»Übernahmen sind Teil unserer weltweiten Strategie« Mehr Service, mehr lokale Präsenz: Durch Zukäufe will Arrow das Wachstum forcieren

Soll die Umsetzung der gesamteuropäischen Geschäftsstrategie des Unternehmens vorantreiben und die führende Rolle des Distributors in Europa ausbauen: Eric Schuck
Eric Schuck, Arrow: »Unsere Hersteller reagieren ausgesprochen positiv auf die Zukäufe. In vielen Gesprächen hat sich gezeigt, dass sie die strategische Bedeutung in den einzelnen Bereichen schnell erkannt haben, und wo ihre Vorteile darin liegen. Verical ist ein gutes Beispiel, weil hier ein zusätzlicher Vertriebskanal entstanden ist«.

Arrow zählte in den letzten beiden Jahre zu den akquisitionsfreudigsten Unternehmen der Elektronikbranche: Auf der Einkaufsliste standen Distributoren wie Nu Horizons und Richardson RFPD, aber auch sein Online-Angebot hat Arrow durch Zukäufe deutlich ausgebaut. Damit hat Arrow nach Ansicht von Eric Schuck, neuer President EMEA Components des Konzerns, »ein hohes Maß an Flexibilität bewiesen und sich gut für die globalen Herausforderungen positioniert«.

Markt&Technik: Herr Schuck, Sie haben vor wenigen Monaten Brian McNally abgelöst. Wie sehen Ihre persönlichen Ziele in Ihrer neuen Position aus?

Eric Schuck: Nach seinem Antritt als President Components im August 2008 hat Brian McNally damit begonnen, eine weitreichende Veränderung bei Arrow in Europa vorzubereiten: die Harmonisierung und Konsolidierung zahlreicher Geschäftsaktivitäten und -prozesse. Zielsetzung war, sowohl den Service für unsere Kunden als auch unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dieser Schritt, der Ende 2009 eingeleitet wurde und sich nach außen am deutlichsten durch die Zusammenlegung der Distributionsmarken Spoerle und Sasco in Zentraleuropa, aber auch Silverstar, Distar und Claitron-Lasi in Italien zeigte, ist nach wie vor nicht abgeschlossen.

Meine wichtigste Aufgabe sehe ich darin, diesen Prozess weiter zu festigen. Wir haben uns in den letzten Jahren stark darauf konzentriert, unsere Strukturen zu vereinheitlichen. Ein wichtiger Fokus ist dabei, alle unsere Ressourcen ideal aufeinander abzustimmen, so dass sie optimal zum Einsatz kommen, unabhängig davon, wo in Europa unsere Kunden ihre Standorte haben. In diesem Zusammenhang spielt zudem die Integration neuer Services im Produktlebenszyklus eine große Rolle, die auf den Übernahmen von Arrow Electronics in den letzten Jahren basieren. Somit sehe ich auch die lokale Umsetzung dieser weltweiten Strategie von Arrow, Kunden im wichtigen europäischen Markt ein vollständiges Service-Portfolio zu bieten, als eine zentrale Aufgabe. Auch den Ausbau unserer Präsenz in zentralen vertikalen Märkten gehört zu den Zielen in der nächsten Zeit.      

Worin sehen Sie im immer volatiler werdenden Elektronikmarkt die besonderen Herausforderungen für Arrow und die Distribution allgemein speziell in Europa?

Das derzeit wichtigste Thema ist die Eurokrise und ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft. 2012 ist ein entscheidendes Jahr, weil sich bereits 2011 angedeutet hat, dass sich die zeitlichen Abstände, in denen politische Gipfel stattfanden, um gemeinsame Maßnahmen zu definieren, stark verkürzt haben. Analog zu 2008 blicken wir auf ein vielfältiges Spektrum an Prognosen, das in diesem Fall vom Euro-Ausstieg bis hin zur Überwindung der Krise reicht. Die Entwicklung des Elektronikmarkts wird ebenso wie viele andere Bereiche von diesen makroökonomischen Bedingungen abhängen.

Und was bedeutet das also ganz konkret für die Distribution?

Die Distribution und Arrow sehe ich generell in einer starken Position. Die Bedeutung des Distributionskanals hat kontinuierlich immer weiter zugenommen, und die Branche hat in den letzten Jahren bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie sie sich in einem volatilen Umfeld erfolgreich bewegen und den veränderten Bedingungen flexibel anpassen kann. Zweifelsohne haben wir massiv von der schnellen Erholung des Marktes in 2010 und 2011 profitiert, aber auch die Reaktionen auf die Auswirkungen der Katastrophen in Japan und Thailand sind dabei zu berücksichtigen. Gerade die Distribution konnte mit zahlreichen gut koordinierten Maßnahmen den Problemen in der Lieferkette entgegenwirken. Insgesamt hat sich das Bestellverhalten der Kunden durch die Krise in 2009 verändert, und aufgrund der Eurokrise ist nicht damit zu rechnen, dass wir in 2012 zu einem Verhalten zurückkehren, dass wir aus der Zeit vor 2008 kennen. Dies macht es für die Distributionsbranche insgesamt schwieriger.    

Wie lief das Jahr 2011 speziell für Arrow in Europa im Vergleich zu 2010?

Insgesamt blicken wir auf zwei sehr erfolgreiche Jahre zurück. Wir haben erlebt, dass sich unsere strukturellen Veränderungen aus 2009 positiv auf unser Geschäft ausgewirkt haben, dies war ja gerade für Arrow eine entscheidende Frage vor allem in 2010. Nach der schnellen Markterholung in 2010 verlief auch das erste Halbjahr 2011 sehr gut, wobei aber analog zur Branche der Auftragseingang im dritten Quartal 2011 zurückgegangen ist. Einen direkten Vergleich zu 2010 insgesamt können wir noch nicht erbringen, weil der Konzern seine Ergebnisse für 2011 erst noch vorstellen wird. Im Oktober 2011 hatte Arrow allerdings bekannt gegeben, dass weltweit gesehen bereits sechs Quartale in Folge Rekordgewinne erzielt wurden. Die Geschäftsentwicklung von Arrow Components speziell in Europa konnte 2011 ebenfalls einen Aufwärtstrend verzeichnen. Somit sind wir mit der Geschäftsentwicklung in 2011 sehr zufrieden.        

Was erwartet die Distribution für die nächsten Monate? Wie schätzen Sie den Markt 2012 ein?

Wie gesagt, ist es derzeit schwierig vorauszusagen, wie sich angesichts des makroökonomischen Umfelds, sprich die Schuldenkrise europäischer, aber auch anderer Länder weltweit, der Markt entwickelt. Ein wesentlicher Faktor ist, dass Vertrauen und Zuversicht in die Finanzmärkte zurückkehren. Bekanntlich wird hier vieles von den politischen Entscheidungen und Rahmenbedingungen abhängen. Viele Prognosen gehen von einem verlangsamten, moderaten Wachstum aus, was auch in Abhängigkeit zu der Situation bei den Lagerbeständen zu sehen ist. Es wurde vielfach darauf hingewiesen, dass wir erst ab 2012 sehen werden, wie es in diesem Bereich nach dem Krisenjahr 2009 aussehen wird. Positiv schauen wir unter anderem auf die Wachstumsbereiche Energie-Effizienz, LED Lighting, Medizintechnik sowie Kommunikation & Vernetzung und die Tatsache, dass Europa in vielen Bereichen Innovationstreiber ist. Zudem sollten wir nicht außer Acht lassen, dass ein fallender Eurokurs sich positiv auf die europäische und insbesondere deutsche Exportwirtschaft und somit auf die Wettbewerbsfähigkeit der Märkte auswirkt.