Glyn und ATP schließen Distributionsabkommen Speicherkarten werden auch in Industrie-Anwendungen immer beliebter

Bereits seit einigen Jahren arbeiten der Speicherhersteller ATP und Glyn projektweise zusammen. Vor kurzem haben die Partner ihre Zusammenarbeit verbrieft und einen Distributionsvertrag geschlossen: Zusammen wollen sie nun im deutschsprachigen Raum sowie in Nord- und Osteuropa ihre Marktpräsenz ausbauen.

Bekannt ist ATP vor allem für seine DRAM-Produkte sowie Compact Flash und SD Cards. Als Zielmärkte für die ATP-Produkte sieht Emanuel-Shelton Hellwig, Product & Purchase Manager Memory & Media Devices von Glyn, im Prinzip alle Segmente, die hohe Ansprüche an Qualität und Datensicherheit stellen: z.B. Medizintechnik, Automatisierung und Metering sowie reine Leseapplikationen, bei denen man auf »Powercycling« (Ausschalten/Einschalten) achten muss. Neues Kundenpotenzial verspricht sich der Distributor vor allem in den industriellen Bereichen wie Medizin, Automotive, Netzwerk, Computertechnik, Transportwesen, Industrie-PCs, Militär und mobile Applikationen. Besonders punkten können die ATP-Produkte laut Hellwig mit den Attributen Qualität und Datensicherheit.

Viele industrielle CompactFlash-Speicherkarten (kurz: CF) besitzen eine softwaretechnische Schutzfunktion gegen plötzlichen Spannungsausfall. Die Qualität dieser Funktion hängt aber maßgeblich vom Controller und von der Qualität der Software ab. »Die Zuverlässigkeit und die Datensicherheit sind heute wichtige Anforderungen an den Flashspeicher im industriellen Umfeld. Durch längjährige Erfahrung und Zusammenarbeit mit dem Controller-Hersteller und der ständigen Optimierung der Firmware kann ATP diese Anforderungen sehr gut erfüllen«, erklärt der Glyn-Manager.

Die ATP-CF-Karten sorgen außerdem dafür, dass die Daten und das Filesystem auch bei plötzlicher Veränderung der Spannung sicher sind, denn ATP hat in die neusten Serien die »Power Protector«-Technologie integriert. Sie sorgt für eine intelligente Spannungsüberwachung in Kombination mit einer autarken Energiereserve auf dem Flash-Produkt dafür, dass Schreib- und Lesetransaktionen bei Spannungsausfällen oder -schwankungen sicher beendet werden. Flash und Controller sind dadurch ebenfalls geschützt. Die »Power Protector«-Technologie ist zum Patent angemeldet.

Was zeichnet die ATP-Produkte technisch aus? »Verschiedene Speicherkapazitäten mit einer standardisierten Schnittstelle machen Speicherkarten zu einem beliebten Medium auch in industriellen Einsatzbereichen«, erläutert Hellwig. Dort sind besonders oft noch kleine Kapazitäten gefragt. Viele gute Gründe sprechen nach Ansicht von Hellwig auch für den Einsatz von Speicherkarten in industriellen Produkten: Sie sind unempfindlich gegen Vibration, bieten eine lange Lebensdauer, verbrauchen wenig Strom, sind sehr zuverlässig, haben eine hohe Geschwindigkeit, wenig Gewicht, kleine Abmessungen, eine große Speicherkapazität und sind kostengünstig.

ATP verfügt als Hersteller über langjährige Entwicklungserfahrung und hat »sehr hohe Ansprüche an die eigenen Produkte«, wie Hellwig betont. Die Produkte unterliegen einer ständigen Qualitätskontrolle, sind Schock- und ESD-geprüft, wasser- und feuchtigkeitsabweisend und für den industriellen Temperaturbereich ausgelegt und getestet.

Bei den industriellen ATP-CF-Karten sind die kostenfreien Software-Tools »S.M.A.R.T / Life Monitor« sowie »Secure Erase« inklusive. Aktuell sind folgende Kapazitäten verfügbar: 4, 8, 16, 32 GB mit Power Protector, ohne Power Protector auch kleinere Kapazitäten.  

Flash-Produkte gibt es mit vielen unterschiedlichen Kapazitäten, Bauformen, Flashtypen, Konfigurationen und Controllern. Zwar unterliegen diese Produkte einem vorgegebenen Standard, der den Einsatz vereinfachen soll, und sind durch vorhandene Schnittstellen in fast allen technischen Applikationen nutzbar, »jedoch ist genau wegen dieser Vielfalt nicht jedes Flash-Produkt, das man am Markt findet, direkt das richtige für die aktuelle Entwicklung beim Kunden«, gibt Hellwig zu bedenken. Bei der Produktauswahl sind einige Punkte von vorne herein zu beachten, zum Beispiel Schreib-/Löschzyklen, der Temperaturbereich und die mechanischen Ansprüche. »Es kommt darauf an, was die Applikation des Kunden machen soll: Nur lesen? Viel schreiben? In welcher Geschwindigkeit?«, erläutert Hellwig. Welches Produkt für die Anwendung passt, diskutieren die FAEs und Produktspezialisten von Glyn mit dem Kunden individuell für jedes Projekt: Die Auswahl ist jedenfalls groß, denn ATP bietet u.a. mit DRAM, SD, MicroSD, SSD, USB, CF und SATA DOMs (DOM: Disk on Module) in zahlreichen Ausführungen ein weitreichendes Produktportfolio für die meisten Anwendungsbereiche. 

In jedem Fall warnt Hellwig davor, einfach ein »Billigprodukt« zu verwenden, wie es teils im Consumer-Markt zum Einsatz kommt: »Im Gegensatz zu solchen Produkten unterliegen industrielle Flashprodukte anderen Fertigungsprozessen und ausführlichen Tests. Zum Beispiel werden diese Bit für Bit überprüft, um das Produkt zu selektieren, oder es werden die möglichen Temperaturbereiche ermittelt, um sein Einsatzgebiet zu erweitern.« 

Alle ATP Produkte unterliegen einer Fixed/Controlled BOM (Bill-of-Material). Ändert sich etwas am Produkt, informiert Glyn den Kunden grundsätzlich vorab über PCNs oder PDNs. Das, so Hellwig, ermögliche allen Beteiligten einen projektbezogenen und optimierten Last-Time-Buy. »Zeitgleich bieten wir mit ATP entsprechende Folgeprodukte zur Bemusterung an, damit Projekte weitergeführt oder mit dem neuen Produkt initiiert werden können«, führt Hellwig aus. »Bei ATP sprechen wir zu 90% über SLC (Single Level Cell) Flash. Dort versucht ATP, eine Verfügbarkeit von drei bis fünf Jahren zu erreichen.«

Darüber hinaus kündigte ATP bereits Ende 2011 an, dass es zukünftig auch ATP-DRAM- und NAND-Flash-Speichermodule in Industriequalität mit einem Produktlebenszyklus von mindestens zehn Jahren geben wird. Die neuen Produktserien basieren auf Komponenten aus dem Product Longevity Program (PLP) von Micron und werden besonders kritischen Anwendungen zum Beispiel im Bereich Automotive, Industrie und Medizinelektronik gerecht, die typischerweise eine Produktlebensdauer von fünf oder mehr Jahren fordern.

Über die Produkte hinaus gibt es von Glyn auch rund um die Speicherkarte nützliche Tools zum einfachen Entwicklungseinstieg: »Mit unseren Softwaretools und Boards können unsere Kunden beispielsweise zusätzliche Möglichkeiten ausschöpfen, eine SD-Speicherkarte an einem Mikrocontroller mit SPI-Schnittstelle in Betrieb zu nehmen«, erläutert Hellwig.