Rutroniks Analog-Strategie: Ein Mix aus großen Hersteller und Spezialanbietern

Andreas Mangler: »Weil die Marktführer nicht immer die Spitzenpositionen in Sachen kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit und gleichzeitig Performance haben, legen wir großen Wert auf die Mischung aus großen Herstellern und kleineren Anbietern, die häufig eine Nische perfekt bedienen.«
Andreas Mangler, Rutronik: »Durch die ausgereifte Messtechnik und den hohen Integrationsgrad wird die Analogtechnik, die bisher wenigen Märkten vorbehalten war, für viele Applikationen bezahlbar und interessant.«

Dass der Königsweg für einen Distributor im Analogumfeld nicht unbedingt alleine über die großen Hersteller führt, zeigt Rutronik mit seiner dedizierten Analog-Linecard: Darauf stehen neben großen Namen auch kleinere Anbieter aus dem Analogumfeld, wie ZMDI und NJRC (New Japan Radio), »weil sie oft eine Nische perfekt abdecken«, erklärt Andreas Mangler, Director Strategic Marketing von Rutronik Elektronische Bauelemente.

Markt&Technik: Laut DMASS ist der Analoganteil der Distribution in den letzten vier Quartalen überproportional gewachsen. Wie sieht das innerhalb von Rutronik aus?

Andreas Mangler: Auch wir hatten ein überproportionales Wachstum im Analogbereich. Die Analogtechnik ist weit weniger konjunkturabhängig als andere Segmente. Aktuell kommt jedoch ein starker Motor hinzu, der das Wachstum antreibt: Durch die ausgereifte Messtechnik und den hohen Integrationsgrad wird die Analogtechnik, die bisher wenigen Märkten vorbehalten war, für viele Applikationen bezahlbar und interessant. Nehmen Sie nur die Gyro-Sensoren, die früher als mechanische Kreisel mit Auswerteelektronik aufgebaut und groß waren und für 10.000 bis 20.000 Euro nur in Hubschraubern, Militäranwendungen oder ähnlichen Geräten eingesetzt wurden. Heute gibt es hochintegrierte Chips in derselben Qualität für wenige Euro, die sich in jedem Spielzeug-Hubschrauber finden.

Welche technischen Anforderungen stellt das Analogumfeld an den Distributor?

Wir haben intern ein umfassendes Know-how aufgebaut, durch das wir sehr eng mit unseren Herstellern zusammenarbeiten können und immer wieder Einfluss auf deren Produktentwicklung nehmen. In diesem Punkt sehen wir auch einen Teil unserer Aufgaben: neue Produkte für neue Märkte zu definieren und gemeinsam mit dem Hersteller die Parameter für das Lastenheft zu bestimmen. Denn hier können wir wertvolles Know-how unserer Kunden mit einbringen. Aktuell haben wir das etwa mit Infineon umgesetzt, und zwar mit dem Infineon-System-on-Chip (SoC) »ELWiS« - »Embedded Linear LSI Wireless Integrated Solution«, das Rutronik exklusiv vertreibt. ELWiS ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Analogbereich technisch verändert: Das SoC hat einen sehr hohen Integrationsgrad, der vor wenigen Jahren noch
undenkbar war. So deckt ELWiS nicht nur den analogen Teil als solches mit Präzisions-OPs, Instrumentierungsverstärker und hochauflösenden Analog/Digital-Wandlern komplett ab, sondern integriert auch ursprünglich prozessfremde Funktionen auf einem Chip, nämlich Wireless-Funktionen (hier Bluetooth), FPGA-Funktionalitäten plus einen hochleistungsfähigen Mikrocontroller. Das wäre früher noch undenkbar gewesen und ist erst seit kurzer Zeit überhaupt technisch möglich.