Interview mit Mouser EMEA »Wir sind digital mit Human Touch«

Mouser erweitert sein Headquarter inklusive Logistikzentrum in Texas.

Rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes erwirschaftet Mouser in EMEA. Einen neuen Umsatzrekord wird es zwar in diesem Jahr nicht geben, aber dafür können die Texaner die Anzahl der Neukunden wieder toppen.

Marie-Pierre Ducharme, Director Supplier Marketing & Business Development EMEA, und Graham Maggs, Vice President Marketing EMEA, im Gespräch.

2019 war sehr turbulent. Wie blickt Mouser auf das Jahr?

Marie-Pierre Ducharme: Das Jahr hat wirklich gut für uns begonnen. Ab Q2 war es dann etwas verhaltener.

Graham Maggs: Wenn man wie wir im vergangenen Jahr 46 Prozent Wachstum hingelegt hat, sind die Erwartungen äußerst hoch. Wir haben immer noch sehr gute Zahlen, aber das Wachstum ist flacher als im letzten Jahr. Nichtsdestotrotz, wir gewinnen nach wie vor Marktanteile. Insofern ist die Tendenz für uns nicht negativ. Wir reden den Markt auch nicht klein, schließlich sind wir keine Pessimisten; im Gegenteil: Wir haben nach wie vor ein großes Investitionsvolumen. Wir investieren, wie Sie wissen, in neue Gebäude bzw. eine Erweiterung unseres Logistikzentrums sowie in Infrastruktur, Software und in unsere Website, und natürlich in unseren Lagerbestand!

Ducharme: Viele Distributoren kaufen momentan nicht bei den Herstellern, wir dagegen schon. Wenn der Markt wieder anzieht, sind wir also in einer sehr guten Position. Und nicht zu vergessen: Wir können weiterhin mehr und mehr Leute davon überzeugen, bei Mouser einzukaufen. Wir verzeichnen weltweit über 155.000 neue Accounts in diesem Jahr und über 1100 täglich.

Was gefällt den Kunden Ihrer Meinung nach besonders an Mouser?

Maggs: Wenn die Leute bei uns anrufen, dann haben sie noch einen echten Mitarbeiter von Mouser am Telefon und keinen Bot. Darüber sind die Leute in vielen Regionen sehr verwundert und angenehm überrascht. Es gibt auch immer wieder Kunden, die uns aktiv kontaktieren und eine Lösung für ihr Problem suchen. Wir möchten den „Human Touch“ bieten, gerade weil alles digital ist. Wir bieten beide Optionen; je nachdem, wie es der Kunde möchte. Wir sind digital mit Human Touch.

Welche Erwartungen haben Sie für Mouser und für die Distribution im Allgemeinen für 2020?

Maggs: Das ist schwierig zu prognostizieren. Sagen wir so: 2020 wird meines Erachtens besser sein als dieses Jahr. Ich glaube trotz Rezessionsbefürchtungen, die allerorten gestreut werden, dass wir als Mouser dann wieder ein gutes Wachstum erzielen können.

Gefälschte Ware hat den erhitzten Markt zusätzlich gebeutelt. Was tut Mouser, um sich möglichst gegen gefälschte Ware zu schützen?

Ducharme: Wir kaufen nur vom Originalhersteller und nicht über Agenturen oder Ähnliches. Das Meiste, das wir beim Hersteller kaufen, kommt direkt aus dessen Produktionslinie.

Die Makroökonomie ist momentan von Zollstreitigkeiten geprägt. Inwieweit beeinflusst das Ihren Einkauf?

Ducharme: Das alles trifft unsere Kunden mehr als uns. Wir sind es gewohnt, rund um die Welt einzukaufen, und es gibt immer irgendwo auf der Welt Herausforderungen, die wir meistern müssen.

Kommen die Produkte von Mouser direkt aus den USA nach Europa?

Maggs: Die Zollmodalitäten sind bereits bei Ankunft erledigt. Dies geschieht alles vorab im Flugzeug während des Fluges. Für ein paar Länder gibt es Extra-Regelungen, etwa die Nordic-Region oder die Schweiz. Die Mehrheit der Waren kommt am Flughafen Charles de Gaulle in Paris an.