Quarze und Oszillatoren Für jeden Einsatzfall den richtigen Taktgeber

Was die echte Second Source ausmacht

Zweitens spiele die Second Source auf den meisten Märkten für die Anwender eine zentrale Rolle. WDI sei aufgrund der Vielfalt seiner Anbieter in der Lage, immer dafür zu sorgen, dass die Kunden die Quarze und Oszillatoren auch aus einer zweiten Quelle beziehen könnten. »Beispielsweise übernehmen wir die Qualifizierung für die Produkte unterschiedlicher Hersteller parallel als eine unserer Dienstleistungen. Für den Anwender passiert das praktisch automatisch. Die Muster der vorgeschlagenen Hersteller werden gleichzeitig getestet. Dadurch spart der Kunde Aufwand und Zeit.«

Womit wir wieder bei den Herstellern wären: Es ist nämlich nicht so, dass alles, was ein Hersteller anbietet, tatsächlich auch von ihm selber produziert wird. Denn selbst die weltweit größten unter ihnen kaufen Ware vom lieben Wettbewerb ein, um ihr eigenes Programm abzurunden – eben weil es nicht effektiv wäre, sämtliche Prozesse im eigenen Hause zu entwickeln und vorzuhalten. Da kommt es laut Dunger darauf an, dass ein Distributor genau weiß, was er tut, und sein Wissen an die Anwender weitergibt: »WDI ist seit 20 Jahren im Frequency-Control-Geschäft, und gerade weil wir mit so vielen Herstellern zusammenarbeiten, kennen wir den Markt ganz genau und wissen, wo die Produkte schlussendlich herkommen.« Anwender, die darüber im Dunklen gelassen werden, müssten im Falle eines Falles plötzlich und leider oft zu spät feststellen, dass ein Quarz-Typ, den sie aus verschiedenen Quellen unter verschiedenen Bezeichnungen bezogen hatten, ursprünglich aus ein und derselben Fertigung stammt. Keine angenehme Überraschung, auf diese Weise feststellen zu müssen, dass es sich nur um eine vermeintliche Second Source gehandelt hat.

Doch wer ist überhaupt Hersteller? Dazu ein Blick auf die Geschichte der Quarze und Oszillatoren. Lange waren die japanischen Unternehmen führend. Zuvor hatte es auch in Deutschland eine lebendige Szene verschiedener Hersteller gegeben; davon sind kaum noch echte Hersteller in Deutschland verblieben, es dürften heute nicht einmal mehr eine Hand voll sein. Auch die Japaner haben ihre ausschließliche Führungsrolle, mit Ausnahme im Feld der Automotive-Anwendungen, eingebüßt. Taiwan ist heute neben Japan der größte Player auf dem Markt und beheimatet einige Branchen-Schwergewichte wie TXC, Siward oder Harmony. Außerdem finden sich mittlerweile viele Hersteller in China, die eifrig in alle Welt verkaufen.

Der größte Hersteller der meist zum Einsatz kommenden AT- oder auch MHz-Quarze genannten Taktgeber, gemessen in Stückzahlen, ist heute TXC aus Taiwan, der um die 250 Mio. Quarze produziert – pro Monat. Die Nummer 1 für anspruchsvolle Quarze und Oszillatoren für die Telekommunikations-Infrastruktur ist seit vielen Dekaden der Hersteller Vectron mit Sitz in den USA, wo sich auch noch weitere Spezialisten für High-End-Applikationen – wie etwa für Luft- und Raumfahrt sowie Militäranwendungen – behaupten. Vectron hatte übrigens vor 15 Jahren den legendären deutschen Hersteller Telequarz gekauft und wurde inzwischen selbst von Microchip geschluckt.