Industrielle Kabel von Lapp Der Alleskönner im Normendickicht

Entwickelt mit US-Know-how

Bei Leitungen mit einer Isolierung aus Polypropylen (PP), wie sie in Europa üblich sind, ist die Verlegung vom Schaltschrank bis zum Antrieb einfacher. PP hat wesentlich bessere elektrische Eigenschaften und erlaubt aufgrund niedriger Kapazitätswerte so die Überbrückung größerer Distanzen. Doch auch hier macht die US-Normung einen Strich durch die Rechnung: PP ist nach nordamerikanischem Regelwerk nicht ohne weiteres als gelistetes Adermaterial für Verlegung im offenen Kabelkanal vorgesehen. Ebenfalls setzt das oft für die Verkabelung von Industriemaschinen geforderte MTW-Listing (Machine-Tool-Wire) der Verwendung von Polypropylen normative Grenzen. Lapp USA setzt deshalb ein Sondermaterial aus XLPE ein, das bei der festverlegbaren Ölflex Servo FD 7TCE die Isolierung übernimmt.

Bei der neuen, schleppkettentauglichen Variante mit feinstdrähtigem Leiter, der Ölflex Servo FD 7TCE, besteht die Isolierung aus vernetztem Ethylenpropylen (EPR) für eine höhere Flexibilität. Beide Kunststoffe sind laut US-Regelwerk gelistet und ermöglichen Leitungslängen, die bis zu 40 Prozent über der von US-Kabeln mit herkömmlicher PVC-Nylon-Isolierung liegen. Das heißt: Die Wahl des Adermaterials ist keineswegs ein fauler Kompromiss, sondern garantiert auch für den nordamerikanischen Markt, trotz dort vorherrschenden komplexen Normanforderungen, beste elektrische Eigenschaften, wie wir sie von Kabeln für den europäischen Markt gewohnt sind. Auch beim Thema Mantelmaterial bewegen sich die Unternehmen in den USA: So verwendet ein großer amerikanischer Autobauer und Kunde von Lapp in den USA in seinen Fabriken keine PVC-ummantelten Leitungen mehr, sondern favorisiert die von Lapp eingesetzte TPE-Sondermischung als Außenmantelmaterial.

Der Sheriff entscheidet

Kompliziert sind nicht nur die US-Normen, sondern auch ihre Anwendung. So obliegt es den jeweiligen Bundesstaaten, neue Normen in geltendes Recht zu überführen. Das gilt zum Beispiel für die relevanten Fachnormen für die Verkabelung von Industriemaschinen in den USA, die Editionen 2012 und 2015 der NFPA 79 (National Fire Protection Association), die in enger Wechselwirkung mit dem National Electric Code (NEC) stehen, dem wohl bedeutendsten Regelwerk für exportierende Maschinen- und Anlagenbauer.

Die Bundesstaaten haben bei der Umsetzung gewisse Freiheiten, zum Beispiel was das Timing angeht. So kann es vorkommen, dass manche Bundesstaaten noch auf ältere Versionen des NEC zurückgreifen, die sich wiederum auf ältere NFPA-Editionen beziehen. Darüber hinaus kann jeder Bundesstaat weitere spezifische Anforderungen und Richtlinien als verbindlich erklären. Im kalifornischen San Francisco zum Beispiel gelten aufgrund verheerender Feuer und Brände nach dem Erdbeben von 1906 deutlich höhere Anforderungen an den Brandschutz als in anderen Städten selbst innerhalb des Staates Kalifornien.

Entwickelt mit US-Know-how

Mit der Ölflex Servo FD 7TCE sind die Anwender aber auf der sicheren Seite. Sie wurde bei Lapp in New Jersey entwickelt und wird dort auch hergestellt. Die Experten dort haben langjährige Erfahrung mit US-amerikanischen Normen, waren zum Teil auch für die UL-Behörde tätig. Günstig ist die Leitung nicht, denn die Fertigung ist aufwändiger, besonders wegen der Vernetzung des Aderkunststoffs. Dennoch erfreuen sich solche Universalleitungen im Portfolio von Lapp wachsender Beliebtheit, denn unterm Strich sparen sie dem Anwender nicht nur bares Geld, weil die Verlegung einfacher ist und statt mehrerer Kabeltypen nur noch ein Typ im Lager sein muss, sondern auch Zeit und vor allem Nerven, da eine Vielzahl von anerkannten UL- und CSA-Listings einen breiten Verwendungsbereich normativ abdeckt. Dies ermöglicht dem Anwender den problemlosen Leitungseinsatz, ohne den langen Arm des Gesetzes, in diesem Fall des zuvor erwähnten Sheriffs, fürchten zu müssen.