20 Jahre TTI in Europa TTI: »Wir bleiben auch in Zukunft Spezialist!«

Jean Quecke, TTI Europe: »Es kann nicht Aufgabe des Importeurs sein, zu überprüfen, ob die gelieferten Bauteile den entsprechenden Bestimmungen des Strahlenschutzes entsprechen, diese hoheitliche Aufgabe obliegt dem deutschen Zoll.«
Jean Quecke, TTI: »Das Unternehmen ist mit einem durchschnittlichen Wachstum von über 10 Prozent im Jahr gewachsen. Wir sehen uns im Bereich der passive Bauelemente mittlerweile unter den »Top 3« und im Bereich Steckverbinder/Emech auf einem guten Weg dorthin.«

TTI hat im letzten Jahr in Europa kräftig investiert: mehr Lagerfläche und 75 neue Mitarbeiter sind das Ergebnis der Expansion. Ansonsten setzt Jean Quecke, Regional Vice President Sales Europe, auf Beständigkeit und das »Spezialistentum«. Luft nach oben sieht Quecke für TTI noch bei den Steckverbindern: Vor allem im Automotive-Sektor winken zum Beispiel im Zuge der Elektromobiltät interessante Projekte.

Markt&Technik: TTI ist 2011 in Europa weiter expandiert. Was ist neu?     

Jean Quecke: Wir sind in Europa im letzten Jahr deutlich durch alle Bereiche hindurch gewachsen: Inzwischen platzt das Headquarter in Maisach bei München buchstäblich aus allen Nähten. Im Zuge dessen haben wir im Herbst unser Vertriebsbüro für Bayern hier in die Nähe nach Puchheim verlagert. Ein zweites Vertriebsbüro haben wir in Neu-Isenburg bei Frankfurt aufgemacht, um die Kunden im Großraum Frankfurt noch besser lokal betreuen zu können. Auch beim Personal hat sich einiges getan: Wir haben über 75 Mitarbeiter in allen Positionen eingestellt, darunter vor allem Logistik/Einkauf und technischer Außendienst. Damit sind wir europaweit insgesamt bei etwa 600 Mitarbeitern. Gut die Hälfte davon ist im Vertrieb tätig, inklusive technischem Außendienst, die andere Hälfte in der Logistik und Administration.

Auch unser europäisches Zentrallager hier in Maisach ist größer geworden, wie Sie vorhin bei unserem Rundgang bereits gesehen haben: Jetzt sind wir bei ca. 20.000 Quadratmetern Lagerfläche.

2012 feiert TTI in Europa 20-jähriges Bestehen. Begonnen hat damals alles mit einem kleinen 5-Mann-Unternehmen.

Bis 1989 waren wir in der Tat eine kleine Tochter eines jetzt 40 Jahre alten großen amerikanischen Distributors. Inzwischen sind wir ein selbstbewusstes Unternehmen mit europäischem Management europäischer Strategie und lokaler Kundenbetreuung. Aber nur so funktioniert das Geschäft hier in Europa. Sie können dem europäischen Markt nicht eine US-amerikanische zentralisierte Strategie überstülpen. Das würde aus unserer Sicht nicht funktionieren. Wir haben selbstverständlich gewisse Vorgaben, auch im Rahmen der Konzernzugehörigkeit zu Berkshire Hathaway, arbeiten aber doch größtenteils sehr unabhängig.       

Wie hat sich der Umsatz seither entwickelt? An welcher Stelle liegt TTI damit derzeit in Europa?

Das Unternehmen ist mit einem durchschnittlichen Wachstum von über 10 Prozent im Jahr gewachsen. Wir sehen uns im Bereich der passive Bauelemente mittlerweile unter den »Top 3« und im Bereich Steckverbinder/Emech auf einem guten Weg dorthin.

Wie sieht der weitere Weg von TTI in Europa aus? Wird sich an der Ausrichtung »IP& E« etwas ändern?

Nein, wir bleiben auch in Zukunft Spezialist. Der Fokus bleibt auf Passiven, Steckverbindern, Elektromechanik und ein bisschen Diskrete. Dioden sind ja auch Produkte, die in Massen-Stückzahlen umgesetzt werden. Und darauf sind wir als IP&E Lieferant schließlich spezialisiert.   

Gibt es denn dann überhaupt noch großes Wachstumspotenzial für TTI, die wichtigsten Hersteller dürften Sie doch längst auf Ihrer Linecard haben?

Im Steckverbinder-Segment haben wir noch einen sehr geringen Marktanteil, da gibt es viel Luft nach oben. Der Steckverbinder-Markt ist derzeit stark im Wandel, weil sich die Hersteller mehr und mehr auf ihre Produktentwicklung konzentrieren. Aber ein Steckverbinder kann genauso kompliziert sein wie ein Halbleiter. Sie brauchen als Kunde die richtigen Antworten, wenn es zum Beispiel um Geschwindigkeit, Anschlüsse oder höhere Ströme geht. Hier bringt besonders die Elektromobilität neue Herausforderungen, z.B das Schnellladen der Batterien. Ein anderes Beispiel sind Night-Vision-Systeme oder Distanzkontrollsysteme mit Radar. Hier brauchen Sie eine sehr zuverlässige Steckverbinder-Technologie.

Betreuen die Hersteller solche lukrativen Automotive-Projekte nicht direkt?      
 
Teilweise. Aber der DTAM (DTAM: Distribution Total Available Market) in Europa wird größer. Die Hersteller wollen ihre Logistik, den Vertrieb optimieren und Ressourcen sparen und fokussieren sich auf die Tier-1-Hersteller. Es gibt aber viele Zulieferanten, also Tier 2 / 3, die durch uns betreut werden.
Wichtig für die Kunden, besonders in Bereichen wie Automotive, ist die Sicherheit und die Stabilität des Lieferanten. Sie müssen als Distributor ein solider und verlässlicher Partner sein. Dass wir das sind, haben wir die letzten 20 Jahre hier in Europa unter Beweis gestellt.

Im März 2011 haben Sie mit der Steckverbinder-Konfektionierung für den Mil/Aero-Bereich eine neue Dienstleistung in Europa gestartet. Bis dato gab es das nur von TTI in den USA. Wie hat sich dieser Bereich seither entwickelt?

Angefangen haben wir mit Amphenol, mittlerweile ist Souriau hinzugekommen. Unser Hauptaugenmerk liegt im europäischen Ausland, z.B. Frankreich, wo das Military-Segment stark ausgeprägt ist. Wir wollen diesen Bereich aber auch in Deutschland ausbauen. Der Fokus liegt ja nicht nur auf dem Militär-Segment, sondern auch auf Luft-/Raumfahrt und Transportation.

Mit dieser Dienstleistung sind wir nicht auf Masse aus, sondern liefern auch ab einem Stück. Wir haben diesen Service auf den Wunsch mehrerer Kunden hin in Europa aufgebaut, weil die Hersteller sich mit kleinen Stückzahlen innerhalb extrem kurzen Lieferzeiten schwer tun.