M&T-Umfrage zu passiven Bauelementen Hohe Investionen, noch höhere Nachfrage

In der Stromversorgung sind Kondensatoren einfach, kompakt und kostengünstig.
Nach wie vor herrscht großer Bedarfsdruck bei MLCCs.

Was reinkommt, geht sofort wieder raus an den Kunden – und dort direkt in die Fertigung. So stellt sich, nach einer aktuellen Marktumfrage der Markt&Technik, die Situation bei passiven Bauelementen auf dem deutschen Markt dar.

Im Speziellen gilt das für Kondensatoren und Widerstände, und hier in erster Linie für MLCCs sowie Dick- und Dünnschichtwiderstände. Hatten viele Hersteller Anfang 2017 noch verhalten auf die sich abzeichnende Nachfragesteigerung reagiert, kündigten sich in der zweiten Jahreshälfte viele Investitionen in den Fertigungsausbau an. Das Problem dabei: Die dadurch zur Verfügung gestellten zusätzlichen Kapazitäten werden wohl erst 2019/20 zu einer Entspannung am Markt sorgen.

Nach wie vor herrscht der größte Bedarfsdruck bei MLCCs. Entsprechend massiv investiert der Markt- und Technologieführer Murata. In diesem Jahr belaufen sich die Investitionen auf rund 2 Milliarden Euro. Sollte es notwendig sein, so Reinhard Sperlich, Vice President Sales Europe bei Murata Europe, »wird Murata im nächsten Jahr noch einmal im selben Volumen in den Ausbau der Produktion investieren«.

Ein anderer Big-Player der Branche, TDK, hat nach Auskunft von Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, im Vorjahr die Investitionen in den Fertigungsausbau um fast 50 Prozent erhöht, »im laufenden Jahr werden wir voraussichtlich nochmals annähernd 15 Prozent mehr investieren«. Taiyo Yuden zählt zu den Top 3 der MLCC-Hersteller, und hat nach Auskunft von Harald Sauer, Director Sales & Technical Support bei Taiyo Yuden, ebenfalls in den Ausbau der Fertigungskapazitäten investiert. Konkrete Zahlen will er aber nicht nennen, und verweist darauf, »dass unsere Kunden Informationen über den Ausbau der Fertigungskapazitäten erhalten haben«.

Konkreter wird da schon Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing bei Vishay Passives: »Wir planen, im laufenden Jahr insgesamt rund 225 Millionen Dollar in den Ausbau der Fertigungen sowohl im Bereich passiver als auch aktiver Bauteile zu investieren, das liegt deutlich über dem Betrag von 170 Millionen Dollar aus dem Vorjahr«. Verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht, kündigt er für 2019 Investitionen in ähnlicher Höhe an. Bei Yageo, dem wohl weltweit größten Lieferanten von Widerständen, berichtet Iris Reck, Deputy Managing Director Yageo Europe, von einer Kapazitätssteigerung von fast 50 Prozent über die letzten drei Jahre, »sowie von 25 Prozent bei den MLCCs im gleichen Zeitraum«. Reck betont aber auch: »Wir schließen weitere Investitionen nicht aus – der Markt scheint sie zu brauchen!«

Dass nicht nur bei MLCCs kräftig investiert wird, zeigt das Beispiel Jianghai Electronic Components: »Die Produktion für das bestehende Portfolio aus Elkos und zylindrischen DC-Link-Folienkondensatoren wächst in den Jahren 2018 und 2019 um rund 50 Prozent«, erläutert Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe, auf Nachfrage. Dazu kommt noch die Erweiterung des Produktportfolios im Automotive-Bereich. »In Summe sprechen wir über einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.« Oliver Konz, CEO von Würth Elektronik eiSos, spricht für 2018 von Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro. »Wenn sich die Marktlage weiter so entwickelt, werden wir dieselbe Summe auch 2019 noch einmal investieren«. Zu diesen Investitionen in die Fertigung kommen noch zusätzliche in Logistik und Verwaltung.

Bei der Isabellenhütte Heusler beziffert Rolf Viehmann, Leiter Marketing, die aktuellen Investitionen in den Fertigungsausbau auf 10 Prozent des Jahresumsatzes. Er verweist zudem darauf, »dass die Isabellenhütte bereits 2016 die Investitionen in der Fertigungsausbau erheblich erhöht hat, als wir die kommende Allokation für Shunts erkannt haben«.

Dass auch ausgewiesene Spezialisten im Bereich passiver Bauelemente auf die außergewöhnliche Situation der letzten eineinhalb Jahre reagieren müssen, zeigt das Beispiel SRT Resistor Technology: »Wir planen, in diesem Jahr 15 Prozent unseres Umsatzes in den Ausbau der Fertigung zu investieren«, berichtet Dr. Lutz Baumann, Geschäftsführer der SRT Resistor Technology. Aufgrund der Engpässe im Equipment-Bereich, geht er aber nicht davon aus, dass die Pläne im vollen Umfang umgesetzt werden können. Entwickelt sich der Bauelementemarkt unverändert weiter, kündigt er für 2019 Investitionen in gleicher Höhe in den Ausbau der Fertigungskapazitäten an.