Bourns stärkt Position in Asien Eine Milliarde Umsatz bis 2020 als Ziel

Hans van Delft, Bourns: »Wenn nötig, könnten wir für eine Akquisition auch einige hundert Millionen Dollar investieren. Unser Ziel ist es aber nicht, Marktanteile zu kaufen, sondern unser Produkt- und Technologieportfolio sinnvoll und zukunftsträchtig zu ergänzen.«

Ausgewählte Akquisitionen haben das Produkt- und Technologieportfolio von Bourns seit dem Jahr 2000 deutlich erweitert und dem Unternehmen jährliche Wachstumsraten von bis zu 10 Prozent beschert.

Eine Strategie, die laut Hans van Delft, Vice President und General Manager Industrial bei Bourns, in diesem Jahr fortgesetzt wird. Europas Stärke sieht er dabei vor allem im Industrie-Segment.

Markt&Technik: Bourns und das Potentiometer – a never ending story. Mit dem Kauf der Potentiometer-Aktivitäten von Murata kehren Sie quasi zurück zu den Wurzeln. Was war der Grund dafür?
Hans van Delft: Auch wenn wir heute weit mehr als ein Potentiometer-Hersteller sind, steht diese Produktgruppe doch für einen Umsatzanteil, der knapp an die 100 Millionen Dollar heranreicht. Unsere Beziehung zu Murata auf dem Gebiet der Einstellpotentiometer geht auf eine Vereinbarung der beiden Unternehmensgründer Marlan Bourns und Akira Murata zurück. Vor diesem Hintergrund entsprechen viele der Potentiometer, die wir durch die Akquisition übernehmen, ursprünglichen Bourns-Designs.

Das klärt den historischen Aspekt, doch warum hat sich Murata jetzt davon getrennt, und warum war es für Bourns, abgesehen von der Historie, interessant, dieses Geschäft zu übernehmen?
Wir sind im Trimming-Potentiometer-Geschäft die klare Nummer 1, Murata lag auf Platz 5. Murata wollte sich aus diesem Geschäft zurückziehen und war daran interessiert, das Geschäft in bewährte Hände zu übergeben. Uns eröffnet dieser Deal zum einen eine Stärkung unserer Wettbewerbssituation, das gilt vor allem für den asiatischen Bereich, und wir erweitern unsere umfangreiche Trimpot-Produktlinie um einige spezielle Varianten. Dazu übernehmen wir auch die Fertigungsmaschinen von Murata. In Zukunft werden dann alle bisherigen Kunden von Murata aus unseren Werken beliefert.

Faszinierend am Thema Potentiometer ist, dass dieses Bauteil eigentlich seit 20, 25 Jahren überflüssig sein sollte, es aber trotzdem unverwüstlich erscheint. Wie erklären Sie sich das?
Auch ich bin manchmal überrascht, welche neuen Applikationen sich für dieses nun in seiner ursprünglichen Form und Funktion über 60 Jahre alte Bauteil eröffnen, das am Beginn unserer Firmengeschichte stand. Jüngstes Beispiel dafür sind E-Zigaretten. Bestimmte Fabrikate davon enthalten Potentiometer, über die sich die Dosierung der Wirkstoffe steuern lässt. Aus dem Nichts ist da in den letzten Jahren ein Marktsegment entstanden, das inzwischen einige 10 Millionen Potentiometer umfasst, und das von Jahr zu Jahr weiter wächst!

Zum Wandel bei Bourns haben in den letzten 16 Jahren die Akquisitionen beigetragen. Seit dem Jahr 2000 waren es insgesamt 16, davon allein fünf seit 2008, und weitere werden hinzukommen. Nach welchen Kriterien wählt Bourns bei Akquisitionen aus?
Bourns ist heute in vier Segmente untergliedert: Automotive, Consumer, Industrial&Medical sowie Communications. Wir decken diese Anwendermärkte mit einem breiten Portfolio passiver Bauteile ab. Unser Hauptaugenmerk gilt dabei den drei Bereichen Circuit Conditioning, Circuit Protection und Motion Control. Wir verfügen in diesen verschiedenen Bereichen zwar schon über zahlreiche Technologien und decken die verschiedensten Marktsegmente ab, aber es gibt auch in unserem Portfolio sowohl von der Technologie als auch der Produktseite her immer noch gewisse weiße Flecken. Speziell im Bereich der passiven Bauelemente gibt es weltweit eine große Anzahl kleiner Spezialisten, die in Nischen sehr gut etabliert sind. Für uns stellen solche Übernahmemöglichkeiten deshalb eine ideale Chance dar, unser Portfolio zu erweitern und abzurunden.