Relais-Forum Intelligente Relais sind noch Zukunftsmusik

Die Teilnehmer am Relais-Forum 2014 der Markt&Technik (v.l.n.r.): Ben Schulte, Fujitsu; Jürgen Schönauer, Omron; Dr. Werner Johler, TE Connectivity; Jürgen Steinhäuser, Elesta; Andreas Deisenrieder, Panasonic; Dirk Rauscher, Finder; Theo Reisel, Hongfa; Erich Schenk, Markt&Technik; Richard Bayer, Zettler
Die Teilnehmer am Relais-Forum 2014 der Markt&Technik (v.l.n.r.): Ben Schulte, Fujitsu; Jürgen Schönauer, Omron; Dr. Werner Johler, TE Connectivity; Jürgen Steinhäuser, Elesta; Andreas Deisenrieder, Panasonic; Dirk Rauscher, Finder; Theo Reisel, Hongfa; Erich Schenk, Markt&Technik; Richard Bayer, Zettler

Zwischen E-Mechanik- und Halbleiter-Relais »ist noch Platz für Smart-Relais«, sagt TE-Manager Dr. Werner Johler. Derartige intelligente Relais sind derzeit bei TE aber erst im Entwicklungsstadium, bis zur Marktreife vergehen noch einige Jahre.

»Wir arbeiten generell an intelligenten Relais«, versichert Johler, CTO Relays, Sr. Dir. Global Engineering bei TE Connectivity, »und wir werden nur Sachen machen, die einen Zusatznutzen haben.« Ein ganz banales Thema bei Relais etwa sei, dass die Kunden sich in der Regel nicht darum scherten, ein für 100.000 Schaltzyklen spezifiziertes Relais beim Erreichen dieses Werts auch auszutauschen, sondern es weiterlaufen ließen. Werde aber das Relais solange verwendet, bis es keinen Überhub mehr hat, dann komme es zu Überhitzung und Feuer. Am Schluss trage der Relaishersteller die Verantwortung, zumal sich nicht nachweisen ließe, wie oft das Relais geschaltet habe. Dieses Problem lässt sich mit den Smart-Relais lösen: »Mit relativ einfach einbaubarer Intelligenz kann nun dafür gesorgt werden, dass das Relais am Ende seiner spezifizierten Lebensdauer kaputt geht«, sagt der TE-Manager. Dies dürfe nicht mit geplanter Obsolescence missverstanden werden, denn Relais hätten prinzpiell sicherheitsrelevante Funktionen zu gewährleisten. Mit integrierter Intelligenz ließe sich auch die Temperatur des Relais überwachen. Blicke man über den Tellerrand etwa zu den Steckverbinderkollegen bei TE, könne man »das eine oder andere auf Relais abbilden«. Dort etwa gibt es schon interessante Features, die man sich vor 10 Jahren gar nicht habe vorstellen können. Ein Beispiel: Steckt man ein Kabel falsch ein, funktioniert das nicht, das Ganze ist also Error-Proof.

Die Idee, E-Mechanik mit Elektronik zu verheiraten, ist so neu nicht, wie Theo Reisel, Vertriebsleiter bei Hongfa Europe, berichtet: »Bei einem Meeting Mitte der 90er Jahre mit Leuten aus verschiedenen Branchen wollte ein Kunde ein Hybrid-Relais, also E-Mechanik mit Elektronik.« Der Haken bei der an sich »tollen Idee« war finanzieller Natur, denn weil die Produkte des Kunden Low-Cost waren, musste auch das Relais Low-Cost sein. Technisch machbar sei es schon damals gewesen, aber die Kunden würden ein solches Relais nur ordern, »wenn der Nutzen höher ist als die Mehrkosten«. Dem pflichtet Jürgen Steinhäuser, Vertriebs- und Marketingleiter bei Elesta, bei, denn machbar sei sicherlich viel etwa beim Themen wie Prellen oder Spulenansteuerung. Aber: »Will der Kunde das bezahlen?« So gebe es seit Jahren Ansteuerbausteine für Relais auf dem Markt, die keiner kaufe, weil sie zu teuer seien. Der Kostendruck dürfte aber zumindest in manchen Entwicklungen der Kunden »dann nicht mehr das ausschlaggebende Moment sein, sobald sich neue Features einbringen lassen, die vorher nicht möglich waren«. Folglich sei es ganz wichtig, jetzt die entsprechenden Relais-Entwicklungen zu machen, »auch wenn’s die nächsten 5 Jahre nichts bringt«.

Für technologische Sprünge sei es überdies erforderlich, über den Tellerrand zu schauen und »Kapital bewusst zum Denken auszugeben«, argumentiert Steinhäuser. Wolle man innovativ sein, dürfe man sich auch von normativen Vorgaben nicht bremsen lassen, wenngleich man diese immer im Hinterkopf behalten sollte, denn Relais seien nun mal sicherheitsrelevant. Zumindest momentan noch als Innovationsbremse beurteilt Dirk Rauscher, Vertriebsleiter bei Finder, den Kostendruck seitens der Kunden: »Wir könnten viel immplentieren, das mit Sicherheit für die Geräte an sich Nutzen bringen würde.« Das sei bedauerlich, habe man doch »viele Ideen, aber es wird nicht bezahlt«. Intelligente Relais würden vermutlich erst dann geordert, »wenn die Applikation über die Norm oder die Anwenderseite den Druck spürt, in diese Richtung gehen zu müssen«.

Den Kosten/Nutzenaspekt führt auch Andreas Deisenrieder an, Senior General Manager Sales Germany&European Distribution bei Panasonic Electric Works Europe: »Wieweit möchte der Kunde Intelligenz bezahlen?« Momentan ist das Relais ein Standalone, »alles andere macht man extern etwa via Controller«. Den bräuchte man nicht mehr, hätte man ein Plug-in-Teil. Grundsätzlich »sind intelligente Relais eine sehr interessante Vision, ich sehe sie aber erst in Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten Realität werden.« Für »interessant« hält auch Jürgen Schönauer, European Relay Technology Manager bei Omron Electronic Components, solche Relais, könnten sie doch dem Service-Mann Wartungsintervalle anzeigen. Oder eine Vorwarnung in der Fertigungslinie ausgeben: »Wenn man dank Vorwarnung weiß, die Linie fällt gleich aus, dann ist es besser, ein Teil auszutauschen, als einen Stopp der Linie für ein paar Stunden hinnehmen zu müssen.« Schon heute könnten fast alle industriellen Geräte diese Option bieten, um ein »Pass auf!«-Signal zu verarbeiten.