Reichelt Elektronik: Vom Eigentümer-geführten Mittelständler zur Konzerntochter »Wir bleiben so flexibel wie ein Mittelständler«

Ulf Timmermann, Reichelt Elektronik: »Wir sind weiterhin selbständig und werden das mittelfristig auch bleiben. Deshalb werden wir die Marke ’Reichelt’ und den Marktauftritt selbstverständlich weiterführen.«
Ulf Timmermann, Reichelt Elektronik: »Wir sind weiterhin selbständig und werden das mittelfristig auch bleiben. Deshalb werden wir die Marke ’Reichelt’ und den Marktauftritt selbstverständlich weiterführen.«

Nach der Übernahme von Reichelt Elektronik durch die Schweizer Dätwyler Gruppe lenkt ein Dreierteam die Geschäfte von Reichelt. Trotz Konzernzugehörigkeit setzt der Katalogdistributor weiterhin auf die bewährten Werte eines Mittelständlers, wie Ulf Timmermann erläutert, Sprecher der Geschäftsführung bei Reichelt.

Markt&Technik: Wird Reichelt als Marke weiter bestehen?

Ulf Timmermann: Wir sind weiterhin selbständig und werden das mittelfristig auch bleiben. Deshalb werden wir die Marke »Reichelt« und den Marktauftritt selbstverständlich weiterführen. Das heißt auch, wir werden jetzt nicht auf einmal die Artikel unserer Schwestergesellschaften in unser Portfolio einlisten.

In Ihrer ersten Erklärung zur neuen Geschäftsleitung heißt es, dieselbige sei mit großen Freiheiten ausgestattet. Wie haben wir uns die Einbindung in die Dätwyler Gruppe also konkret vorzustellen. Was läuft zentral und was lokal?

Sagen wir so: Die Vorteile des Konzerns werden wir natürlich auch nutzen: Das sind beispielsweise Finanzaspekte. Auch das Reporting läuft zentral. Weil die Dätwyler-Holding börsennotiert ist, ergeben sich besonders beim Reporting Verpflichtungen, die wir einhalten müssen. Alles andere läuft weiter wie bisher komplett von Sande aus.

Ein Mittelständler ist Reichelt seit der Übernahme nicht mehr. Nun muss der Kunde ja auch umdenken, denn jetzt hat er es mit einem Großkonzern zu tun . . .

Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kunden das gar nicht in dieser Form wahrnehmen wird, dass wir jetzt zu einem Konzern gehören. Denn für den Kunden geht alles seinen gewohnten Lauf. Wir werden sozusagen das »Look and Feel« des Mittelständlers beibehalten: kurze Wege, Flexibilität, schnelle Erreichbarkeit und einen sehr schlanken Verwaltungsapparat.

Gibt es über die Gruppe eine gemeinsame ERP-Infrastruktur bzw. ist so etwas geplant? 
 
Die Gruppe selber führt derzeit SAP als ERP ein, bei uns ist das aber nicht vorgesehen. Wir haben das in Einvernehmen mit dem Konzern geprüft und werden weiterhin mit unserem bewährten proprietären ERP-System arbeiten.

Gilt das auch für die Logistik?

Ja. Auch unsere Logistik werden wir so beibehalten. Die Kunden sind gewohnt, dass sie ihre Ware am nächsten Tag ohne Aufpreis bekommen. Diese Geschwindigkeit und Flexibilität ist ein sehr großer Wettbewerbsvorteil für uns, da wird sich nichts ändern.  

Der Bereich »Technische Komponenten« der Dätwyler Gruppe umfasst ja auch die Distrelec und damit einen Mitbewerber von Reichelt. Gibt es Überlappungen in der Linecard, bzw. wie werden die Linecards zusammengeführt?

Konsolidieren werden wir erst einmal nicht, denn die Überschneidungen sind überschaubar. Während Distrelec und Schuricht Vollsortimenter sind, haben wir ein ausgesuchtes Programm. Wir sind preislich sehr attraktiv. Das geht ein bisschen zu Lasten der Produktvielfalt. Wir haben etwa 30.000 Artikel im Programm, planen in Zukunft mit etwa 35.000. Unsere Konzernzugehörigkeit hat auf das Produktspektrum überhaupt keinen Einfluss. Wir werden trotzdem keine riesigen Massen von 100.000 Produkten oder mehr führen, denn dann würden wir das aufs Spiel setzen, was uns am Markt ausmacht.