Alfred Lipp, Bürklin Elektronik »Wir setzen auf Made in Germany!«

Alfred Lipp, Bürklin: »Anfang 2020 soll die Fabrik hier in Oberhaching den Betrieb aufnehmen. Wenn das Geschäft erfolgreich läuft, möchten wir den Bereich weiter ausbauen. Wir haben bereits Ideen für neue Produkte in petto.«

Bürklin hat von Molex dessen Division Aero Motive gekauft, die fortan als Bürklin-Tochter firmiert und Federzüge für raue Industrieumgebungen in Deutschland fertigt. Warum wagt der Distributor den Schritt in neue Gefilde? Antworten von Alfred Lipp, Vertriebleiter und Prokurist von Bürklin.

Markt&Technik: Bürklin kauft einen Hersteller für Federzüge – und transferiert die Fertigung von Mexiko nach Oberhaching bei München. Wie genau haben wir uns das vorzustellen?

Alfred Lipp: Wir bauen eigens eine Fabrik auf dem Nachbargelände unseres Firmenhauptsitzes in Oberhaching auf und lassen sämtliches Equipment aus Mexiko – dort hatte Molex die Federzüge produziert – nach Deutschland umziehen. In Oberhaching sollen jährlich circa 72.000 Federzüge gefertigt werden.

Das klingt nach einer Mammutaufgabe.

Wir haben natürlich ein paar Vorkehrungen getroffen, damit alles so flüssig wie möglich vonstatten geht. Für eine reibungslose Inbetriebnahme beispielsweise soll der angestammte Werksleiter aus Mexiko sorgen, den Bürklin für den Standort Oberhaching gewinnen konnte. Außerdem übernimmt das erfahrene Bürklin-Team Aufgaben wie EDV, Einkauf, Personalmanagement und Qualitätskontrolle.

Lohnt sich der Aufwand, eine komplette Fabrik bzw. deren Assets von Mexiko nach Deutschland zu bringen?

Mit dem Eigentümerwechsel wollen wir auch einen Paradigmenwechsel einläuten und konsequent auf Made in Germany setzen. Das heißt, wir transferieren nicht nur die Fabrik nach Oberhaching, sondern wollen auch die Zulieferkette soweit wie möglich in die Region verlagern.

Was versprechen Sie sich konkret in diesem Fall von „Made in Germany“?

Das Verkaufsargument Made in Germany ist sehr schlagkräftig. Wir haben hier außerdem bessere Möglichkeiten, die Qualität der Produktion zu überwachen. Zudem können wir die Kunden besser und schneller beliefern, wenn wir die Versorgungssicherheit selbst aktiv steuern, sprich: wir haben die Lieferkette selbst in der Hand.

Und die Logistik erfolgt zentral aus Oberhaching?

Aus der Fertigung in Oberhaching erfolgt der Versand in unsere Vertriebsregionen. Wir werden hierzu auch bestehende Ressourcen und Expertisen unseres Logistikzentrums nutzen. Wir werden aber parallel auch das bestehende Distributionsnetz für Aero-Motive nutzen und dies weiter ausbauen.

Wo sehen Sie den Vertriebsradius für Aero-Motive-Produkte?

Wir verkaufen Aero-Motive weltweit mit Schwerpunkt Südamerika, Asien, China, Mittlerer Osten. Auch Afrika ist ein sehr großer Markt für die Instandhaltung, weil dort momentan viele neue Anlagen gebaut werden.

Die Fertigungsindustrie klagt in Deutschland über Personalmangel. Wie ist es Bürklin gelungen, ausgerechnet im Speckgürtel Münchens neue Arbeitskräfte für die Fertigung zu begeistern?

Wir konnten Mitarbeiter vor allem über die Empfehlung unseres angestammten Personals gewinnen. Und wir bieten einen attraktiven Arbeitsplatz mit gutem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und einigen weiteren Annehmlichkeiten. Das hat überzeugt!

Molex ist ein großer globaler Konzern – da kann man sicher nicht einfach anklopfen mit der Absicht, eine Geschäftseinheit zu übernehmen.

Eine lange und vertrauensvolle Geschäftsbeziehung zwischen Bürklin und Molex und die Tatsache, dass sich Molex verstärkt auf seine Kernkompetenzen konzentrieren will, haben uns schließlich die Türen für den Deal geöffnet. Wir haben etwa ein Jahr mit Molex verhandelt, bevor der Vertrag im Oktober unterzeichnet wurde.