Avnet Silica Volle Fahrt mit dediziertem Automotive-Team

Thomas Foj, links  - Marco Giegerich  beide: Avnet Silica
Thomas Foj, links, und Marco Giegerich, beide: Avnet Silica

Automotive ist der am schnellsten wachsende Markt in der Halbleiter-Industrie in EMEA. Mit einem dedizierten Team, der engen Zusammenarbeit mit Schlüssel­lieferanten und dem Verständnis für die Prozesse im Automotive-Umfeld will Avnet Silica das Feld aufrollen.

Was die „Automotive-DNA“ des Distributors ausmacht, schildern Marco Giegerich, Director Strategic Sales & Development, und Thomas Foj, Regional Sales Manager Automotive im Markt&Technik Interview.

Markt&Technik: Automotive ist das am schnellsten wachsende Segment in der Halbleiter-Industrie in Europa. Welche Faktoren treiben das Geschäft?

Marco Giegerich: Der Anteil an Halbleitern im Fahrzeug ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Heute sind wir bei etwa 400 Dollar Halbleiter-Wert pro Mittelklassefahrzeug, bis zum Jahr 2020 kann dieser Anteil schon bei 420 Dollar liegen und das Wachstum wird sich natürlich weiter fortsetzen. Hinzu kommt die steigende Produktion von Fahrzeugen in Europa, aber weiterhin auch in Asien. Aber auch neue Märkte kommen ins Spiel. In den Schwellenländern findet derzeit ein Evolutionsschritt von zwei- auf vierrädrige Fahrzeuge statt. Auch das schlägt sich in den Absatzzahlen nieder.

Thomas Foj: Darüber hinaus steigt die Nachfrage nach vernetzten Fahrzeugen, Stichwort V2V und V2x – etwa die Kommunikation zwischen dem Fahrzeug und der Infrastruktur, also V2I. So kann das Fahrzeug beispielsweise mit dem Parkhaus kommunizieren, um einen Parkplatz zu reservieren. Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 ein Viertel der Fahrzeuge vernetzt sind.

Ein weiterer Faktor ist der demografische Wandel. Die Menschen werden immer älter und das wird die Nachfrage nach hochautomatisierten Fahrzeugen (Level 3) bis hin zu Level 5, also dem autonomen Fahren, weiter ansteigen lassen.

Damit haben Sie bereits zwei Mega­trends angesprochen: Vernetzte Fahrzeuge und das autonome Fahren. Welche Aspekte sind hier – technisch gesehen – besonders interessant?

Thomas Foj: Mit einer breiten Einführung des autonomen Fahrens rechnen die Experten für 2030 bis 2035. Bis hin zum autonomen Fahrzeug gibt es 6 Stufen (Level 0–5); heute befinden wir uns zwischen Level 2 und Level 3 mit Kameras, Radar, Lidar und Sensorfusions-Systemen.

Was die Kommunikation anbelangt, so wird Ethernet die Zukunft im In-Vehicle-Network sein. TSN ist auch ein Standard, der hier berücksichtigt werden sollte. Wir arbeiten dazu sehr eng mit den Herstellern zusammen, um das nach vorne zu treiben.

Eine weitere interessante Entwicklung ist 48-V-Power-Supply: Die Kunden, mit denen wir heute sprechen, sind Kunden aus dem DC/DC-Bereich, Batteriesysteme bis hin zu In-Vehicle-Network Transceiver, Pumpen, Heizung und Kühlung.

Auch die Beleuchtung im Auto wird smart: Hierzu haben wir auf unserer Linecard namhafte Hersteller, die sich nicht nur mit LEDs, sondern auch Treibern und dem Power-Management beschäftigen.

Durch das Lighting steigt nicht nur der Komfort, sondern auch die Sicherheit. In Zukunft wird zum Beispiel die Nebelschlussleuchte wegfallen, weil es möglich sein wird, das Licht entsprechend zu parametrisieren. Die neusten Lichter haben integrierte Projektoren, sodass sie einem Fußgänger z.B. einen Zebrastreifen auf die Fahrbahn reproduzieren können.

Inwieweit beeinflusst die aktuelle Diskussion um umweltfreundliche Mobilität den Automotive-Markt?

Marco Giegerich: Ein wichtiger Zukunftstrend sind natürlich umweltfreundliche Mobilitätskonzepte: Hybrid- und Elektromobilität inklusive Batteriemanagement sowie das sogenannte Shared-Mobility-Management. Auch hier werden neue Technologien benötigt, um neue Service-Level adressieren zu können wie etwa den Keyless Entry: Wir werden in urbanisierten Räumen unsere Fahrzeuge in Zukunft teilen und dazu Codes auf das Mobilgerät gesendet bekommen, um das Fahrzeug öffnen zu können. Es gibt in der Premiumklasse bereits NFC und Bluetooth-Technologien, die hierzu integriert sind. Wir haben die entsprechenden Marktführer dafür auf der Linecard.

Aber auch der Fahrzeugkomfort ist unter diesem Aspekt ein wichtiger Punkt. Ein Beispiel aus Asien: Zahlreiche Fahrzeuge sind dort mit Ionisierungssystemen ausgestattet, die für saubere Luft im Fahrzeug sorgen und angenehme Gerüche suggerieren von Bergluft bis hin zur frischen Meeresbrise. Das ist derzeit zwar ein Oberklasse-Feature, aber wird mittelfristig auch in die Mittelklasse einfließen.

Die Elektromobilität kommt nicht richtig aus den Startlöchern – kein Wunder, es gibt auch noch viel zu wenig Infrastruktur. Oder haben Sie aus Sicht Ihrer Kunden ein anderes Bild?

Thomas Foj: In Deutschland hinkt man hier noch hinterher, das ist richtig. Wenn die Infrastruktur nicht vorhanden ist, wird die Nachfrage auch nicht steigen. In Skandinavien ist man schon viel weiter. Wir sind aber absolut davon überzeugt, dass die Elektromobilität künftig einen starken Einfluss haben wird. Insbesondere auch, weil die fossilen Brennstoffe endlich sind.

Wir haben mehr und mehr Urbanisierung und man muss sicherstellen, dass die Infrastruktur nachzieht. Aber wir haben jedenfalls sehr viele Anfragen in Richtung Infrastruktur und Batteriemanagement. Das wird sich mittelfristig auch im Feld zeigen.

Von jeher war der Automotive-Markt für die Distribution aber eher ein vom Fullfilment getriebenes Geschäft. Was macht nun den Automotive-Markt für einen Design-in-Spezialisten wie Avnet Silica so interessant?

Marco Giegerich: Die Produkte insgesamt werden immer komplexer; daher ist immer mehr Support auf Kundenseite gewünscht. Auf Kundenseite sind die neuesten Technologien erforderlich, um die vorgenannten Megatrends adressieren zu können. Es kommen auch neue Kunden in den Automotive- Markt, insofern findet auch eine große Umwälzung bei den Produkten statt.

Thomas Foj: Die Hersteller sind gezwungen, immer schneller die Produkte zu entwickeln, und konzentrieren sich auf OEMs und Tier-1-Lieferanten. Wenn es darum geht, einen breiteren Markt zu adressieren, sind wir der Partner der Wahl.

Andererseits herrscht auch eine große Dynamik bei den Herstellern: Einige Hersteller finden sich neu und wollen sich im Automotive-Markt positionieren. Das heißt, dass wir es auch mit neuen Herstellern zu tun haben, die bisher vorwiegend im Industriebereich aktiv waren. Sie haben ihre Produkte jetzt für Automotive qualifiziert und wollen nun an diesem Markt partizipieren.

Wenn wir die Lieferkette betrachten, wo sind Ihre Kunden zu finden?

Marco Giegerich: Bei Tier-1- bis Tier-X-Kunden sind wir Partner der Wahl. Bei sehr großen Tier 1s haben wir Supply-Chain-Lösungen implementiert, erarbeiten aber auch technische Lösungen mit Tier 1s, die nicht direkt von den Herstellern betreut werden.

Nehmen wir das Beispiel „Wireless“: Der Kunde müsste mit X Herstellern Kontakt aufnehmen, denn gerade im Wireless-Segment sind es nicht nur die etablierten Player, sondern auch neue Marktteilnehmer, die sehr interessante Lösungen bieten. Hier sind wir als Partner bestens positioniert, weil wir den Überblick haben, wissen, welche Hersteller in welchen Bereichen aktiv sind und welcher Hersteller welche Roadmap verfolgt.