Steckverbinder für die Photovoltaik Diskussion um Langlebigkeit und Garantien

Die Solarbranche hat sich zu einem sehr attraktiven Geschäftsfeld der Steckverbinder-Hersteller entwickelt. Der Kunde darf sich freuen; die Anzahl der verfügbaren Photovoltaik-Steckverbinder nimmt weiter zu. Doch einige Experten bezweifeln in diesem Zusammenhang, dass alle Komponenten halten, was ihr Hersteller verspricht.

»Garantien sind heute hauptsächlich ein Marketinginstrument für Neueinsteiger, die sich schnell Marktanteile ‚erkaufen‘ wollen«, sagt Matthias Mack, Key Account Manager Photovoltaik von Multi-Contact. Und weiter: »Es gilt sehr sorgfältig zu prüfen und zu analysieren, was genau garantiert wird. Nur wenige Firmen, die erweiterte Garantien gewährleisten, sind gegen mögliche Risiken versichert!«

Der Wettbewerb am Markt für Photovoltaik-Steckverbinder ist längst eröffnet: Aus nicht einmal einer Handvoll Anbieter von Photovoltaik-Steckverbindern ist binnen kurzer Zeit eine beachtliche Gruppe herangewachsen. Mit dem Wechsel der Photovoltaik vom Nischen- zum Massenmarkt hat sich auch bei den Steckverbindern die Anbietersituation stark verändert. Für den Kunden heißt das: »Augen auf beim Steckerkauf«! Denn die Anforderungen, die die Verbindungselemente erfüllen müssen, sind hoch:

  • Die Modulhersteller pochen auf einen möglichst niedrigen Preis.
  • Die Installateure erwarten eine gute Handhabung sowie die einfache Montage vor Ort.
  • Die Applikation selbst setzt voraus, dass die Steckverbinder eine Lebensdauer von rund 20 bis 30 Jahren schadlos überstehen!

Letzterer Punkt ist auch der kritischste. Stefan Koch, Produktmanager von U.I. Lapp, veranschaulicht das Problem: »Viele Steckverbinder übertragen die gesamte Leistung einer Photovoltaik-Anlage. Diese kleinen und unscheinbaren Verbindungskomponenten haben also einen elementaren Einfluss auf die Funktion der Anlage. Fällt ein solcher Steckverbinder aus, ist der komplette String außer Betrieb.«

Das geringste - wenn auch äußerst unerwünschte - Problem ist also, dass sich bei der Alterung des Steckverbinders »nur« der Übergangswiderstand verändert und so der Stecker die Effizienz der Anlage beeinträchtigt. Laut Stefan Koch von Lapp kann es daher nur von Vorteil sein, wenn der Kunde nur solche Lieferanten für seine Verbindungstechnik wählt, die über eine langjährige Erfahrung mit Produkten im Außenbereich verfügen.

Dass die Umgebungsbedingungen extrem sind und die Anforderungen an die Langlebigkeit hoch, betont auch Matthias Mack von Multi-Contact. »Wer heute eine PV-Anlage installieren lässt, tut das nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch um Geld zu verdienen. Wirtschaftlichkeitsrechnungen werden auf mindestens 20 Jahre ausgelegt, die Anlage muss über ihre gesamte Lebensdauer sicher und zuverlässig laufen.« Parallel wird jedoch der Preisdruck immer größer.

Der Preisdruck im Widerspruch zu den Anforderungen

»Der Kostenanteil des Steckverbinders ist im Verhältnis zu den Gesamtkosten des Moduls und der Modulinstallation sehr klein«, gibt Steffen Wiedmann, Geschäftsführer von Büschel Connecting Systems, zu bedenken. »Jeder Kunde muss letztendlich für sich entscheiden, ob er 100-prozentige Kostenoptimierung oder die Sicherheit erreichen will, dass sein Produkt auch in 25 Jahren noch zuverlässig funktioniert.«

Neben der Langlebigkeit der Komponenten spielt aber auch die problemlose Handhabung der Steckverbinder eine zentrale Rolle. Ausfälle müssen nämlich nicht immer an der Komponente selbst liegen. So hat Tyco Electronics seine Produkte beispielsweise mit einer Codierung versehen, die die sicherere Installation gewährleistet. »Denn bei Reklamationen stellt sich in den meisten Fällen heraus, dass die Steckverbinder in Ordnung sind, jedoch die Installation nicht den Spezifikationen entsprechend durchgeführt wurde«, berichtet Frank Rosenkranz, Product Manager Alternative Energy EMEA von Tyco Electronics.

Für den Kunden gibt es also viel zu beachten bei der Auswahl der geeigneten Steckverbinder. Neben der genauen Betrachtung des Lieferanten gilt im Allgemeinen: Bei der Prüfung der Komponenten hat sich das »TÜV-Siegel« nach DIN 0126-3 durchgesetzt. Die meisten Hersteller lassen ihre Steckverbinder heute danach testen. Wichtig ist laut der befragten Branchenkennern auch, dass man auf Originalware achtet. Denn die Experten sind sich sicher: Je größer das Marktvolumen für PV-Steckverbinder wird, desto öfter wird man auch auf Plagiate treffen. Auch diesbezüglich gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen.