Vernetzung mit IQ »Die Vernetzung selbst wird intelligent«

LEONiQs Rolle bei der digitalen Transformation

Leoni gehört zu den ersten Unternehmen, die Microsofts Chip Azure Sphere testen. Wie kam die Partnerschaft mit Microsoft zustande?

Die digitale Transformation ist nicht nur ein Technologiewandel, denn auch ein Unternehmen muss sich wandeln und neue Kompetenzen entwickeln, die es gestern vielleicht noch nicht gebraucht hat. Im Thema Datensicherheit sind wir sicherlich nicht die Spezialisten und können es aus unserer Vergangenheit heraus auch gar nicht sein. Selbstverständlich nutzen wir deshalb Fähigkeiten und Wissen von Firmen, die darauf spezialisiert sind. Microsofts Technologie regelt die komplette Datensicherheit vom Abgreifen der Daten über die Weitergabe in die Cloud sowie bei Bedarf die weitere Verwendung der Daten.

Sie sprachen vorhin von einem digitalen Ökosystem. Denken Sie, dass die kürzlich in Kraft getretene DSGVO dieses Ökosystem hemmen wird?

Unsicherheit hemmt ja in der Regel und ich denke, kurzfristig ist sicherlich etwas Unsicherheit da. Alle müssen sich irgendwie in der neuen Situation zurechtfinden. Ich glaube aber vielmehr, dass der rechtliche Rahmen langfristig hilft und Sicherheit schafft. Und ich bin davon überzeugt, dass ein Unternehmen schlussendlich an einen Punkt kommt, an dem es sich entscheiden muss: Teile ich mein Wissen und bringe es vielleicht in Gefahr, weil andere womöglich daraus auch etwas lernen? Oder riskiere ich es und profitiere von einem Beschleunigungsfaktor? Jedes Unternehmen hat eine unterschiedliche Entwicklungsreife, eine allgemeine Aussage würde ich mir hier nicht erlauben.

Inwiefern spielt LEONiQ eine Rolle bei Leonis digitaler Transformation?

LEONiQ bedeutet nicht nur, Kabel intelligent zu machen – aber es ist ein Herzstück davon. Entscheidend ist für uns in diesem Geschäftsmodell nicht der Verkauf von Komponenten, Sensorik oder Elektronik. Entscheidend ist der Nutzen für unsere Kunden und – in der Verlängerung – auch für deren Kunden. Wir sprechen von einem datengetriebenen Geschäftsmodell. Und wie beispielsweise Facebook und WhatsApp zeigen: Datengetriebene Geschäftsmodelle funktionieren ganz besonders gut, wenn man sie gratis nutzen kann. Mit LEONiQ kommen wir erst in die Position, überhaupt datengetriebene Geschäftsmodelle anbieten zu können. Das ist ein wesentlicher Schritt. Außerdem ist es uns mit diesem Ansatz gelungen, den digitalen Teil der Strategie im Gegensatz zu dem, was wir bisher gemacht haben, nicht zu disruptiv aufzusetzen.

Was heißt das genau?

Ein intelligentes Kabel hat zwar digitale Elemente, aber es ist immer noch ein Kabel. Wir verbinden Tradition mit Moderne: Das, was wir gestern gemacht haben, machen wir immer noch. Wir machen Kabel und die machen wir richtig gut. Aber jetzt reichern wir sie mit digitaler Intelligenz an und realisieren damit ganz neue Nutzenversprechen für unsere Kunden. Unsere traditionellen Passivkomponenten, sprich Kabel, machen wir jetzt aktiv. Dadurch wird eben nicht nur das Endgerät bzw. die Anlage intelligent, sondern erstmals auch die Verbindung von Gerät zu Gerät. Und das ist wirklich neu.

Mit welchen Kosten müssen Anwender für LEONiQ rechnen?

Die Kosten der Hardware sind pro Einheit weitgehend konstant und in der Regel praktisch vernachlässigbar, jedoch wird sich das Ausmaß und die Art der Datenanalyse unterscheiden. Je nach Anwendung schafft LEONiQ unterschiedlich großen Nutzen und damit finanziellen Mehrwert für den Kunden. Danach wird sich auch die Preisgestaltung richten. Eins ist jedoch sicher: Der Nutzen wird die Kosten bei Weitem übersteigen.

Anwendungsmöglichkeiten für LEONiQ gibt es sicherlich viele. Wie sieht das zum Beispiel beim Trendthema Elektromobilität aus?

Im Zusammenhang mit dem Batterieladevorgang von Elektroautos kann LEONiQ beispielsweise die Temperatur des Ladekabels überwachen und bei unzulässigen Abweichungen aktiv eingreifen. Dadurch machen wir nicht nur den Ladevorgang sicherer, sondern auch verfügbarer und effizienter. Wir sind in der Lage, diese Prozesse zu überwachen, und sollten sie irgendwann grenzwertig werden, können wir direkt oder auch indirekt einschreiten.

Gibt es schon Projekte mit Kunden?

In den letzten zwei Jahren haben wir die Technologie entwickelt und in internen Projekten getestet. Dabei haben wir Ausfälle provoziert und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und auf Basis der generierten Daten Algorithmen entwickelt. So sind erste Simulationsmodelle entstanden, woraus wir anschließend Aussagen für die Zukunft ableiten konnten. Erste Live-Projekte mit Kunden sind momentan in der Umsetzung.