MSC Technologies »Wir sind ein typischer ODM«

Dr. Dominik Reßing, MSC Technologies
»Unsere kundenspezifischen Entwicklungen basieren meist auf ’Bausteinen‘. Das heißt, entwickelt wird an Standard­produkten und dann kunden­spezifisch appliziert. Unsere Produkte sind dement­sprechend Technologieträger, aber das wesentliche Geschäft kommt über die kunden­spezifischen Anpassungen.«
Dr. Dominik Reßing, MSC Technologies: »Unsere kundenspezifischen Entwicklungen basieren meist auf ’Bausteinen‘. Das heißt, entwickelt wird an Standard­produkten und dann kunden­spezifisch appliziert. Unsere Produkte sind dement­sprechend Technologieträger, aber das wesentliche Geschäft kommt über die kunden­spezifischen Anpassungen.«

Als technologische Speerspitze versteht Avnet seine jüngste Tochter MSC Technologies. Warum das so ist, zeigt zum Beispiel der MSC-Standort Freiburg mit der Kombination aus lokalem Engineering und Fertigungsnähe.

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Lokales Engineering mit Fertigungsnähe

In Freiburg ist die System-Fertigung von MSC Technologies angesiedelt. Die reine Leiterplattenbestückung findet in Stutensee und auf Malta statt

Rund 200 Mitarbeiter arbeiten dort – 100 in der Fertigung, weitere 100 in der Entwicklung, dem Customer-Relationship-Management und in der Logistik. In Freiburg ist die System-Fertigung von MSC Technologies angesiedelt. Die reine Leiterplattenbestückung findet hingegen in Stutensee und auf Malta statt.

Insgesamt beschäftigt MSC etwa 200 Entwickler in Niederlassungen in Neufahrn, Stutensee, Freiburg und Aachen. Mit rund 100 Entwicklern ist Neufahrn der größte Entwicklungsstandort. »Ein Drittel unserer Entwickler sind im System-Engineering, Compliance, Test und in der Konstruktion tätig; ein Drittel in der Elektronik-Entwicklung, und ein Drittel beschäftigt sich mit der Software-Entwicklung, wobei der Übergang zwischen Hard- und Software-Entwicklung fließend ist«, erklärt Dr. Dominik Reßing, President von MSC Technologies. »In Ausnahmefällen entwickeln wir auch Applikationssoftware. Aber das ist bislang normalerweise das Kern-Know-how unserer Kunden.« Mittelfristig will MSC das Dienstleistungsspektrum nach den Worten von Reßing aber auch in Richtung Applikationssoftware ausweiten: »Software wird immer komplexer und damit schwerer zu managen für den Kunden.«

Engineering Leadership

Das Entwicklungs-Know-how steht bei MSC laut Reßing an erster Stelle: »Unsere Engineering Leadership ist unser Hauptdifferenzierungsfaktor. Wir entwickeln am liebsten vom „Scratch“ an über den gesamten Lebenszyklus bis hin zur Fertigung und sind damit ein typischer ODM.« Im Gegensatz zu einem EMS, also einem Auftragsfertiger, versteht der ODM nicht die Fertigungsdienstleistung, sondern die Applikations- bzw. System-Entwicklung als seine Kernkompetenz. »Wenn ein Kunde sein Produkt nur gefertigt haben möchte, sind wir im Grunde nicht der richtige Partner«, so Reßing. »Wir sehen uns mit dem Angebot der Industrialisierung und Fertigung als guten Partner, wenn jemand eine gute Geschäftsidee hat, aber keine Idee, wie er sie auf den Markt bringen kann.« MSC begleitet seine Kunden meist über den gesamten Lebenszyklus von der Entwicklung bis hin zum After Sales, also der Unterstützung beim Ersatzteilgeschäft.

Das lokale Engineering mit der Nähe zur hauseigenen Fertigung ist nach Ansicht von Reßing die Schlüsselpositionierung für MSC und grenzt die Avnet-Tochter gleichzeitig von den Ingenieurbüros und Designhäusern ab, die in der Regel keine eigenen Fertigungskapazitäten haben. »Die eigene Fertigung ist sehr wichtig für uns, denn nur so hat man die zahlreichen Parameter wie Design-for-Manufacturing, Design-for-Test etc. – zusammengefasst als DFX bezeichnet – im Griff.«

Durch die eigene Fertigung kann MSC die Technologie mit der Produkthandelsseite verbinden und verdient dadurch sein Geld im Wesentlichen durch den Verkauf von Produkten. Die Vorteile für den Kunden liegen nach den Worten von Reßing auf der Hand: »Durch das Engineering bzw. die Entwicklungskompetenz inklusive Fertigung wollen wir unseren Kunden eine Marktführung oder mindestens einen Marktvorsprung ermög-lichen.«

Dabei, so Reßing, profitiere der Kunde auch von MSCs marktübergreifender Expertise: »Wir vertikalisieren nicht, sondern sind horizontal und nach Technologien aufgestellt. Das heißt wir transferieren Erfahrungen aus einem Marktsegment ins andere. Die Erfahrung unserer Kunden ist hingegen oft segmentiert. Insofern können wir beim Kunden durch unsere Erfahrung oft auch neue Ideen aus anderen Bereichen mit einbringen.« Dementsprechend sind die Entwicklungs-Gruppen auch nicht nach vertikalen Märkten organisiert, sondern nach Technologien wie beispielsweise CPU-Core-Entwicklung, optische Schnittstellen oder Entwärmungs- und Cooling-Designs. Auch die W-LAN-Fähigkeit einer Applikation bzw. IoT-Ready-Fähigkeit eines Systems und die Anbindungen an die Cloud wird laut Reßing auf der Entwicklungsseite immer wichtiger und zunehmend nachgefragt.

Bei der Entwicklung unterscheidet MSC innerhalb der Organisation übrigens nicht zwischen Eigenprodukt- und Kundenlösungen. Grundsätzlich wird das Know-how aus der Eigenentwicklung auch auf kundenspezifische Systeme transferiert: »Unsere kundenspezifischen Entwicklungen basieren meist auf ’Bausteinen‘. Das heißt, entwickelt wird an Standardprodukten und dann kundenspezifisch appliziert. Unsere Produkte sind dementsprechend Technologieträger, aber das wesentliche Geschäft kommt über die kundenspezifischen Anpassungen«, erläutert Reßing.