Große Branchenumfrage Heißer Herbst für passive Bauelemente?

Nach Einschätzung führender Hersteller, Distributoren und Einkäufer passiver Bauelemente ist die Gefahr einer Rückkehr der Lieferengpässe der Jahre 2017/18 nicht gebannt.

Letztlich, so das Fazit einer aktuellen Umfrage der Markt&Technik, kommt es entscheidend darauf an, wie weit die Lager bei den Kunden und Distributoren im Herbst abgebaut sein werden. Ist dieser Prozess dann weit fortgeschritten und ergibt sich gleichzeitig ein weiterer Bedarfsanstieg, könnte sich die Versorgungssicherheit schlagartig verändern.

»Auch wenn es in einzelnen Branchen unterschiedlich sein mag, so sehen wir doch bei einer Reihe von Kunden Produktionssteigerungen von bis zu 20 Prozent«, erläutert Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics. »Da es in Deutschland derzeit aber ein zurückhaltendes Bestellverhalten gibt, könnte es durchaus zu einem Staueffekt Ende des 3., Anfang des 4. Quartals dieses Jahres kommen.« Vor diesem Hintergrund würde für Quecke auf globaler Ebene schon ein Impuls genügen, »um die Lieferzeiten wieder nach oben schnellen zu lassen, allein eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China würde genügen, um den Trigger Asien wieder zu stimulieren«.

Zu den Applikationen, und Märkten, die dazu beitragen könnten, die Bedarfe wieder nach oben zu bringen, gehört für Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing bei Vishay Passives, »neben dem Anlauf der 5G-Installationen vor allem die zunehmende Elektrifizierung des Automobilbereichs mit ADAS, HEV, LED oder dem 48-V-Bordnetz. Im Industriebereich betrifft es die Bereiche IIoT, Smart Home und Automation, die stetig steigende Bedarfe aufweisen«.

Durchaus wieder steigende Auftragseingänge vermeldet auch Harald Sauer, Director Sales & Technical Support bei Taiyo Yuden: »Ob das wieder zu Lieferengpässen führen wird, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird jedoch vor allem die Bedarfsentwicklung in Asien sein, das gilt ganz besonders für die Auswirkungen chinesischer Konjunkturprogramme.«

Skeptisch bezüglich einer Rückkehr der Versorgungsengpässe äußert sich Dietlind Vinson, Director Product Management Passive bei Arrow EMEA: »Entsprechende Prognosen gab es in den letzten Monaten immer wieder, und sie wurden immer quartalsweise nach hinten geschoben. Ich rechne deshalb nicht mit einer zeitnahen Veränderung der aktuellen Lieferzeiten.«

»Die Läger der Kunden sollten inzwischen aufgebraucht sein«, gibt Annette Landschoof, Produktmanager Katalogredaktion bei Schukat electronic ihre Einschätzung wieder. »Es könnte dann kritisch werden, wenn auch die Distribution in den nächsten Monaten ihren Lagerabbau weit vorangetrieben hat und der Bedarf auf der Kundenseite in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlich anzieht.«