Quarze und Oszillatoren Für jeden Einsatzfall den richtigen Taktgeber

Hersteller und „Hersteller“

Und was tut sich nun am deutschen Markt? Erstens produzieren in Deutschland kaum noch Hersteller frequenzbestimmende Bauelemente selber. Zweitens ist der deutsche Markt durch eine weltweite Besonderheit gekennzeichnet: den vielfältigen Industriemarkt mit einer schier unendlichen Anwendungsbreite. Hier kommen sehr viele unterschiedliche Quarz- und Oszillatoren- Typen zum Einsatz. Dass ein Industriekunde 40 und mehr unterschiedliche Quarztypen abnimmt, ist keine Seltenheit, dafür liegen die typischen Stückzahlen je verwendeter Komponente mit meist 1000 bis 10.000 Stück nicht gerade hoch.

Zweitens sind viele Kunden noch aus Zeiten, in denen sich in Deutschland einige echte Hersteller tummelten, gewohnt, die Timing-Produkte am liebsten aus der Region, zumindest aber aus Deutschland zu beziehen. Diesen Wunsch wollen ihnen nun die unterschiedlichsten Lieferanten erfüllen. Tatsächlich hat sich hierzulande dazu eine schillernde Anbieter-Szene entwickelt.

So haben sich viele – auch deutsche – Hersteller schon sehr früh auf die sich ändernden Marktbedingungen eingestellt und oftmals als Joint-Venture mit lokal ansässigen Herstellern Werke in Asien und China gegründet. Andere haben Lieferanten qualifiziert und lassen dort produzieren. Das ähnelt dem aus der Halbleiterindustrie bekannten Foundry-Modell. Wer nach diesem Modell arbeitet, der verfügt zumindest über umfangreiches Fertigungs-Know-how (zumeist aus alten Zeiten hinübergerettet) und kann sich mit gewisser Berechtigung als Hersteller bezeichnen.

Was aber, wenn die Ware nur eingekauft und verkauft wird? Das Überraschende ist, dass es sogar rechtlich gar nicht falsch ist, sich auch dann noch Hersteller zu nennen. Denn jeder, der Produkte aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland einführt und durch das Anbringen seines Namens oder seiner Marke unter eigenem Namen vertreibt, unterliegt den Bedingungen eines sogenannten „Quasiherstellers“ im Sinne des Produkthaftungsgesetzes. Also, so argumentieren einige dieser Handelsunternehmen, könne sich, wer haftet wie ein Hersteller, doch auch mit Fug und Recht Hersteller nennen. Doch diese Argumentation sieht Dunger als etwas überdehnt an. »Wir praktizieren das nicht«, merkt er schlicht an.

Für besonders problematisch hält er es, die aus unterschiedlichsten Quellen zu(sammen)gekauften Produkte mit eigenen Bezeichnungen zu versehen (Private-Label-Modell). Das ginge so weit, dass manche Anbieter die Quarze von ganz unterschiedlichen Produzenten einkaufen, je nachdem, wo sie die Ware gerade am günstigsten herbekommen, dann aber unter der jeweils unveränderten Typenbezeichnungen vertreiben. Der Kunde merkt dann meistens nicht, dass diese aus unterschiedlichsten Fertigungsquellen stammen. Lediglich Insider können durch spezifische Hinweise feststellen, dass hier offenbar Produkte unterschiedlicher Hersteller unter einer Bezeichnung zusammengefasst worden sind. Weil sich aber die Prozesstechniken von Hersteller zu Hersteller durchaus unterscheiden, können wichtige Parameter, die die Funktion beeinflussen, auch unterschiedlich ausfallen. Dies kann unter bestimmten Voraussetzungen zu Problemen in der Anwendung führen.