Lieferzeiten und hohe Preise halten die Elektronikbranche weiter in Atem Steht Europas Distribution vor einer Rückkehr zur Normalität?

Thomas Klein, MSC-Gleichmann: »So lange keine größeren Sicherheitslager aufgebaut werden können, sehe ich auch noch keine Rückkehr zur Normalität.«
Thomas Klein, MSC-Gleichmann: »So lange keine größeren Sicherheitslager aufgebaut werden können, sehe ich auch noch keine Rückkehr zur Normalität.«

Laut DMASS wuchs die europäische Halbleiterdistribution 2010 um satte 55 Prozent. Und ein Ende des Höhenflugs ist noch nicht in Sicht. So spricht der FBDi für seine Mitglieder von vollen Auftragsbüchern bis zum Sommer. Wo die Nachfrage boomt, werden lange Lieferzeiten und hohe Preise die Branche weiter in Atem halten.

Wenn der deutsche Bauelementemarkt dieses Jahr tatsächlich »nur« um 5 bis 7 Prozent wächst, wie von einigen Analysten prognostiziert, sollte sich auch die Liefersituation wieder ent­spannen. Die Frage ist nur: Wann? Zwar gebe es in einigen Produktbereichen Anzeichen für eine Ent­spannung, an ei­ne schnelle Rückkehr zur Normalität über alle Produktbereiche hinweg glauben die von Markt&Technik befragten Distributoren aber nicht. »Nach wie vor geht es in den meisten Fällen erst einmal vor allem darum, den akuten Bedarf zu stillen. So lange aber keine größeren Si­cherheitslager aufgebaut werden können, sehe ich auch noch keine Rückkehr zur Normalität«, erklärt Thomas Klein, CEO Distribution der MSC-Gleichmann-Gruppe.

So haben viele Hersteller zwar eine Besserung der Liefersituation für das 1. Quartal 2011 in Aussicht gestellt, aber 14 bis 18 Wochen Lieferzeit sind immer noch das Doppelte wie in normalen Zeiten. »Momentan ist die Verfügbarkeit in allen von uns forcierten Ge­schäftsfeldern – Mikrocontroller, programmierbare Logik, TFT-Dis­plays, Akkus etc. – noch extrem angespannt, die Lieferzeiten lie­gen nach wie vor bei 16 bis 22 Wochen«, gibt Klein zu bedenken. Dafür verantwortlich ist nach An­sicht von Markus Krieg, Ge­schäftsführer Marketing bei Rutronik, nicht zuletzt die Tatsache, dass der Industriemarkt erst jetzt so richtig in die Erholungsphase komme und die Nachfrage spezi­ell nach Komponenten für dieses Segment deutlich anziehe.

»Hinzu kommt, dass der Consumer-Markt Angebots- und Nachfrageströme umleitet und große Marktteilneh­mer in Asien geschaffen hat. Das beeinflusst die Verfügbarkeit und die Preisfindung in Europa«, so Georg Steinberger, Vorsitzender der Verbände DMASS und FBDi. Gleichzeitig gibt es laut Gerald Meier, Marketing Manager Central Europe bei Future, aber auch Branchen, in denen die Nachfrage zurückgeht, so zum Beispiel in der Photovoltaik. Das werde dafür sorgen, dass sich die Liefersituati­on insgesamt verbessert. In ein­zelnen Produktbereichen rechnet aber auch Meier noch mit länge­ren Engpässen. Als Beispiele da­für nennt der Manager die Tantal­kondensatoren und IGBTs.