine Neuinterpretation der klassischen Industriegehäuse. In der Kunststoffausführung stehen 23 Gehäuse-Größen für unsere Kunden ab Lager zur Verfügung, woraus sich 138 Standard-Kombinationsmöglichkeiten ergeben. Hinzukommen weitere neun Aluminium-Gehäuse in unterschiedlichen Größen. Neben ihrer Variantenvielfalt zeichnen sich die Gehäuse unter anderem durch eine innovative Scharnierverschlusstechnik ohne Schrauben aus.
Des Weiteren sind die Gehäuse der Serie »BoLink« eine wichtige Innovation, mit der wir einen neuen Standard im  IoT-Markt setzen wollen. Bei diesen Gehäusen haben wir eine Vielzahl an Anforderungen des IoT-Marktes in einem Gehäusesystem berücksichtigt, wie eine besonders kompakte Bauform sowie die Möglichkeit, die Gehäuse auch unter schwierigen Umweltbedingungen im Außenbereich einsetzen zu können.

Wie wichtig ist der Bereich IoT für Ihr Unternehmen?

Die überwiegende Anzahl unserer Gehäuse wird seit vielen Jahren in  Bereichen eingesetzt, die man weitestgehend als IoT bezeichnen kann, etwa in Zusammenhang mit Sensoren, Interfaces, Funkmodulen und MSR.  Dadurch, dass überall und in jeder beliebigen Umgebung Daten aufgenommen, weitergeleitet und ausgewertet müssen, steigt der Bedarf an Elektronikgehäusen natürlich weiter an. Die Antenne möchte der Kunde idealerweise geschützt einbauen. Aus diesem Grund sind Gehäuse aus robusten, für den Outdoor-Einsatz tauglichen Kunststoffen aktuell besonders gefragt – mit entsprechenden Materialzertifikaten für eine reibungslose Produktzertifizierung. Bei besonders harten Umweltanforderungen sind allerdings unsere Aluminium-Gehäuse die erste Wahl, auch wenn die Antenne dann extern verbaut werden muss. Insgesamt ist das Thema IoT bei fast allen unseren Kunden sehr präsent.

Gibt es Absatzmärkte, die für ihr Unternehmen immer wichtiger werden?

Auch hier könnte man im Weitesten Sinne wieder von IoT-Applikationen sprechen. Wir verzeichnen aktuell einen Zuwachs im Bereich der Umwelttechnik, bei Erneuerbaren Energien und der Elektromobilität sowie im Bereich der Agrartechnologie.

Wie haben sich die Anforderungen an die Gehäuse in den letzten Jahren verändert?

Die Gehäuse werden immer individueller, auch bei kleineren Losgrößen. Vor allem im Bereich der Sondergehäuse sehen wir eine zunehmende Bereitschaft unserer Kunden, in ihr eigenes maßgeschneidertes Gehäuse zu investieren. Der 3D-Druck ist in diesem Zusammenhang ein verlockender erster Schritt, weil er aufzeigt, was möglich ist. Dadurch ist die Hemmschwelle beim Kunden gesunken, in neue Produkt-Designs und die damit  einhergehenden Werkzeugkosten für die Serienfertigung zu investieren.
Gleichzeitig steigt  die Nachfrage nach kompletten Gehäusesystemen aus einer Hand. Insbesondere im Bereich der Integration von Touchscreens und Displays greifen unsere Kunden zunehmend auf unsere Unterstützung zurück, von der Konzeption, über den Prototypenbau, bis hin zur Serienfertigung. Dadurch, dass wir der Phoenix-Mecano-Gruppe angehören, haben wir all diese Technologien unter einem Dach gebündelt und können somit alle Komponenten und Technologien aus einer Hand anbieten. Unser Fokus liegt dabei weiterhin auf kleinen bis mittleren Stückzahlen, die wir aufgrund unserer großen Fertigungstiefe und der damit einhergehenden Flexibilität in der Produktion besonders gut und zeitnah abdecken können. Damit tragen wir auch dem Trend Rechnung, dass die Innovationszyklen unserer Kunden immer kürzer werden und erste seriennahe Prototypen oftmals sehr schnell benötigt werden.

Sie haben in den letzten drei Jahren jeweils Umsatzrekorde verzeichnet. Gibt es mittlerweile konkrete Anzeichen dafür, dass sich die Nachfrage am Gehäuse-Markt nun abschwächt?

Wir sind auch 2019 weiterhin auf Wachstumskurs, obwohl einige unserer Kunden mittlerweile etwas verhaltener agieren. Sie haben offenbar ihren wohlverdienten Sommerurlaub genutzt, um neue Energie für den Messe-Herbst zu tanken. Dennoch sind wir insgesamt optimistisch, auch aufgrund der anstehenden Messen. „Bopla live“ gibt es in diesem Jahr noch auf der FMB in Bad Salzuflen, der SPS in Nürnberg und erstmals der Agritechnica in Hannover zu sehen.

Das Interview führte Corinna Puhlmann-Hespen