Durchatmen vor den Booms der 2020er Achterbahnfahrt bei den Passiven

Jean Quecke, Future Electronics: "Nach einer kurzen Bedarfskorrektur in Asien dürften anstehende, bedarfsstarke Applikationen wie 5G, IoT, E-Mobility und der nach wie vor hohe Bedarf im Automotive-Bereich speziell im MLCC-Bereich ab Ende des 2. Quartal 2019 wieder zu einer angespannten Versorgungslage führen."
Jean Quecke, Future Electronics: "Nach einer kurzen Bedarfskorrektur in Asien dürften anstehende, bedarfsstarke Applikationen wie 5G, IoT, E-Mobility und der nach wie vor hohe Bedarf im Automotive-Bereich speziell im MLCC-Bereich ab Ende des 2. Quartal 2019 wieder zu einer angespannten Versorgungslage führen."

Ausgehend von Bedarfsänderungen in Asien im 4. Quartal 2018 hat sich die Lieferkette in Europa in den letzten Wochen etwas entspannt. Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, warnt, dass das nur eine kurzfristige Entspannung ist.

Markt&Technik: Wie stellt sich aktuell die Situation auf dem Markt für passive Bauelemente dar?
Jean Quecke: Wir registrieren eine leichte Entspannung, die vor allem mit der Situation in Asien in den letzten Monaten zu tun hat. Wenn allein Apple in einem Quartal etwa 20 Millionen ­iPhones weniger verkauft und auch Samsung nicht die gewohnte Zahl seiner Smart­phones absetzen kann, hat das Auswirkungen auf den Bauteilebedarf. 

Wie sieht der konkrete Unterschied zwischen dem letzten Quartal 2018 und dem ersten Quartal des neuen Jahres aus?
Im 3. Quartal 2018 wurden weltweit etwa 950 Milliarden MLCCs produziert und verkauft. Im 4. Quartal waren es etwa 900 Milliarden. Im 1. Quartal 2019 bewegt sich die Zahl wohl zwischen 900 und 950 Milliarden Stück. Vor diesem Hintergrund verkaufen auf einmal asiatische und chinesische Distributoren wieder ihre Ware nach Europa. Die Book-to-Bill liegt aber immer noch über 1,1 und die Preise bleiben stabil. Wir halten diese Entspannung aber nur für eine Zwischenepisode. 

Wenn man das auf die verschiedenen passiven Bauelemente mit Ausnahme der MLCCs herunterbricht, wirkt sich diese Entspannungsphase auf alle Produktgruppen im gleichen Maße aus?
Bei Chipwiderständen sehen wir derzeit normale Lieferzeit von 12 bis 16 Wochen. Bei Tantal-Kondensatoren sind dagegen derzeit leicht erhöhte Lieferzeiten von 12 bis 21 Wochen zu beobachten. Als normal würden wir auch die Lage bei Elektrolytkondensatoren beurteilen mit derzeit acht bis zwölf Wochen. Bei Drosseln und Spulen liegen wir derzeit im Allgemeinen bei 12 bis 24 Wochen. Auch beim Thema Minimelf sehen wir keine Entspannung. Es ist vielmehr so, dass sich durch eine Reihe neuer Designs in den USA derzeit der Markt erweitert und damit die Nachfrage nach Minimelfs noch erhöht. Wirklich kritisch sieht es nach wie vor bei Relais aus, da gibt es spezielle Serien, die nach wie vor auf Allokation sind, dies gilt vor allem für Automotive-Relais. 

Kommen wir noch einmal auf die Sondersituation bei den MLCCs zu sprechen. Wie stellt sich da die Situation Anfang 2019 dar und mit welcher Entwicklung rechnen Sie für den Rest des Jahres?
Wir haben auf der einen Seite Hersteller, da weiß man bis zum Auspacken der Container nicht, was in der jeweiligen Lieferung enthalten ist. Bei den Top 3 liegen die Lieferzeiten derzeit ungefähr bei 40 Wochen. Wenn wir heute bei einem Unternehmen wie AVX für einen Kunden nachfragen, dann bekommen wir keine Zusage vor Ende 2019, Anfang 2020. Nach der ersten Boom-Phase beschreitet Yageo nun einen eigenen Weg. Das Unternehmen ist inzwischen der einzige mir bekannte MLCC-Hersteller, der mit fünf Distributoren, zu denen auch Future Electronics zählt, Long-Term-Agreements abgeschlossen hat. Yageo sieht derzeit die strategische Möglichkeit, sich langfristig in Europa als MLCC-Hersteller zu positionieren, und diese Chance nutzen sie und halten die getroffenen Vereinbarungen im Rahmen des Long-Term-Agreements. 

Dominieren einzelne Hersteller bestimmte Anwendungsbereiche von MLCCs?
Wenn Sie sich den Automotive-Bereich ansehen, dann sind dort Hersteller wie Murata, TDK AVX und Kemet stark. Diese Hersteller stellen mehr als 30 Prozent ihrer Fertigungskapazitäten in den Automotive-Bereich. Beim Thema Smartphone sieht es anders aus. Da sind es im wesentlichen Murata, Samsung und Taiyo Yuden, die die Hälfte ihrer Produktionskapazität oder sogar mehr in diesen Bereich liefern. Diese drei sind auch dominierend, wenn es um das Thema Network-Anwendungen geht.