Axtal: Taktgeber und Zeitnormale High-End-Oszillatoren für die Weltmärkte

Bernd Neubig, Axtal: »Wir decken die komplexe Wertschöpfungskette ab, vom Design bis zur SMD-Bestückung. Zudem steht eine umfangreiche Palette von Geräten für Test und Analyse bis hin zur Umweltverträglichkeit zur Verfügung.«

Auf die weltweit anspruchvollsten Einsatzfälle hat sich die in Mosburg ansässige Axtal fokussiert – und schickt die eigenen Produkte bis zum Mars.

Die Dotcom-Blase war geplatzt, die Telekommunikations- und Datenkommunikationsmärkte zusammengebrochen, riesige Fertigungskapazitäten für Quarze lagen brach – die Situation rund um Quarze und Oszillatoren sahen um die Jahrtausendwende nicht gerade rosig aus. Doch Bernd Neubig hatte eine Idee. Er hatte damals schon wichtige Erfahrungen im „Crystal Valley“ bei namhaften Firmen gesammelt, zuletzt bei Tele-Quarz, die zunächst von Oak Frequency Control übernommen wurde. Als dieses Unternehmen seinerseits von Corning Frequency Control geschluckt wurde, wagte Bernd Neubig den Schritt in die Selbstständigkeit, zunächst als Berater.

Dabei war von vorne herein klar, welche Märkte er anvisieren wollte: keinesfalls auf den Sektoren für Standard-Quarze und -Oszillatoren, wo sich vor allem asiatische Unternehmen blutige Preiskämpfe lieferten. »Für mich kamen nur die High-Reliability-Produkte infrage, die in der Luft- und Raumfahrt, im militärischen Bereich und in anderen anspruchsvollen Sektoren wie in der Erdölindustrie und in der Audio- und Studiotechnik Einsatz finden«, erinnert sich Neubig.

Doch relativ schnell wurde ihm klar, dass es ohne eigene Entwicklung und Produktion nicht ging. Deshalb entschloss er sich, Axtal (abgeleitet von Advanced Crystals) als Entwickler und Hersteller von High-End-Oszillatoren zu gründen – vor genau 15 Jahren. Dass Axtal dieses Jahr seinen 15. Gebeurtstag feiert und inzwischen zehn Mitarbeiter beschäftigt, zeigt, dass er mit seiner Einschätzung, mit der Entwicklung von Taktgebern in Deutschland weiterhin erfolgreich sein zu können, richtig lag.

Selbstverständlich fertigt das Unternehmen keine eigenen Quarze mehr, sondern kauft dort zu, wo sie in hohen Stückzahlen zu vertretbaren Kosten produziert werden können. Das Know-how und die Differenzierung des Unternehmens liegt darin, aus diesen Quarzen auf die jeweiligen Anforderungen der Zielmärkte zugeschnittene Oszillatoren zu entwickeln und zu fertigen. »Dabei decken wir die komplexe Wertschöpfungskette ab, vom Design bis zur SMD-Bestückung. Zudem steht eine umfangreiche Palette von Geräten für Test und Analyse bis hin zur Umweltverträglichkeit zur Verfügung.«

Auf dieser Ebene gebe es nach den Worten von Neubig weltweit nur noch ganz wenige Unternehmen, die mitspielen können. Eines davon ist in Frankreich beheimatet. Im Vergleich sei dieses Unternehmen der Goliath, Axtal eher der David, eine Rolle, in der Neubig sich aber offenbar wohl fühlt. Denn diesen Wettbewerb betrachtet er als sportliche Herausforderung und sieht ihn weniger als Verdrängungskampf. Stolz ist er beispielsweise darauf, dass die Oszillatoren des in Mosbach ansässigen Spezialisten im Rahmen der LARA/ExoMars-Mission im Mars Lander und im Rover ihren Dienst tun, um die Kommunikation zwischen Mars und Erde sicherzustellen. Die entsprechenden Oszillatoren hat Axtal bereits im vergangenen Jahr geliefert, 2020 wird die Mission starten. Bei LARA handelt es sich um das Lander-Radio-Science-Experiment zur Untersuchung der Marsoberfläche; das Marsfahrzeug Rover ist mit einem Bohrer ausgestattet, um Proben aus verschiedenen Tiefen der Marsoberfläche zu nehmen und zu analysieren.

Doch nicht nur bei der ESA hat der Firmenname inzwischen einen guten Klang, zwischen 70 und 75 Prozent liegt der Exportanteil. Ein wichtiger Zielmarkt sind beispielsweise Wettersatelliten, besonders für China und Indien. In Satelliten beider Länder arbeiten die Oszillatoren aus Mosbach bereits. Jetzt würden laut Neubig weitere Aufträge aus diesen Ländern folgen, die im Luft- und Raumfahrtsektor, insbesondere bei Satelliten, zu den zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten zählten.