10 Jahre Nordic und Rutronik »Trends früh erkennen und für Kunden nutzbar machen«

Das Unternehmen gehörte zu den Pionieren

Daniel Barth: Eine große Innovationskraft zeichnet Nordic schon immer aus: Das Unternehmen gehörte zu den Pionieren, die eine universell einsatzbare Low-Energy-Funktechnik entwickelt haben, auch die ersten Lösungen für Bluetooth Low Energy Connectivity kamen von Nordic. Seitdem hat sich das Unternehmen mit den Bluetooth low energy SoCs als Marktführer im Bereich Ultra-Low-Power-Funklösungen quer über alle Zielmärkte hinweg etabliert – im letzten Jahr kamen die Nordic Bluetooth Low Energy SoCs in 40% der neu registrierten Designs weltweit zum Einsatz!

Und was zeichnet die bestehenden Nordic-Produkte für den Einsatz im IoT aus?

Daniel Barth: Im Rahmen der Industrie 4.0 bzw. des IoT sollen sämtliche Schaltungsteile mit der Cloud kommunizieren – hier hat Nordic für die meisten Anforderungen die perfekte Schnittstellenumsetzung.

John Leonard: Außerdem halten wir es für wichtig, Entwicklern die Möglichkeit zu geben, verschiedene Protokolle zu implementieren, so dass sie nicht auf eine Lösung festgelegt sind. Deshalb bieten alle Nordic-nRF52-SoCs Multiprotokoll-Support. Zum Beispiel ist unser neuester SoC, der nRF52840, nicht nur der erste vollständig Bluetooth-5-kompatible Low-Energy-Chip, sondern unterstützt auch ANT-, 802.15.4- (Thread-) und 2,4-GHz-Anwendungen.

Bluetooth 5 ist die neueste Spezifikation, die Ende letzten Jahres vorgestellt wurde. Welche Neuerungen bringt sie im Vergleich zu den Vorgängerversionen? 

John Leonard: Sie bedeutet erhebliche Verbesserungen für Bluetooth Low Energy: Sie verdoppelt die maximale Datenrate auf 2 Mbit/s und vervierfacht die Reichweite von 50 auf rund 200 Meter. Die Übertragungskapazität erhöht sich um den Faktor 8. Außerdem ist Bluetooth 5 erheblich robuster in der Interoperabilität und Koexistenz mit anderen Wireless-Technologien. Damit ist Bluetooth 5 perfekt für Connected-Home-Anwendungen und Beacons, und sie wird maßgeblich zur weiteren Ausbreitung des IoT beitragen. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Entwickler bei der Definition der Bluetooth-5-Spezifikation federführend mitwirken konnten. Derzeit arbeiten wir in der Bluetooth SIG an einer Mesh-Spezifikation, durch die Blue­tooth 5 weitreichendere Möglichkeiten zur Vernetzung erhält.

Welche Trends bestimmen die aktuelle Entwicklung neben Bluetooth 5?

John Leonard: Auch Technologien wie IPv6 over Bluetooth LE werden die Umsetzung des IoT vorantreiben. Sie machen entsprechende Lösungen einfacher und kostengünstiger, weil sich Sensoren mit jedem anderen IPv6-Gerät in einem Netzwerk verbinden können, ohne dass dafür ein Gateway notwendig wäre. Eine große Herausforderung besteht derzeit darin, dass es nur wenige kommerzielle Gateways gibt für die Verbindung zwischen Bluetooth Low Energy und dem Internet – bis jetzt werden fast alle diese Verbindungen durch Smartphones unterstützt.

In welchen Bereichen ist das problematisch?

Daniel Barth: Vor allem in statischen Umgebungen, zum Beispiel in der Industrie oder im Smart Home, wo die mobilen Geräte häufiger wechseln oder es Zeiten gibt, in denen gar kein Smartphone vorhanden ist. Hier ist ein lokales Gateway sinnvoll, das die Verbindung zum Internet konstant sicherstellt.

Von Nordic gibt es bereits eine Lösung: Der nRF52840 SoC unterstützt als Multiprotokoll-Lösung auch komplexe Low-Power-Wireless-Applikationen und erlaubt verschiedene Wireless-Topologien inklusive Thread. Auch die angekündigten Low-Power-zellulären Narrow-Band-IoT-Lösungen von Nordic werden Smartphone-unabhängige Applikationen ermöglichen.  Wichtig ist es jetzt, dass noch weitere Multi-Mode Gateways auf den Markt kommen. Denn sobald Entwickler feststellen, dass sie ihre Produkte auf jeden Fall mit dem Internet oder einer Cloud verbinden können, werden diese ganz sicher eine neue Innovationswelle lostreten.