Design-in-Ausrichtung im Fokus »Wir wollen unseren Umsatz bis 2025 verdoppeln«

Falko Neubert, Endrich

»Wir wollten uns moderner ausrichten und Design-in wirklich leben. Das gelingt uns recht gut. Schlüsselelement dieser Strategie ist kompetentes Fachpersonal, und das muss einen gewissen Rahmen haben,in dem es agieren kann.«
Falko Neubert, Endrich: »Wir wollten uns moderner ausrichten und Design-in wirklich leben. Das gelingt uns recht gut. Schlüsselelement dieser Strategie ist kompetentes Fachpersonal, und das muss einen gewissen Rahmen haben,in dem es agieren kann.«

Mit etwa 88 Millionen Euro Umsatz zählt Endrich zu den soliden Mittelständlern in der Distribution. Doch damit nicht genug. CTO Falko Neubert hat hohe Ziele und will den Umsatz kräftig ausbauen.

Markt&Technik: Wir haben vor gut einem Jahr über Ihren neuen Ansatz bei Endrich gesprochen, verstärkt auf Design-in zu setzen. Ist dieser Ansatz aufgegangen?

Falko Neubert: Wir wollten uns moderner ausrichten und Design-in wirklich leben. Das gelingt uns recht gut. Schlüsselelement dieser Strategie ist kompetentes Fachpersonal, und das muss einen gewissen Rahmen haben, in dem es agieren kann. Mit dieser Ausrichtung sehe ich noch sehr viel Potenzial für uns. Konkret haben wir uns das Ziel gesetzt, dass wir unseren Umsatz bis zum Jahr 2025 verdoppeln.

Die Distribution geht allgemein weg vom Produkt hin zur Anwendung; steht das einzelne Produkt – also die Komponente – nicht mehr im Fokus? Am Ende sind es doch die Komponenten-Stückzahlen, die den Umsatz bringen.

Der Kunde interessiert sich für das Produkt, wenn er genau weiß, was er machen möchte. Aber letztlich hat jeder Kunde eine technische Anwendung und hierfür möchte er eine Lösung. Um die Anwendungsorientierung in den Vordergrund zu stellen, beschreiben wir hier auf der electronica in unserem Standkonzept sieben für Endrich wichtige Geschäftsfelder: Communication, Detection, Visualization & Control, Motion, Thermal Management, Pow­er sowie Illumination. Diese Geschäftsfelder repräsentieren ganz allgemein Applikationen, welche in ganz verschiedenen Märkten mit unterschiedlichen Nuancen vorkommen. Und natürlich verkaufen wir am Ende unsere Produkte in die jeweiligen Applikationen.

Wie decken Sie all diese Themen von den technischen Ressourcen her ab?

Unser Vertrieb kennt die Applikationen des Kunden, tauscht sich mit ihm aus und bringt dieses Wissen bei unserem Produktmanagement ein. Natürlich tauschen wir uns auch mit unseren Herstellern aus und geben unsere Erfahrungen und die Anforderungen aus dem Feld dorthin weiter. So können unsere Hersteller mit neuen Produkten und/oder Produktmodifikationen reagieren.

Welche Märkte treiben das Geschäft?

Es gibt viele fruchtbare Märkte für uns. Neben Automotive, wo wir traditionell stark sind, kommen die E-Mobility und der klassische Industriemarkt mit all seinen Facetten infrage. Elektromobilität ist aus vielerlei Gründen sehr interessant, auch weil hier ganz neue Player in den Markt kommen bzw. einst klassische Automobilzulieferer sich weiterentwickeln, etwa bei Direktantrieben im Rad. Zudem gibt es hier viele Applikationen, die nicht unmittelbar im Automotive-Bereich laufen, sondern im weiteren Umfeld, etwa wenn es um neue Mobilitätskonzepte geht.

Sie nannten auch das Thema „Illumination“ als Geschäftsfeld – alleine hier auf der electronica sieht man anhand der vielen Stand-Beleuchtungskonzepte, welch tragende Rolle die LEDs inzwischen spielen.

In der Lichttechnik laufen sehr viele Entwicklungen. Heutige LED-Systeme sind schlichtweg Elektronik-High-Tech. Lichtfarbe, Helligkeit, Ansteuerungen, Kühlung usw. müssen für jede Anwendung individuell angepasst sein.

Ein weiterer interessanter Bereich ist das Power-Management, etwa zur Ansteuerung von Kommunikationsmodulen bis hin zu Power-Modulen für Transformatoren in Umspannwerken oder Windenergieanlagen. Auch im Automobil spielt das Power-Management mit Stützbatterien und zusätzlichen Kondensatoren eine große Rolle, um beispielsweise kurzfristige Spannungseinbrüche beim Start-Stopp-Vorgang zu kompensieren.

Sehr viele Projekte laufen auch im Sensorik-Umfeld. Sensoren sind quasi überall – für Auswertungen, Monitoring, Messungen, Steuer- oder Regelungen. Der Bereich der Sensorik ist weltweit eines der am stärksten wachsenden Felder. Im Zeitalter von Industrie 4.0 im vertikalen und IoT im horizontalen Architektursinn sind konkrete Anwendungen schier unmöglich ohne die passende Sensorik.

Eng mit der Sensorik verbunden und ebenso spannend ist natürlich der fast schon unendliche Bereich der Kommunikation. Hier geht es meist um den ganzheitlichen Ansatz, also Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe von Daten bzw. Informationen. In diesem Bereich ist es daher angebracht, auch als Distributor, das System anstatt nur die einzelne Komponente zu betrachten.

Die Fülle der Applikationen ist riesig und der Markt brummt. Einziges Handicap ist die Verfügbarkeit, vor allem bei passiven Bauteilen – wie gehen Sie damit um?

Wir haben mittlerweile wieder ein Niveau erreicht, wo sich die kontinuierliche Allokation auf ein Minimum reduziert. Es gibt vereinzelt Produkte innerhalb der Kondensatoren, die noch etwas knapp sind, auch weil Rohstoffe fehlen. Aber insgesamt betrachtet hat sich die Situation für die Kondensatoren-Linien seit Sommer deutlich verbessert.

Etwas anders sieht es bei den Widerständen aus. Bei speziellen Typen gibt es hier nach wie vor Schwierigkeiten in der Verfügbarkeit. Das hat zum einen den Grund, dass die Bedarfe gestiegen sind, zum anderen an der Verfügbarkeit und Aufbereitung des Rohmaterials. Wir sehen aber auf Kundenseite großes Verständnis. Die Kunden koordinieren die Allokation sehr gut mit.

Kommt es durch die Verknappung häufiger zu Redesigns?

Nur sehr wenige Kunden lassen sich auf ein Redesign ein. Es geht ja nicht nur darum, die Technologie zu ändern, sondern das Ganze zieht auch entsprechende Rezertifizierungen nach sich, und damit sind hohe Kosten und ein hoher Zeitaufwand verbunden. Oft beschaffen sich die Kunden das fehlende Material lieber über freie Kanäle oder warten, bis das Material wieder verfügbar ist.