Bauprodukteverordnung Brandsichere Kabel und Leitungen in Gebäuden

Die Cca- und B2ca-zertifizierten LWL-Bündeladerkabel mit bis zu 288 Fasern, beispielsweise das N09, bieten sowohl im Innen- als auch im Außenbereich hohen Brandschutz.
Die Cca- und B2ca-zertifizierten LWL-Bündeladerkabel mit bis zu 288 Fasern, beispielsweise das N09, bieten sowohl im Innen- als auch im Außenbereich hohen Brandschutz.

Die EU hat mit der am 1. Juli 2013 in Kraft getretenen Bauproduktverordnung eine europaweit einheitliche Klassifizierung für mehr Brandsicherheit in Gebäuden geschaffen. Seit 1. Juli 2017 gilt die Bauprodukteverordnung auch für fest in Bauwerken installierte Strom-, Steuer- und Kommunikationskabel. 

Ca. 90 Prozent ihrer Zeit verbringen Menschen in jenen Gebäuden, in denen sich 90 Prozent aller Brände ereignen. Laut Statistischem Bundesamt fanden im Jahr 2015 von den insgesamt 343 Brandopfern über die Hälfte den Tod durch Rauch, Feuer und Flammen in Gebäuden und Bauwerken. Die häufigste Todesursache bei Gebäudebränden ist die Einwirkung toxischer Gase oder Rauch. Daran sterben rund 92 Prozent aller Opfer. 

Problematisch bei Gebäudebränden ist das in den letzten Jahrzehnten immer kleiner werdende Zeitfenster für eine mögliche Flucht. Während Personen im Jahr 1950 noch rund 15 Minuten Zeit hatten, das brennende Gebäude sicher zu verlassen, bleiben heutzutage nur noch rund drei Minuten zur Flucht. Nach Ablauf dieser Zeitspanne erschwert die Rauchentwicklung die Orientierung so sehr, dass der Flüchtende keine Fluchtwege mehr erkennt und er eine dichte, sichtbehindernde Wolke aus giftigen Brandgasen durchdringen muss. 

Diese Entwicklung ist vor allem auf den vermehrten Einsatz von Kunststoffen in Wohngebäuden zurückzuführen. Dadurch verkürzt sich die Zeit von der Entzündung bis zum gefährlichen Flash-Over enorm. Flash-Over bezeichnet den schlagartigen Übergang eines Entstehungsbrandes zu einem vollentwickelten Brand. Es ist der Zeitpunkt, an dem eindringende Luft im Raum zu einem Abbrennen der Pyrolysegase unter der Decke führt. Die dabei entstehenden hohen Temperaturen bewirken, dass in kurzer Zeit alle brennbaren Gegenstände im Raum auch ohne Kontakt mit einer Zündflamme in Brand geraten. 

Brandprävention schützt Menschenleben

Wirkungsvoll sind vorbeugende Brandschutzmaßnahmen. Sie erhöhen den Schutz von Leib und Leben bei Bränden in Gebäuden und Bauwerken. Brandschutzmaßnahmen werden im Vorfeld getroffen, um der Entstehung und Ausbreitung von Bränden entgegenzuwirken und die Folgen von Bränden, soweit es geht, einzuschränken. Dazu zählen anlagentechnische, organisatorische und bauliche Maßnahmen. Die baulichen Maßnahmen sind sehr vielseitig und berücksichtigen vor allem die Aspekte Brandverhalten und Feuerwiderstand von Baumaterialen, Aufteilung der Gebäude in Brandabschnitte sowie Fluchtwegplanung. 

Kabel als Bauprodukt

Mit der seit Juli 2013 verbindlich für alle EU-Mitgliedsstaaten geltenden Bauprodukteverordnung (Construction Products Regulation, kurz: CPR) hat die EU die unterschiedlichen nationalen Regulierungen bezüglich der Brandeigenschaften von Bauprodukten vereinheitlicht. Die Vorschriften der CPR gehen mit einem weitreichenden Zertifizierungssystem einher, das sicherstellt, dass nur zugelassene Produkte am Bau Verwendung finden. Die CPR gilt für alle Produkte oder Bausätze, die dauerhaft in Bauwerken oder Teilen davon eingebaut sind. Seit 1. Juli 2017 fallen darunter auch fest installierte Kabel und Leitungen. Genauer gesagt unter die harmonisierte Norm hEN 50575, die sich an die CPR angliedert. 

Entsprechend der Definition der Europäischen Kommission und des Europäischen Gerichtshofs gilt ein Kabel nur dann als Bauprodukt im Sinne der CPR, wenn Bauarbeiten für dessen Entfernung nötig sind. Dies ist insbesondere der Fall bei unter Putz oder in fest installierten Kabelkanälen verlegten Kabeln. Mittels Steckverbindungen (Konfektionen) oder einfachen Schraub- oder Klemmverbindungen angeschlossene Kabel (Lampenkabel, Kabel zur Spannungsversorgung von Maschinen und Anlagen etc.) gelten dagegen nicht als Bauprodukt und fallen somit nicht unter die CPR. Auf sie finden weder die Dokumentations- und Informationsanforderungen der Bauprodukteverordnung noch die konkretisierenden Anforderungen der hEN 50575 Anwendung. 

Neue Klassifizierung

Die einheitliche EN-Norm 50575 gilt für Starkstromkabel und -leitungen sowie Kommunikations- und Steuerkabel für die dauerhafte Installation in Gebäuden. Mit der Aufnahme von Kabeln und Leitungen in die Liste der Bauprodukte hat die EU sechs neue Hauptbrandschutzklassen für Kabel definiert – von Aca bis Fca (ca steht für ‚cable‘). Diese ersetzen die bisherigen Brandklassen A1, A2, B1, B2 und B3. Die neuen Brandschutzklassen hat die EU anhand der Kriterien Flammausbreitung und Wärmeentwicklung vergeben. Von unbrennbar (Aca) und schwer entflammbar (B1ca, B2ca, Cca) über normal entflammbar (Dca, Eca) bis leicht entflammbar (Fca). Für weitere Anforderungen wie Rauchentwicklung (s), Azidität beziehungsweise Halogenfreiheit (a) und brennendes Abtropfen (d) gibt es jeweils drei ergänzende Klassifizierungen.