Passive Bauelemente Automotive-MLCCs weiter knapp

Während einige Hersteller passiver Bauelemente bei Standardbauelementen und -werten eine Entspannung ab der zweiten Jahreshälfte 2019 prognostizieren, dürfte die Versorgungslage bei Automotive-MLCCs, wie eine aktuelle Recherche der Markt&Technik zeigt, weiterhin eng bleiben.

So vermutet Yoshihiro Yamada, Vice President der Component Business Unit in der Capacitor Division bei Murata, »dass sich die angespannte Lage im Automotive-Bereich noch bis 2021 hinzieht«. Ganz ähnlich sieht das Harald Sauer, Director Sales & Technical Support bei Taiyo Yuden Europe. Er rechnet für die erste Jahreshälfte 2019 mit keiner Entspannung: »Der Bedarf wächst einfach schneller, als die Kapazität aufgebaut werden kann«.

Ussama Margieh, FAE Team Manager Europe bei AVX, nennt ein Beispiel für Bauteile, deren Liefersituation sich in Zukunft verbessern könnte: »Ein typisches Beispiel dafür wäre der 0603/100-nF-Kondensator. Ein 1210/2,2-µF- oder -4,7-µF-MLCC wird dagegen auch 2019 knapp verfügbar sein«. Nach seiner Einschätzung wird es 2019 ganz generell bei großen Bauformen und High-Cap-Werten weiterhin kritisch bleiben«.

Nach Einschätzung von Olaf Lüthje von Vishay Passives könnte es, vermutlich in den nächsten Wochen und Monaten, bei einzelnen Produktgruppen im Bereich passiver Bauelemente zu einer Entspannung in der Lieferkette kommen. »Zurzeit rechnen wir aber mit keinen signifikanten Änderungen, da der Orderbestand nach wie vor unverändert hoch ist.« Lüthje gibt aber auch zu bedenken, »dass die Erfahrung gezeigt hat, dass sich das mittel- oder gar kurzfristig ändern kann«.

Aus Sicht von Falko Neubert, CTO von Endrich Bauelemente, wird es eine Rückkehr zur Normalität und zu kürzeren Planungshorizonten erst wieder geben, »wenn alles wieder in ruhigerem Fahrwasser ist«. Derzeit sei das Risiko, speziell bei Passiven, noch zu hoch: »Immer kürzere Innovationszyklen etwa bei Smartphones, Wearables, 5G oder ADAS, gepaart mit immer größeren Stückzahlen, speziell bei Chinaware, sorgen für Wirbel in der Fertigungsplanung der Werke unserer Lieferanten.« Neubert will auch nicht ausschließen, »dass die großen Hersteller die Kapazitäten 2019 knapp halten, um das Preisniveau zu sichern«.

Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, weist darauf hin, dass die Marktbedeutung Europas bei passiven Bauelemente bei etwa 10 Prozent liegt; »das ist eine andere Dimension als etwa der Bedarf in Asien«. Er rechnet mit einer kurzfristigen Entspannung, bedingt durch freiwerdende oder zurückgegebene Bedarfe, wie etwa bei Apple. »Ab dem 2. Quartal wird sich die Lage aber wieder verschärfen. Auf einem globalen Markt sind dafür die nächsten großen Applikationen wie IoT, 5G, Elektrofahrzeuge oder KI verantwortlich.«

Beispiele für eine Entspannung außerhalb des MLCC-Bereichs liefert beispielsweise der Elko-Spezialist Jianghai Europe. »Es ist uns gelungen, sowohl die Vormaterial- als auch die Kondensatorfertigungskapazitäten deutlich zu steigern. Unsere Lieferzeiten sinken deshalb seit dem 4. Quartal 2018 wieder, und wir gehen davon aus, dass wir ab dem Frühjahr dieses Jahres wieder mit regulären Lieferzeiten disponieren können.« Oliver Konz, CEO von Würth Elektronik eiSos, weist ebenfalls darauf hin, »dass wir unsere Hausaufgaben produktions- und logistikseitig gemacht haben und alle Produkte mit Ausnahme der MLCC-Thematik im normalen Rahmen verfügbar sind. Wir können deshalb bei nahezu allen Produkten wieder grünes Licht geben«.

Welche Auswirkungen die MLCC-Thematik auf andere Produktgruppen haben kann, zeigt das Beispiel der Isabellenhütte Heusler. »Wir haben zwar eine Versorgungssicherheit an Shunts erreicht«, erläutert Rolf Viehmann, Leiter Marketing, »jedoch verschieben Kunden ihre Bedarfe aufgrund fehlender anderer Komponenten«.