Über 400 PDNs in drei Monaten Die Abkündigungswelle rollt weiter

Nun sind Preiserhöhungen angesagt...

Dementsprechend hat Sperlich bereits im Juli 2017 den Tier-Ones in der Automobilindustrie erklärt: »Der Bedarf ist nicht erfüllbar.« Aber wer interessiert sich schon für Kondensatoren? Die Tier-Ones jedenfalls damals nicht, folgt man den Aussagen von Sperlich. Nachdem keinerlei Reaktion erfolgte, hat er sich direkt an die OEMS gewandt, da war das Interesse schon deutlich größer. Nur: Um Kapazitäten aufzubauen, brauchen auch die Hersteller von Keramikkondensatoren 18 Monate, denn auch wenn es sich um vermeintlich einfaches Stückgut handelt, die Fertigung ist hochautomatisiert und komplex. Fragt man Sperlich, ob er ein Ende des Engpasses sieht, kommt ein unumwundenes „Nein“, zumindest bei Automotive.

Denn wachsen die Stückzahlen um 50 bis 60 Prozent pro Jahr, lässt sich das nicht über einfache Produktivitätssteigerungen erreichen. Und auf den Vorschlag Muratas, ob nicht ein alter (nicht State-of-the-Art)-Kondensator durch einen kleineren ersetzt werden kann, um die Stückzahl mit einem Schlag um den Faktor 4 zu erhöhen, hat anfangs leider auch keiner reagiert. Werden die Produkte abgekündigt, bleibt ihnen nichts anderes mehr übrig. Sperlich trocken: »Jetzt hat es jeder kapiert.« Wobei man Murata nicht vorwerfen kann, dass das Unternehmen nicht kräftig investiert, um die Fertigungskapazitäten zu erhöhen. »2017 und 2018 haben wir 22 Prozent unseres Umsatzes in neue Fabriken investiert«, so Sperlich.

Die Misere macht noch einen anderen Punkt deutlich, den wahrscheinlich die meisten Zulieferer in der Automobilindustrie bestätigen können: 6 bis 7 Prozent Preisnachlass pro Jahr lässt sich nur endlich fortführen. Sperlich merkt an: »Viele Hersteller haben vor allem die Fertigung von älteren Keramikkondensatoren aufgegeben, denn sie konnten damit kein Geld verdienen, jetzt sind nur noch vier übrig, die im wesentlichen Automotive Grade produzieren können, wobei Murata mit großem Abstand der größte Hersteller ist.«

Jetzt hat sich das Blatt gewendet, Preiserhöhungen sind angesagt. Wenn dann der eine oder andere Tier-One droht, dass der Zulieferer rausfliegt, dann wirkt dieses Druckinstrument zumindest bei Murata nicht. »Unser Management deckt die Preiserhöhungen, denn wir müssen bei so hohen Investitionen Geld verdienen.« Das ist besonders bemerkenswert, denn Murata hat erst vor kurzem die Entscheidung gefällt, Automotive als weiteres Core Business zu betrachten, also kein unwichtiger Markt für Murata. Sperlich abschließend: »Dass es bislang keine Bandstillstände aufgrund von MLCC Lieferengpässen gegeben hat, grenzt an ein Wunder und zeigt, dass Murata alles tut, um partnerschaftlich mit der Automobilindustrie zusammenzuarbeiten.«