Slobodan Puljarevic, President von EBV »Zwei Milliarden Euro bis 2020«

Slobodan Puljarevic, President & CEO, EBV Elektronik
Slobodan Puljarevic, EBV: »Wir versuchen nach wie vor, unsere Kultur beizubehalten. Aber die Welt dreht sich weiter und wer der Ansicht ist, EBV sei nicht mehr das, was sie vor zehn Jahren war, ist weltfremd. Der Markt hat sich verändert und wenn wir uns nicht stetig verändert hätten, wären wir heute nicht mehr am Markt.«

Vor 50 Jahren wurde EBV gegründet und blickt auf eine bewegte Geschichte. Seit 32 Jahren begleitet Slobodan Puljarevic, President von EBV, das Unternehmen, seit 13 Jahren steht er an der Spitze des Distributors. Was macht die DNA von EBV aus? Markt&Technik hat nachgefragt.

Markt&Technik: Herr Puljarevic, EBV besteht in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert und ist nach wie vor sehr gut positioniert. Im Haifischbecken der Distribution dürfte das all die Jahre nicht einfach gewesen sein.

Slobodan Puljarevic: Eine Marke 50 Jahre aufrechtzuerhalten und in dieser schnelllebigen Industrie bestehen zu bleiben ist in der Tat eine Leistung. Viele Firmen und Marken kamen und sind im Laufe der Jahre wieder verschwunden. Wir haben es geschafft, unsere Marke bis heute beizubehalten. – In den ersten 30 Jahren war das sicher einfacher. Seit 20 Jahren gehören wir zu Avnet, dadurch hat sich natürlich einiges verändert. Avnet hat uns geholfen, zu wachsen und gleichzeitig unsere Identität zu bewahren. Und: Wir haben kein einziges Jahr Verluste gemacht, sondern waren immer profitabel.

Auch 2009?

Wir haben auch 2009 gut überstanden – und ohne Mitarbeiter zu kündigen. Im Gegensatz zu uns haben Mitbewerber zum Teil viele Leute freigesetzt. Wir konnten dadurch viele gute Mitarbeiter rekrutieren und sind umso schneller gewachsen.

Kontinuität zeichnet EBV aus, aber es hat sich auch vieles verändert bei EBV über die letzten Jahre. Und manch einer trauert „guten alten Zeiten“ nach.

Wir versuchen nach wie vor, unsere Kultur beizubehalten. Aber die Welt dreht sich weiter, und wer der Ansicht ist, EBV sei nicht mehr das, was sie vor zehn Jahren war, ist weltfremd. Der Markt hat sich verändert und wenn wir uns nicht stetig verändert hätten, wären wir heute nicht mehr am Markt.

Was genau macht die EBV-Kultur aus?

Die EBV-Kultur heißt „selbstständig arbeiten“. Mitarbeiter, die warten, bis sie Anweisungen bekommen, was sie heute oder morgen zu tun haben, bleiben nicht lange bei EBV. Unsere Mitarbeiter wollen selbstständig ihre Arbeit erledigen. Jeder hat seinen Rhythmus und kann individuell arbeiten. Es wird niemand sprichwörtlich „geköpft“, wenn er einen Fehler macht. Wir erwarten von den Mitarbeitern aber, dass sie, wenn sie zehn Entscheidungen pro Tag treffen müssen, alle treffen. Und wenn eine Entscheidung nicht optimal gelaufen ist, diese dann schnell korrigieren. Abwarten und keine Entscheidung zu treffen ist hingegen bei uns keine Option. Das gilt für alle Bereiche, den Vertrieb genauso wie für den Einkauf etc. Wenn jemand diese Kultur schätzt, ist er willkommen bei EBV. Wer nur Befehle ausführt, wird sich bei uns dagegen nicht wohlfühlen.

Sie sprachen eingangs davon, dass Avnet dabei geholfen hat, die Identität von EBV zu bewahren. Wird das auch in Zukunft der Fall sein?

Stand heute: ja. Wir sind dabei, einige organisatorischen Prozesse im Back-End zu verändern und crossfunktional über alle Speedboate auszurollen: Dazu zählt beispielsweise Finance und HR. Aber die Speedboats wie EBV, Avnet Silica und Avnet Abacus werden bestehen bleiben.

Das heißt, das Konzept der Speedboats steht nicht infrage?

Wir sind mit diesem Konzept in Europa bei über 40 Prozent Marktanteil und deutlich vor unserem Mitbewerbern. Also gibt uns dieses Konzept recht. Dennoch müssen auch wir aufgrund der schrumpfenden Margen die Kosten im Blick haben. Wir möchten aber nicht Front-End, also zum Kunden hin, einsparen, sondern optimieren Prozesse im Back-End.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Ursachen für den Margenverfall?

Je älter und größer die Märkte werden, umso geringer wird die Marge. Das ist eine alte Regel, die uns zwar allen nicht sonderlich gefällt, aber das ist nun einmal so. Halbleiter müssen immer mehr können und immer billiger werden. Wir müssen lernen, mit der geringeren Marge zurecht zu kommen. Dass wir das gut können, haben wir die letzten 50 Jahre unter Beweis gestellt. Im Gegensatz zu vor 32 Jahren, als ich bei der EBV angefangen habe, hat sich die Marge heute halbiert.

Gleichzeitig ist die Halbleiterindustrie sehr investitionsintensiv – sprich: die Halbleiter-Fabs werden stetig teurer, die Investitionen für die Hersteller daher immer höher. Gleichzeitig werden immer mehr Features von den Bauteilen erwartet und sämtliche elektronischen Endgeräte werden immer billiger.