Analogtechnik - ein Hauptmarkt für die Halbleiterdistribution »Ohne Analogtechnik geht nichts«

Die Analogtechnik gilt traditionell als Aushängeschild der Halbleiter-Distribution und ist eine der umsatzstärksten Produktgruppen. Allein im letzten Jahr kletterten die Distributionsumsätze mit Analogprodukten um 58 Prozent. Verantwortlich dafür sind nicht nur neue Märkte wie Smart Energy und die Elektromobilität, auch die Industrieelektronik ist nach wie vor eine feste Umsatzgröße für dieses Segment.

»Vor einigen Jahren hat man die Analogtechnik schon totgesagt - heute ist sie stärker denn je«, erklärt Rainer Maier, Technical Sales Manager Germany bei Avnet Memec. Etwa 30 Prozent des Geschäfts von Avnet Memec entfallen allein auf Analogprodukte, und auch künftig will der Halbleiterspezialist weiter in diesen Bereich investieren.

»Analog ist eines unserer wichtigsten Geschäftsfelder«, betont Karlheinz Weigel, Regional Vice President Central Europa bei Silica. So gewinne Silica kontinuierlich Marktanteile hinzu - allein fast 2 Prozent im vierten Quartal 2010.

Zu den Schwerpunkten zählt die Analogtechnik auch bei EBV Elektronik. Laut DMASS hält EBV in Europa derzeit einen Marktanteil von durchschnittlich 24 Prozent bei Analogprodukten. Obwohl der Distributor damit schon zu den Spitzenreitern zählt, sieht Karim Khebere, Technical Director EMEA bei EBV Elektronik, zumindest in Teilbereichen noch Luft nach oben: »Innerhalb der letzten 15 Jahre haben wir in der Distribution in EMEA den Markt für digitale Halbleiter dominiert. Wenn es jedoch um Analogtechnik geht, haben wir in einigen Bereichen noch Wachstumspotential. Wichtig dabei: Unsere Philosophie war und ist es, organisch zu wachsen - also mit dem Portfolio unserer Hersteller und nicht durch Akquisitionen.«

Potenzial sieht Khebere bei der Signalverarbeitung und der Signalaufbereitung. Definitiv erhöhen wolle man den Marktanteil bei Datenwandlern. In den Bereichen Wireless und Power-Management dagegen sei EBV bereits in einer recht guten Position.

Ein überproportional starkes Wachstum hat auch Rutronik im letzten Jahr im Analogbereich verzeichnet. Dies liege laut Andreas Mangler, Director Strategic Marketing bei Rutronik, vor allem daran, dass dieser Bereich weniger konjunkturabhängig als andere Segmente sei, weil für die Schnittstelle zwischen Mensch und Technologie eine analoge Signalverarbeitung bekanntlich nun einmal notwendig ist.

Und noch einen Aspekt spricht laut Mangler für das starke Wachstum der Analogtechnik: Durch die ausgereifte Messtechnik und den hohen Integrationsgrad werden Lösungen, die bisher wenigen Märkten vorbehalten waren, für viele Applikationen bezahlbar und interessant, wie der Manager an einem Beispiel erläutert: »Nehmen wir beispielsweise die Gyro-Sensoren, die früher als mechanische Kreisel mit Auswerteelektronik aufgebaut und groß waren und für 10.000 bis 20.000 Euro nur in Hubschraubern, Militäranwendungen oder ähnlichen Geräten eingesetzt wurden. Heute gibt es hoch integrierte Chiplösungen in derselben Qualität für wenige Euro, die sich in jedem Spielzeug-Hubschrauber finden.«

Stärker als der Markt gewachsen ist der Analogbereich auch bei Future in Zentraleuropa: »Ein Grund dafür ist, dass wir frühzeitig auf den Solarbereich gesetzt haben und hier schon lange Lösungen vorweisen können, die Umsatz generieren, während andere Distributoren eben erst mit kundenspezifischen Konzepten beginnen«, so Gerald Meier, Marketing Manager Central Europe bei Future Electronics.

Analogprojekte sind aus vielerlei Gründen interessant für die Distribution: »Hat ein Distributor ein Analog-Projekt gewonnen, dann wird er normalerweise so schnell nicht wieder ausgetauscht«, weiß Rainer Maier. Außerdem ist der Analogbereich sehr industrielastig und auch aus diesem Grund schon traditionell eher Distributions- als Direktgeschäft. So sind in der Distributionshochburg Europa laut Zahlen des ZVEI etwa rund ein Drittel der verkauften ICs analoge und Mixed-Signal-ICs. Hinzu kommt, dass die Wertschöpfung auf der Platine im Analogbereich hoch ist, und dementsprechend attraktiv sind auch die Margen für die Distribution: Das klassische Analogspektrum umfasst viele wertige Komponenten, darunter High-Speed-A/D-Wandler und Analog-Interfaces wie I/O-Link-Tranceiver.

Außerdem werden immer mehr klassische analoge Funktionen zunehmend digital. »Wir setzen dementsprechend zum Brückenschlag an zwischen analog und digital an und folgen auch dem Trend zu Hybrid-Lösungen«, erklärt Gerald Meier. Als Beispiel dafür nennt er die analoge Leistungselektronik im Solarbereich. Sie wird zunehmend mit digitalen Inhalten angereichert, wenn Energiespitzen im Smart Grid effizient verwaltet werden müssen. Strategisch hat sich Future Electronics dementsprechend mit der Division »Future Energy Solutions« in diesem Bereich gut positioniert und bietet dabei für die Kunden auch umfassende Design-In-Unterstützung, beispielsweise mit dem PV Solar Microinverter Board, das der Distributor im Design Center in UK selbst entwickelt hat.

Neue Produkte für neue Märkte zu definieren und gemeinsam mit dem Hersteller die Parameter für das Lastenheft zu bestimmen, darin sieht Rutronik eine seiner Kernaufgaben im Analogbereich. Auf diesem Weg fließen die Erfahrungen und das Wissen der Kunden unmittelbar aus den Märkten mit ein. Aktuell hat Rutronik diesen Ansatz mit Infineon umgesetzt, und zwar mit der Infineon-SoC-Lösung »ELWiS« (Embedded Linear LSI Wireless Integrated Solution), die Rutronik exklusiv vertreibt. ELWiS ist nach Ansicht von Mangler ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es im Analogbereich einen Trend hin zu hoch integrierten Lösungen gibt. Ein solch hoher Integrationsgrad wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen, betont Mangler. So deckt ELWiS nicht nur den analogen Teil als solches mit Präzisions-OPs, Instrumentierungsverstärkern und hoch auflösenden Analog/Digital-Wandlern ab, sondern auch ursprünglich prozessfremde Funktionalitäten, nämlich Wireless-Funktionen - hier Bluetooth -, die FPGA-Funktionen plus einen leistungsstarken Mikcrocontroller, auf einem Chip. Diese Integrationsstufe ist laut Mangler erst seit kurzer Zeit technisch überhaupt möglich.

Noch einen Schritt weiter geht EBV mit seiner Initiative »EBVChips«. Deren erste Früchte - Genesis und Wizard - sind ebenfalls analoge Module und wurden im vergangenen Herbst auf der electronica vorgestellt. EBVChips bündelt die technischen Anforderungen vieler Kunden zu einer gemeinsamen Chip-Spezifikation. Gefertigt wird der Chip dann bei einem Halbleiter-Hersteller. So kommen auch Mittelständler oder sogar Kleinunternehmen zum passenden Halbleiter. Analoge Produkte stehen hier nach Auskunft von Khebere auf der Wunschliste der Kunden ganz vorne. Dementsprechend plant EBV im Rahmen dieser Initiative weitere Analog-Chips. Schließlich, so Khebere, »gibt es immer eine Analog-Funktion in einem System, die den gewissen Unterschied ausmacht. Auch um exakt diesen gewissen Unterschied überhaupt zu ermöglichen, gibt es die EBVChips«.