Neue Glasfaser-Technologie von Neutrik »Die beste Linsen-Stecker-Performance auf dem Markt«

Dirk Rösler, Neutrik 
»In der Medizintechnik gewinnt das Thema Multimedia-Übertragungen, Server und Storage zunehmend an Bedeutung.«
Dirk Rösler, Neutrik: »In der Medizintechnik gewinnt das Thema Multimedia-Übertragungen, Server und Storage zunehmend an Bedeutung.«

Mit dem für den Audio-Bereich optimierten XLR-Stecker hat Neutrik Standards in der Broadcast-Szene gesetzt und auch das Interesse der Industrie geweckt. Jetzt wartet das Unternehmen mit einem neuen Glasfaser-Stecksystem auf, das erhebliche Kosten- und Zeitersparnis im Unterhalt verspricht.

Markt&Technik: Großgeworden ist Neutrik durch die Audio-Branche, jetzt nähern Sie sich dem Medizinmarkt an. Welche Chancen sehen Sie hier für das Unternehmen?

Dirk Rösler: Mit der Medizintechnik betreten wir zwar ein für uns neues Terrain – aber auch ein besonders interessantes. Denn ähnlich wie in diversen Broadcast-Unternehmen gewinnt das Thema Multimedia-Übertragungen, Server und Storage auch in der Medizintechnik zunehmend an Bedeutung. Bei der Auswahl der Kabel gilt es, diese wachsende Masse an Daten zu bedenken. Und dabei kommt man mit einem Standard-Glasfaserkabel leicht an seine Grenzen.

Wie genau kommen Sie dieser Nachfrage entgegen?

Wir bieten mehrfaserige Kabel an mit 2, 4, 12 und 24 Kanälen und in einem sehr kleinen, robusten, runden Gehäuse. Mit 12 und 24 Ferrulen lässt sich eine große Menge an Datenströmen verarbeiten – und das ist wichtig! Denn mittlerweile wird im Operationssaal mit modernster Technik gearbeitet, zum Beispiel, um mittels 4K-Kameras Operationen zu dokumentieren oder sie live an der Uni zu übertragen. Aber auch klassische IP-Daten müssen gesendet werden, etwa Informationen über den Patienten oder Röntgenbilder.

Was spricht in diesem Fall gegen Kupferkabel?

Kupfer ist bei einer Kabellänge von 100 Metern eine Alternative, aber sobald die Datenmengen steigen, sind Anwender mit Glasfaser auf der sicheren Übertragungsseite. Hinzu kommt die galvanische Trennung bei Glasfaser, wodurch keine Verluste etwa über ein nahes Stromkabel entstehen. Und das spielt nicht nur im Broadcast-Bereich, sondern auch in der Industrie und Medizintechnik eine große Rolle.

Neu in Ihrem Portfolio ist die Dragonfly-Serie. Was hebt den Steckverbinder vom Markt ab?

Für die Serie nutzen wir erstmals unsere auf Glasfaserlinsen und Fusion-Splicing basierende XB2-Technik. Damit ist es möglich, die Übertragungsoberfläche einer Single-Mode-Faser von 9 µm auf 162 µm Durchmesser aufzuweiten. Dadurch wird die Signaloberfläche 322-mal vergrößert im Vergleich zu der Standard-Kontaktoberfläche. Dies führt zu einer erheblich besseren Schmutzresistenz und die Instandhaltungskosten können massiv reduziert werden. Einzigartig ist dabei auch, dass zur heutigen Lösung eine vergleichbare Performance von 0,6 dB pro Steckstelle erreicht werden kann, und das trotz dieser massiven Lichtaufweitung. Für die Reinigung dieses Systems werden auch keine zusätzlichen  Produkte mehr benötigt – Druckluft reicht hier vollkommen aus. Teilweise genügt es sogar, einmal zu pusten, denn die Linse selbst ist schmutzabweisend.

Konzipiert haben Sie die Dragonfly-Serie hauptsächlich für den Broadcast-Bereich. Für welche weiteren Anwendungsfälle eignet sich der Steckverbinder?

Natürlich lässt sich der hybride Stecker nicht nur für Kameras nutzen. Getreu unserem Motto „Setting Standards“ möchten wir den Weg auch für andere Branchen öffnen. Denn eine schmutzresistente Faser, die pro Kontakt 10 A mit 230 V überträgt, ist sicherlich auch in der Industrie oder im Automotive-Bereich sehr willkommen.

Wie soll es weitergehen mit der Serie?

Je nachdem, was von weiteren Märkten gefordert wird, können wir diese Serie auch ausbauen. Zum Beispiel eine zusätzliche hybride Multimode-Version.

 

Zum Unternehmen:

Die Anfänge von Neutrik gehen auf das Jahr 1975 zurück, als Bert Weingartner zusammen mit den Eigentümern der NeuElektrik AG, Gebhard Sprenger und Josef Gstöhl, das Unternehmen in einem Bauernhaus in Liechtenstein gründeten. Erste Erfolge verzeichnete das Unternehmen, als der auf die Bedürfnisse der Audio-Branche optimierte XLR-Steckverbinder als Standard anerkannt wurde. Den großen Durchbruch schaffte Neutrik 1983 mit der X-Serie, die noch heute in Mischpulten verwendet wird. Mittlerweile haben sich die robusten Steckverbinder mit Locking-System auch in der Industrie etabliert.