Drahtkonfektionierung von Rittal Drähte über Nacht konfektionieren

iPad statt Auftragszettel

Des Weiteren liegen Betriebsaufträge bei Ripploh nicht in Form von Auftragszetteln auf Papier vor, sondern jeder Mitarbeiter hat ein iPad, das ihn mit den Aufträgen und allen nötigen Informationen versorgt. Schaltschränke, kommissionierte Komponenten und jetzt auch die Magazine mit den über das Wire Terminal konfektionierten Drähten sind mit QR-Codes versehen. Der Mitarbeiter scannt den QR-Code mit seinem iPad und kann dann den Auftrag abarbeiten. »Die Anbindung an das ERP-System und an das Engineering ist auf diese Weise stets aktuell«, erklärt Andreas Ripploh.

»Nur wenn im Server die freigegebenen Pläne vorliegen, kann der Mitarbeiter beispielsweise mit dem Verdrahten beginnen.« Auf seinem Bildschirm bekommt er unter anderem die Verlegewege für die Verdrahtung angezeigt. Dies steigert nicht nur Effizienz und Geschwindigkeit, sondern senkt auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Änderungen, die trotz sorgfältiger Planung immer mal vorkommen können, kann der Mitarbeiter mit einem Stift direkt in der PDF-Datei des Schaltplans auf dem iPad eintragen. Diese Methode entspricht dem klassischen Redlining, bei dem Änderungen im ausgedruckten Schaltplan markiert werden. Durch die Digitalisierung können die vorgenommenen Änderungen aber auch den Weg zurück ins Engineering finden. Dadurch ist sichergestellt, dass der fertige Schaltschrank und der dann aktualisierte Schaltplan exakt übereinstimmen.

Gehört die Zukunft dem Roboter?

Mit der umfangreichen Automatisierung und Digitalisierung hat der Steuerungs- und Schaltanlagenbauer schon viel erreicht, meint der Firmenchef: »Wir können heute mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern deutlich mehr Aufträge abwickeln als noch vor ein paar Jahren.« Das ist vor allem deswegen wichtig, weil qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt praktisch nicht zur Verfügung stehen. Da die gesamte Digitalisierung die Tätigkeiten in der Werkstatt sehr restriktiv vorgibt, ist es außerdem möglich, dass auch angelernte Mitarbeiter einen Teil der Aufgaben übernehmen.

Die Automatisierung im Steuerungs- und Schaltanlagenbau ist nach Meinung von Andreas Ripploh noch lange nicht abgeschlossen: »Der nächste Schritt wird wahrscheinlich die automatisierte Verdrahtung sein.« Weil das Wire Terminal die konfektionierten Drähte in seinen Ordnungsmagazinen definiert ablegt, ist eine Übergabe an einen Roboter denkbar, der dann die Verdrahtung durchführt. »Wir arbeiten bereits daran und sind überzeugt, dass wir in etwa zwei Jahren mit Unterstützung eines Roboters verdrahten können«, wagt Andreas Ripploh einen Blick in die Zukunft.

Wire Terminal von Rittal
Bis zu 36 unterschiedliche Drähte konfektionieren
Der kompakte Drahtkonfektionier-Vollautomat Wire Terminal WT von Rittal macht die Verdrahtung wirtschaftlicher und effizienter. Ohne Umrüstung lassen sich je nach Typ bis zu 24 bzw. 36 unterschiedliche Drähte in den Querschnitten von 0,5 mm2 bis 2,5 mm2 vollautomatisch produzieren. Die Arbeitsschritte Ablängen, Abisolieren und Crimpen erfolgen, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss. Das optional erhältliche Drucksystem kann die Drähte schwarz oder weiß bedrucken. Die Drähte werden mit dem gesteuerten Ordnungssystem an die nachgelagerten Prozessschritte übergeben. Das Ordnungssystem besteht aus einem 13-fachen Ablagesystem mit Drahtschienenmagazinen und kann bis zu 1800 Drähte aufnehmen.
Das Wire Terminal WT bietet Schnittstellen, über die Daten aus der Aufbauplanung mit Eplan Pro Panel nahtlos für die Konfektionierung der Drähte verwendet werden können. Alternativ kann der Bediener die Daten auch direkt an der Maschine manuell eingeben. Die fertig konfektionierten Drähte, die das Wire Terminal in dem Ordnungssystem ablegt, stehen für die Verdrahtung bereit. Das Wire Terminal kann die Drahtkonfektionierung im Steuerungs- und Schaltanlagenbau um das Achtfache beschleunigen. Die vollautomatische Produktion stellt dabei zugleich eine kontinuierlich hohe Qualität sicher.

Ripploh als Betatester
Auf Herz und Nieren geprüft – und weiterentwickelt
Um das neu entwickelte Wire Terminal von Rittal, das erstmals auf der SPS IPC Drives 2018 vorgestellt wurde, unter realen Anwendungsbedingungen im Steuerungs- und Schaltanlagenbau zu testen, wurde es 2019 einem Betatest bei Ripploh Elektrotechnik & Engineering unterzogen. Mit Unterstützung des Anlagenbauers erfolgte eine Weiterentwicklung des Kabelkonfektionier-Automaten. »Wir freuen uns sehr, dass wir mit Andreas Ripploh einen langjährigen, guten Kunden und Mitglied des Kundenbeirats schon in der Betatest-Phase des Wire Terminals gewonnen haben, um gemeinsam die nötigen Schritte in der Praxis zu gehen und die Drahtkonfektionierung mit der Innovationsstärke seines Unternehmens auf ein noch höheres Niveau zu heben und prozesssicher zu gestalten«, sagt Tim Kramer, Abteilungsleiter Rittal Automation Systems bei Rittal.

Hans-Robert Koch ist Gruppenleiter Produktkommunikation bei Rittal. Dr. Jörg Lantzsch ist Fachjournalist.