Intertec und ce »Nicht jeder Independent Distributor ist ein schwarzes Schaf«

Christian Peter, Intertec 

»Wir verkaufen keine C-Ware, sondern nur A-Ware! Nicht mit solcher C-Ware in Kontakt zu geraten ist letztendlich wieder einmal ein Qualitätsanspruch, den wir als Händler und unser Netz an Zulieferern an sich stellen müssen.«
Christian Peter, Intertec: »Wir verkaufen keine C-Ware, sondern nur A-Ware! Nicht mit solcher C-Ware in Kontakt zu geraten ist letztendlich wieder einmal ein Qualitätsanspruch, den wir als Händler und unser Netz an Zulieferern an sich stellen müssen.«

Freie oder Independent Distributoren werden in der Branche oft skeptisch beäugt. Alle Spieler dieser Zunft über einen Kamm zu scheren ist nach Ansicht von Christian Peter, CEO von Intertec und CE, falsch. Mit dem Tandem Intertec und CE will er dafür den Beweis antreten.

Markt&Technik: Herr Peter, Sie haben mit Intertec zum 1. Juni 2017 ce global sourcing und First Components übernommen. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Christian Peter: Die beiden Firmen wurden zur ce consumer electronic GmbH zusammengeführt und firmieren als Tochtergesellschaft der Intertec Components GmbH. Das Zusammenspiel zwischen ce und Intertec ist erfolgreich und ergibt ein schlüssiges Gesamtbild. ce war lange die bekannteste Marke in unserem Business und die Erfinderin des Chip-Brokertums. Sie bietet mit ihrem weltumspannenden Lieferantennetzwerk nach wie vor großes Potenzial, das wir optimal nutzen wollen und können. Und damit sind wir auf dem richtigen Weg, wie die Zahlen zeigen. Nachdem wir den geplanten Umsatz für 2017 erreicht sowie für 2018 bereits im August überschritten haben, steht eine weltweite Expansion an. Diese wurde im April dieses Jahres gestartet mit der Gründung einer ce-Niederlassung in Hongkong.

Wie gelang die „Auferstehung“ von ce quasi als Phönix aus der Asche?

Zwei strategische Entscheidungen waren dafür ausschlaggebend. Wir haben die drei wichtigsten Vertriebsmitarbeiter der ce global sourcing übernommen. Deren Kompetenz und Wissen kommt jetzt vollständig der ce consumer electronic zugute. Außerdem nutzt diese weiterhin das bestehende Logistikzentrum und die Admin-Abteilungen für Auftragsbearbeitung und Customer-Service.

Die Insolvenz von ce kam ja nicht von ungefähr. Auch wurde die Firma früher immer mal mit gefälschten Bauteilen in Verbindung gebracht. Wie wollen Sie dem „Schwarzes-Schaf“-Image entgegenwirken?

Es wurden bei der ce im Laufe der Jahre viele Fehler gemacht. Ja, es gab Probleme mit gefälschten Bauteilen und es wurde in den 2000er-Jahren teils auch sehr arrogant aufgetreten. Wir wollen jetzt das gute Image der Intertec auf die ce transferieren und damit erreichen, dass die Zeiten der verbrannten Erde und verärgerten Kunden, die u.a. der Grund für die ce-Insolvenz waren, der Vergangenheit angehören. Wir möchten die ce so aufstellen, wie sie von Anfang an hätte sein sollen, aber nie betrieben wurde.

Und ganz klar: Wir wollen mit den schwarzen Schafen nicht in einen Topf geworfen werden, denn nicht jeder Independent Distributor ist ein schwarzes Schaf! Wir sind überzeugt davon, dass wir unter den freien Distributoren in Sachen Professionalität, Lieferantenauswahl und Qualität ganz weit vorne stehen. Unsere Logistik ist absolut State-of-the-Art. Wir haben im Lager vom Klimaschrank bis zum Umpackservice alles auf dem neuesten Stand.

Wie arbeiten die beiden Firmen Intertec und ce zusammen – wird das Branding ce erhalten bleiben?

CE und Intertec sind zwei verschiedene Marken, auch wenn die beiden Back Offices und das Lager gemeinsam genutzt werden. Der Geist der ce ist ausgerichtet auf die Behebung von Lieferengpässen. Sobald eine Anfrage kommt, setzen die Spürnasen alle Mittel in Bewegung, um die gewünschte Ware ausfindig zu machen und schnellstmöglich (meist innerhalb von 24 Stunden) bereitzustellen. Die Intertec hingegen ist ganz klar auf Long-Term-Business ausgerichtet.

Kommen wir auf die Warentests zu sprechen. Wie wird geprüft – stichprobenartig oder jede Lieferung?

Wir verfügen über eine ausgeklügelte Teststrategie. Bei Neulieferanten testen wir jede Lieferung, aber es gibt auch bei etablierten Lieferanten Stichprobentests. Da hat das Klavier viele Tasten, angefangen bei visuellen Inspektionen, Bauteilöffnungen und Die-Analysen bis zu Röntgenaufnahmen. Welche Prüfungen bei welchen Bauteilen in welcher Intensität anzuwenden sind, macht unser Know-how aus. Es ist unser Anspruch, mit größtmöglicher Sicherheit zu gewährleisten, dass jegliche Lieferung von nicht originalen Bauteilen enttarnt wird.

Kommt Ihre Ware direkt vom Hersteller?

Das kommt darauf an. Zum Teil ja, aber wir haben auch klassische Franchise-Distributoren als Lieferanten. Die Liefersituation wird bekanntlich immer schwieriger. Inzwischen gibt Asien den Takt an. Und insofern liegt der Schlüssel unseres Erfolges bei der Beschaffung in unseren Büros vor Ort in Asien. Es ist ja allgemein bekannt, dass der Gesamtbedarf allein der Foxconn-Gruppe 80 Prozent des Gesamtbedarfs in Zentraleuropa ausmacht. Also ist es unabdingbar, die „Asia-Joker“ im Ärmel zu haben, wenn es um eine leistungsstarke Beschaffungsdienstleistung in der heutigen Zeit geht.

Also kommt die Ware auch mal „Backdoor“ aus der Fabrik?

In China ticken die Uhren anders. Wichtig ist, dass man die Waren bekommt – wie, das kann dem Kunden letztlich egal sein. Das ist unsere Expertise. Jahrzehntelange Erfahrung zahlt sich dann natürlich aus.

Meines Wissens gibt es auch von etablierten Herstellern sogenannte „C-Ware“, etwa Ausschuss aus der Fertigung, der eigentlich vernichtet werden soll, aber über graue Wege schon mal in die Lieferkette kommt. Was sagen Sie dazu?

Wir verkaufen keine C-Ware, sondern nur A-Ware! Nicht mit solcher C-Ware in Kontakt zu geraten ist letztendlich wieder einmal ein Qualitätsanspruch, den wir als Händler und unser Netz an Zulieferern an sich stellen müssen. Viele „anfällige“ Marktbegleiter können leider der Verleitung nicht widerstehen, bei dem ein oder anderen Auftrag einen saftigen Aufschlag unterzubringen, indem auf fragwürdige Beschaffenheit der Ware, wie z.B. Clones, gesetzt wird.

Mit einer nachhaltigen Geschäftskultur hat das natürlich nichts zu tun. Und um nachts trotzdem noch ruhig schlafen zu können, haben solch dubiose Händler scheinbar ihr Gewissen auch schon per Nachnahme verschickt. Wir sind seit 25 Jahren erfolgreich am Markt. Das spricht für sich.

Wie sehen Ihre Umsatzziele für die kommenden Jahre aus?

Wir haben ein krasses Wachstum hingelegt, getrieben durch die Marktsituation und die Verunsicherung der Kunden – und natürlich nicht zu vergessen durch unsere Sales-Mannschaft, die meine Kollegin Verena Engelhardt als Chief Sales Officer Components leitet. Das Team macht einen sehr guten Job. Frau Engelhardt ist übrigens seit Kurzem mit einer Einzelprokura ausgestattet und agiert auch als CEO-Backup.

Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Derzeit liegen wir mit beiden GmbHs insgesamt bei 20 Millionen Euro Umsatz. Unser Plan geht in Richtung größer 50 Millionen Euro innerhalb der nächsten Jahre.

Wo sehen Sie weiteres Wachstum oder, anders gefragt, wie wollen Sie Ihr Geschäft künftig weiter verstärken?

Wir möchten uns im Herstellersegment noch weiter verstärken, so wie wir mit Red Frequency im Quarz-Segment und RedMagnetics erfolgreich agieren. Denkbar wäre der Funkbereich oder auch Kühlung. Das sind zwei Wachstumsmärkte. Damit wollen wir da Türen aufstoßen, wo wir als reiner Händler nicht reinkämen. Und am Ende wird der Börsengang der Intertec-Gruppe stehen.