Bourns kauft Transformer-Firma Transtek 70 Jahre Potentiometer-Entwicklung, und kein Ende in Sicht

Hans van Delft, Bourns: »Wir sehen uns nach wie vor einer starken Marktnachfrage gegenüber, aber bislang ist es uns gelungen, den Anstieg unserer Lieferzeiten auf ein, bis zwei Wochen, gegenüber unseren normalen Lieferzeiten von 4 bis 8 Wochen zu beschränken.«

Circuit Conditioning, Ciruit Protection und Motion Control stehen im Fokus der Geschäftstätigkeit von Bourns. Nach der Überzeugung von Hans van Delft, Vice President und General Manager Industrial, lässt diese Ausrichtung Bourns überdurchschnittlich von den Megatrends der Zukunft profitieren.

Markt&Technik: Weltweit wird über eine sehr angespannte Lieferkette und steigende Lieferzeiten geklagt. Bewegen sich Ihre Lieferzeiten inzwischen auch bei 20 Wochen und mehr?

Hans van Delft: Sie haben Recht, inzwischen sind sogar die Lieferzeiten für Widerstände gestiegen! Normalerweise liegen unsere Lieferzeiten bei vier bis acht Wochen. Inzwischen dauert es auch bei uns ein, zwei Wochen länger, aber von Lieferzeiten um die 20 Wochen sind wir noch weit entfernt! Die ersten sechs Monate dieses Jahres waren wirklich sehr stark, was die Nachfrage vom Markt betrifft. Auffallend ist, dass die Nachfrage auch in den Wochen und Monaten hoch bleibt, die in der Vergangenheit eher für ein Nachlassen der Nachfrage bekannt waren.

Wie erklären Sie sich diesen anhaltenden Nachfrageanstieg? Eine allgemeine Markterholung? Oder wird der Boom von einzelnen Marktsegmenten besonders getrieben?

Ich würde sagen, wir können über alle Branchen und alle Regionalmärkte hinweg eine deutliche Bedarfssteigerung registrieren. Zum Teil ist das sicher auf unsere Neuentwicklungen im Bereich Trimpotentiometer zurückzuführen. Sie lösen essentielle Entwicklerprobleme. Schaltungsdesigns, die Mikrocontroller beinhalten, sind empfindlicher gegenüber Störungen. Präzise Trimmer, mit höherer Linearität und geringerem Rauschen, helfen hier Entwicklern, präzisere und genauere Justierungen vorzunehmen. Als Spezialist für Circuit Conditioning, Circuit Protection und Motion Control profitiert Bourns davon natürlich in speziellem Maße. Denken Sie nur an das Thema E-Mobility oder an den Trend zu kabellosen Geräten. All diese Geräte brauchen ein sehr gutes Power Management. Schnellladung erfordert eine zuverlässige Ciruit Protection! Und für all diese Anwendungen gilt auch: Sie benötigen sehr zuverlässige Produkte. Wurde in der Vergangenheit mit ppm gearbeitet, sprechen wir heute über Parts per Billion.

Bourns ist ein amerikanisches Unternehmen. Da drängt sich natürlich die Frage auf: Wie stehen Sie zu Trumps „America First“? Ist dieser Anspruch im Bauelementebereich, speziell bei passiven Bauelementen, überhaupt umzusetzen?

Es ist richtig, dass die Haltung der Regierung inzwischen in diese Richtung geht, aber Sie können solche Pläne nicht auf die Schnelle umsetzen, also Fertigung aus dem naheliegenden Ausland oder gar aus Asien zurückholen. Und selbst wenn Sie in Zukunft Werke in den USA bauen, fehlen Ihnen die qualifizierten Mitarbeiter.

Das klingt nach einem strukturellen Problem, das sich auf die Schnelle auch nicht mit Geld lösen lassen würde?

Es fehlt schlicht die Infrastruktur für diese Industrie! Und es fehlt an Ingenieuren! Es gibt nicht genug von ihnen in den USA, und wenn der Zuzug entsprechend Qualifizierter in die USA erschwert wird, dann wird sich dieses Problem noch verschärfen. Man hat das Problem auch schon erkannt, und das sogenannte STEM-Programm aufgelegt, das für Science, Technology, Engineering und Mathematic steht. Aber bis dieses Programm wirklich Früchte trägt, werden wohl zehn Jahre oder mehr vergehen. Mittelfristig kämpft die US-Industrie aber mit einem Mangel an Ingenieuren. Ob sich das in Zukunft ändern und wieder mehr Produktion in die USA zurückkommen wird? In der Vergangenheit hätte ich Nein gesagt, nun, unter der Voraussetzung sich ändernder Rahmenbedingungen, würde ich sagen: »Ich weiß es nicht.«

Ein anderer Trend, der in den letzten Jahren zu beobachten ist, besteht darin, dass sich speziell große Hersteller passiver Bauelemente im Sensorik-Bereich einkaufen. Wird dem Trend auch Bourns folgen? Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Wir müssen dieser Entwicklung nicht folgen, weil wir schon seit Jahren im Sensorikbereich aktiv sind. Weltweit beliefern wir über 30.000 Kunden mit Sensorlösungen. Natürlich gibt es ein gesteigertes Interesse an Sensorlösungen, das auch wir registrieren, vor allem auch im Automotive-Bereich. Ich würde sagen, es ist der Versuch einiger Anbieter, sich zum Full-Service-Provider zu entwickeln. Aber um es klar zu sagen: Die Preise, die da bei diesen Übernahmen aufgerufen werden, sind häufig unrealistisch. Das Zwei- bis Dreifache des Umsatzes zu bezahlen, halte ich für überzogen.