Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics »Das typisch deutsche Geschäft ist das Rückgrat unserer Firma«

Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics Deutschland: »Trotz eigener FFC-Produktion wollen wir nicht ein hundertprozentig abhängiger Automotive-Lieferant werden. Aber wir wollen unsere Stärken ausspielen und die liegen in unserer Expertise, hohe Datenraten mit einer anspruchsvollen Steckverbinder-Technologie zu übertragen.«
Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics Deutschland: »Trotz eigener FFC-Produktion wollen wir nicht ein hundertprozentig abhängiger Automotive-Lieferant werden. Aber wir wollen unsere Stärken ausspielen und die liegen in unserer Expertise, hohe Datenraten mit einer anspruchsvollen Steckverbinder-Technologie zu übertragen.«

Vom Zwei-Mann-Betrieb zum Millionengeschäft: Yamaichi Electronics Deutschland blickt auf einen langen Weg zurück. Welche Hindernisse es anfangs zu überwinden galt und wie die Zukunft aussieht, erklärt Mitgründer und European President Helge Puhlmann im Interview.

Markt&Technik: Herr Puhlmann, bevor wir auf Yamaichis zukünftige Entwicklungslinien zu sprechen kommen: 1986 gründeten Sie das Vorgängerunternehmen Connector Service, aus dem 1992 Yamaichi Electronics Deutschland hervorging. Was hat Sie damals zu diesem Schritt bewogen?

Helge Puhlmann: Dahinter steckt eine etwas kuriose Geschichte: Nach meinem Elektrotechnikstudium an der FH Kempten wollte ich eigentlich in den USA arbeiten; stattdessen studierte ich noch zwei Jahre Wirtschaftsingenieurwesen in München. Dafür habe ich mir die Gelben Seiten gegriffen und spontan bei dem ersten Unternehmen, das mir ins Auge gesprungen ist, nach einem Job gefragt – von irgendetwas muss man ja schließlich leben.

Meine Wahl fiel auf FCT Elektronik. Der damalige Eigentümer sah in mir den richtigen Mann für seine geplante Unternehmensausgründung – und das führte dazu, dass wir gemeinsam Connector Service gründeten. Ende der 80er ist schließlich der Kontakt zu Yamaichi entstanden. Obwohl wir damals immer noch ein sehr kleines Unternehmen mit drei oder vier Mitarbeitern waren, hat sich Yamaichi mit 51 Prozent beteiligt. Im Laufe der Jahre hat Yamaichi schließlich die komplette Firma übernommen und ab diesem Moment ging es für uns eigentlich erst richtig los. Zwar war es bis dahin ein steiniger Weg, aber es hat sich gelohnt. Denn in dieser Zeit haben wir tolle Mitarbeiter gefunden, die teilweise seit vielen Jahren bei uns sind. Das Team macht den Unterschied.

Wenn Sie zurückblicken: Worin bestand anfangs die größte Herausforderung?

Die Technologien veränderten sich sehr schnell. Eine Zeit lang konzentrierten wir uns zum Beispiel auf die Zulieferung von Prozessorsockeln für die Fertigung von PCs, die sich dann Anfang der 90er-Jahre in Europa zunehmend in Luft aufgelöst hat. Bei den Test- und Burn-in-Sockeln für die Qualifikation von Halbleitern sind wir aber bis heute Weltmarktführer. Die Investition in die Photovoltaik war ebenfalls eine Einbahnstraße. Wir mussten also immer wieder überlegen, wie es mit uns weitergeht.

Und was betrachten Sie als einen Meilenstein?

Einen Meilenstein erreichten wir zum Beispiel, als wir Ende der 90er Jahre das japanische Management von einer eigenen Entwicklungsabteilung überzeugen konnten. Angefangen mit einem einzigen, arbeiten für uns mittlerweile fast 90 Entwickler in Europa. Bei Firmen in unserer Größenordnung sind wir im Hinblick auf die Entwicklungslastigkeit einzigartig. Zumindest kenne ich kein europäisches oder amerikanisches Unternehmen in unserer Größe mit einer so hohen Anzahl an Entwicklern. Yamaichi ist ein extrem entwicklungsgetriebenes Unternehmen.

Normalerweise sind japanische Tochterunternehmen relativ abhängig vom Mutterkonzern. Wie selbstständig agieren Sie bei strategischen Entscheidungen?

Anfangs, als wir ein Drei-Mann-Unternehmen waren, hatten wir wirklich sehr viele Freiheiten – vor allem aus Sicht eines japanischen Tochterunternehmens. Und auch jetzt ist Yamaichi Electronics Deutschland in allen Entscheidungen sehr autark. Diese Selbstständigkeit liegt darin begründet, dass wir uns in den Anfängen von einem zunächst sehr kleinen zu einem schnell wachsenden Unternehmen entwickelten. Durch dieses schnelle Wachstum und unsere dadurch erreichte Größe hätte eine zu starke Einmischung vonseiten unserer japanischen Mutter auch einen Einfluss auf den Konzern haben können. Weitreichende Entscheidungen, wie etwa den Bau unserer neuen Fabrik in Frankfurt/Oder, stimmen wir natürlich intensiv mit der Konzernspitze ab.

Die Entscheidung, eine neue Produktlinie zu generieren, treffen wir aber vollkommen unabhängig und auch das Tagesgeschäft handhaben wir hier vor Ort. Auf der anderen Seite befruchtet uns der japanische Konzern zum Beispiel vor allem im Data-Networking, denn hier ist Yamaichi Electronics mit führend.