Drahtkonfektionierung von Rittal Drähte über Nacht konfektionieren

Das Wire Terminal von Rittal konfektioniert bis zu 36 unterschiedliche Drähte.

Auch im Steuerungs- und Schaltanlagenbau ist die Automatisierung aktuell ein heiß diskutiertes Thema. Was heute schon alles möglich ist, demonstriert das mittelständische Unternehmen Ripploh Elektrotechnik & Engineering.

Hier konfektioniert etwa ein Wire-Terminal die Drähte vollautomatisch. Und auch an der Verdrahtung mit Roboter-Unterstützung wird bereits gearbeitet.

Eine große und aufgeräumte Werkstatt, in der zahlreiche Schaltschränke und Montageplatten auf die Weiterbearbeitung warten. Wenige Mitarbeiter sind konzentriert mit der Bestückung und Verdrahtung beschäftigt. Was außerdem sofort ins Auge fällt: Es gibt kein Papier – weder einen Ordner mit Schaltplänen noch Auftragszettel. Sieht so die Zukunft des Steuerungs- und Schaltanlagenbaus aus? Bei Ripploh Elektrotechnik & Engineering in Ostbevern ist diese Zukunft schon heute Realität.

Der Mittelständler aus dem Münsterland hat sich seit seiner Gründung 1995 von einem kleinen Auftragsfertiger mit vier Mitarbeitern zu einem Komplettanbieter entwickelt, der neben der Fertigung von Steuerungs- und Schaltanlagen auch das komplette Engineering anbietet. »Heute haben wir zahlreiche Kunden etwa aus dem Maschinenbau, die sich auf die Konstruktion ihrer Maschinen konzentrieren und uns lediglich die Art der verbauten Komponenten und die I/Os vorgeben«, berichtet Andreas Ripploh: »Wir planen dann die gesamte Steuerungs- und Schaltanlage von Anfang an und fertigen sie dann in unserer eigenen Werkstatt.«

Saubere Datensätze sind entscheidend

Sämtliche Prozesse bei Ripploh sind stark automatisiert. Das beginnt bereits in der Angebotsphase. »Ein Angebot ist ja schon ein Stück weit ein Vorab-Engineering, in das wir auch einen Teil unseres Know-hows investieren müssen«, erläutert Andreas Ripploh. Für bereits vorgedachte und konfigurierbare Baugruppen stellt das Unternehmen deswegen den Schaltschrank-Konfigurator UNIT-E (www. unit-e.de) bereit, mit dem der Kunde auf Basis der von ihm gemachten Angaben direkt ein Angebot erhält. Dem Konfigurator nachgelagert ist das Eplan Engineering Center (EEC). Dort wird nach einer Plausibilitätsprüfung mit der Detailplanung begonnen. Der Kunde bekommt dann innerhalb von 24 Stunden den fertigen Schaltplan, in dem sämtliche Informationen enthalten sind. »Für die Angebotserstellung ist unser ERP-System eng mit Eplan verknüpft«, erklärt Andreas Ripploh: »Wir pflegen sämtliche Komponentendaten in der Datenbank unseres ERP-Systems und schreiben sie dann direkt in die Eplan-Datenbank.« Die Qualität der Daten und ein Datenformat mit einem einheitlichen Standard sind für den Unternehmer eine wichtige Herausforderung, an der in Zukunft noch viel gearbeitet werden muss: »Saubere Datensätze sind für den Steuerungs- und Schaltanlagenbau wichtiger, als viele denken.«

Drahtkonfektionierung viermal schneller

Die im Engineering erzeugten Daten werden bei Ripploh nahtlos dafür verwendet, die Prozesse in der Werkstatt zu steuern. »Die 3D-Planung in Eplan Pro Panel liefert etwa die Daten für die CNC-Maschine zur Flachteilbearbeitung und für die vollautomatische Drahtkonfektionierung.« Ablängen, Abisolieren, Crimpen und Beschriften der Leitungen übernimmt das Wire Terminal von Rittal Automation Systems. Bis zu 1500 Drähte kann die neue Maschine innerhalb einer Acht-Stunden-Schicht konfektionieren. Und weil kein Eingriff eines Bedieners mehr nötig ist, nachdem ein Auftrag gestartet wurde, produziert das Wire Terminal über Nacht nochmals die gleiche Menge. »Der Mitarbeiter kann morgens die Drähte aus der Maschine entnehmen und direkt mit dem Verdrahten beginnen«, verdeutlicht Andreas Ripploh. Im Vergleich zur alten Lösung steigt die Produktivität bei der Drahtkonfektionierung dadurch um das Vierfache, und zudem ist nicht ständig ein Mitarbeiter notwendig, um die Maschine zu bedienen.

Arbeitsabläufe exakt geregelt

Für den Firmenchef hat das Wire Terminal aber noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: »Die Sequenz, also die Reihenfolge, in der die Drähte konfektioniert und in den Schienen abgelegt werden, können wir jetzt vorgeben.« Diese Funktion ist sehr wichtig für die Effizienz der Verdrahtung. Wenn beispielsweise eine Kleinserie mit zehn Schaltschränken verdrahtet wird, ist die Reihenfolge so wählbar, dass der Mitarbeiter den gleichen Draht in allen Schränken nacheinander verdrahtet. Weil er den Ablauf nach dem ersten Schaltschrank kennt, geht die Arbeit bei den übrigen Schaltschränken deutlich schneller. Wird dagegen beispielweise ein Steckverbinder mit fünf Leitungen angeschlossen, kann es sinnvoller sein, in jedem Schaltschrank zunächst die fünf Leitungen zu verdrahten, bevor mit dem nächsten Schaltschrank fortgefahren wird. »Wir können so die Verdrahtungsabläufe genau vorgeben, was die Arbeit zusätzlich effizienter macht«, ist sich Andreas Ripploh sicher. Das Wire Terminal fügt sich somit nahtlos in den ausgeklügelten Workflow in der Werkstatt ein.