Interview zur Bauteile-Entwärmung »In der Entwärmung steckt großes Optimierungspotenzial!«

Tim Schlachtenrodt: "Die Erfahrung zeigt, dass Standardkühlkörper oft völlig überdimensioniert eingesetzt werden."
Tim Schlachtenrodt: "Die Erfahrung zeigt, dass Standardkühlkörper oft völlig überdimensioniert eingesetzt werden."

Zum Standardprogramm von Alutronic gehören rund 250 Kühlkörperprofile aus Aluminium. An Sonderprofilen hat die Firma fast drei Mal so viel realisiert. »Der geringe Platz auf der Leiterplatte gibt heute oft Anlass, die Bauteil-Entwärmung zu überdenken«, betont Geschäftsführer Tim Schlachtenrodt.

Markt&Technik: Ihr Unternehmen hat sich der Bauteile-Entwärmung verschrieben. Wie komplex ist ihr Geschäft?

Tim Schlachtenrodt: Es ist erfahrungsgemäß eine Aufgabe, die sehr schnell sehr komplex werden kann. Unser Produkt ist zwischen der Mechanik und der Elektronik angesiedelt. Die Thermodynamik ist ein großes Feld, das wir seit über 40 Jahren bespielen. Ergänzend zum passend ausgelegten Kühlkörperprofil liefern und realisieren wir verschiedene Leiterplatten-Befestigungen, Wärmeleit- und Isolierungs-Materialien und Oberflächenbeschichtungen bis hin zur Verpackung. Wir betrachten die Bauteile-Entwärmung also als Ganzes und beschäftigen uns neben dem thermischen Verhalten auch mit der Optimierung der Logistik und der Gesamtkosten. Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es fast immer!

Ihre Firma ist in den vergangenen vier Jahren um jeweils rund 10 Prozent gewachsen. Woher kommt dieses Wachstum?

Wir konnten in jüngster Zeit vor allem viele Kunden gewinnen, die selbst sehr schnell gewachsen sind. Aufgrund unserer Beweglichkeit und Zuverlässigkeit waren wir hier also als richtiger Ansprechpartner zur Stelle. Des Weiteren hat sich der Bereich der Stiftkühlkörper sehr positiv entwickelt, den wir seit rund fünf Jahren mit unseren so genannten »Powerblocs« forcieren. Erfreulich ist, dass wir unser gutes Wachstum wohl auch in diesem Jahr fortsetzen können, unsere Auftragsbücher lassen derzeit zumindest keine Abschwächung des Geschäfts erkennen.

Haben sich die Anforderungen an die Bauteile-Entwärmung in den vergangenen Jahren verändert?

Was heute eine viel wichtigere Rolle spielt als in der Vergangenheit, ist der Platzbedarf. Dieser ist bei fast allen Designs ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Kühlkörperprofils und oftmals ausschlaggebend dafür, dass ein Kunde von einem Standardprofil zu einem kundenspezifischen Profil wechselt. Und das ist eine Anforderung, mit der wir uns auch in den nächsten Jahren verstärkt auseinandersetzen werden.

Einen zweiten Trend, den wir sehen, ist der steigende Qualitätsanspruch. Mittlerweile muss ein Aluminiumbauteil die Topographie der Leiterplatte quasi spiegeln, wofür wir heute Bearbeitungstoleranzen von wenigen µm realisieren können. Das war vor zehn Jahren noch nicht so.

Wie viel Prozent macht bei Ihnen das kundenspezifische Geschäft aus?

Die Basis von Alutronic bilden die Standardprofile, die wir ab Losgröße 1 ab Lager liefern, auf Wunsch kundenspezifisch modifiziert. Aus vielen Standardprodukten entstehen im Laufe der Zeit dann aber kundenspezifische Produkte für den Kunden. Gerade der Bereich der Großserien wächst momentan überdurchschnittlich gut. Heute erzielen wir rund 40 Prozent unseres Geschäfts mit Standardprodukten, 60 Prozent mit kundenspezifischen Profilen.