Türen mit WiFi oder BLE öffnen Wie das Smart Phone zum Wohnungsschlüssel wird

Das chinesische Unternehmen Finger Crystal hat eine Lösung entwickelt, bei der das Handy als Haus- oder Wohnungsschlüssel dient. Rutronik hat die Entwicklung unterstützt.

Bis vor Kurzem gab es nur ein Mittel, um eine Tür aufzuschließen: den Schlüssel. Der Nachteil: Ein Schlüssel ist ein physisches Objekt. Das heißt, man hat ihn oder man hat ihn nicht. Wenn mehrere Menschen Zugang bekommen sollen, braucht man Nachschlüssel. Wenn jedoch nur einer dieser Schlüssel verloren geht, muss das Schloss ausgewechselt werden und mit ihm alle Schlüssel. »Die bewährte Methode ist also nicht gerade die beste – erst recht nicht in Städten wie Shen­zhen in China, die so schnell gewachsen sind und in denen die Menschen extrem viel in Bewegung sind«, so Bernd Hantsche, Director Product Marketing Embedded & Wireless bei Rutronik.

Shenzhen zählt zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. 1950 war sie noch ein Dorf mit rund 3000 Einwohnern, nur 67 Jahre später ist daraus eine Megacity mit rund 11.700.000 Einwohnern entstanden. »Gebäude werden im Rekordtempo errichtet, und die Menschen, die dort einziehen, machen Karriere und verdienen gut, sodass sie bald in eine größere Wohnung ziehen. Für eine derart dynamische Bevölkerung ist ein Schlüssel nicht wirklich geeignet«, weiß Hantsche. Überlegungen wie diese haben für Finger Crystal den Ausschlag gegeben, eine bessere Lösung zu entwickeln. Ziel des Unternehmens aus Shenzhen war es, die Apartments sicherer zu machen und gleichzeitig den Zugang einfacher und flexibler zu gestalten.

Türschloss als Teil des Internet of Things

Die Idee war eine smarte Tür mit Kamera und Internetverbindung. Da jedes Haus und jede Wohnung ein eigenes WiFi-Netzwerk hat, kann das Türschloss eine eigene IP-Adresse bekommen und so Teil des IoT werden. Damit kann der Bewohner sein Smartphone mit seiner Wohnungstür verbinden und sie öffnen oder schließen, unabhängig davon, wo er gerade ist. Über die Kamera sieht er stets, wer vor der Tür steht. Er kann den Zugang auch für andere Smart­phones freigeben, z.B. von Freunden, der Familie, Nachbarn oder dem Postboten. Und er kann den Zugang ebenso wieder beenden, z.B. wenn sich der Lebenspartner ändert.

Für die Entwicklung suchte Finger Crystal Unterstützung bei Rutronik. Nach intensivem Austausch zwischen den Entwicklungsingenieuren von Finger Crystal und den Applikationsingenieuren (FAEs) und Produktspezialisten von Rutronik Shenzhen sowie der Untersuchung verschiedener Systemansätze entschied das Team, Redpine Signals mit einzubeziehen.

»Redpine Signals hat inzwischen reine Mi­krocontroller, Bluetooth-Low-Energy-SoCs, Multi-Core-SoCs und -SiPs – auch mit mehreren Funktechnologien und skalierbaren Sicherheitsmechanismen – sowie Module im Programm. Aber die Wurzeln liegen bei WiFi«, so Hantsche. »Als wir angefangen haben, mit Redpine Signals zusammenzuarbeiten, war die RS9110-Familie die High-End-WiFi-Lösung, gefolgt von RS9113; heute geht es um RS9116, RS14100 und andere – und die Fortschritte von Generation zu Generation zeigen sich in deutlichen Verbesserungen der realen Datenübertragungsrate, der Verbindungsstabilität, den Latenzen, dem Feature-Set und vor allem der Reduzierung des Energieverbrauchs. Durch eigene WiFi-Patente und die enge Zusammenarbeit mit der WiFi Alliance war Redpine dem Wettbewerb immer voraus.« Dabei kann das Unternehmen auf eigene Halbleiter, Module, Funk-Stacks, Firmware, Tools und DevKits zurückgreifen und hat somit die gesamte Lösung selbst in der Hand.