Ein Bericht aus der Distribution Liefersicherheit trotz Coronakrise? Geht das?

Christian Reinwald, reichelt elektronik, berichtet über den Spagat zwischen Aufrechterhaltung des Betriebs, Mitarbeiterschutz und Liefersicherheit

Eine der größten Sorgen für produzierende Unternehmen ist derzeit die Unterbrechung der Lieferkette. Nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern wie Malaysia, Indien oder den Philippinen haben einschränkende Maßnahmen zu Produktionsstopps geführt. In einem Blick hinter die Kulissen erklärt Christian Reinwald, Head of Product Management and Marketing bei reichelt elektronik, wie der Distributor dank Sicherheitsmaßnahmen den Betrieb aufrechterhält, welche Herausforderungen er für die Lieferkette sieht und an welchen Stellen es zu Lieferengpässen kommt.
Herausforderungen für Distributoren in Zeiten der Corona-Quarantäne
Die größten Herausforderungen, denen Distributoren in der Covid-19-Krise gegenüberstehen, sind die Sicherstellung der Warenverfügbarkeit und weiterhin eine gute Betreuung der Kunden durch den Kundenservice, während gleichzeitig der Schutz der Mitarbeiter gewährleistet und Kontakteinschränkungen eingehalten werden müssen. Zudem kommt es bei der Zustellung von Paketen durch Logistikpartner zu

Einschränkungen und Verzögerungen.

Reichelt elektronik hat das eigene Ladengeschäft in Sande geschlossen und lässt einen Großteil der Verwaltungsmitarbeiter – etwa aus der Kundenbetreuung, dem Einkauf und dem Produktmanagement - aus dem Home-Office arbeiten. In der Logistik stellt ein neuer Schichtplan sicher, dass Mitarbeiter genügend Abstand voneinander halten. Das bedeutet zwar, dass weniger Personen pro Schicht arbeiten können, doch dies wird für die Sicherheit des Personals in Kauf genommen. Eine Ansteckung von Mitarbeitern und damit verbundene weitreichendere Auswirkungen auf den Betrieb sollen in jedem Fall vermieden werden. Um die deutlich gestiegene Nachfrage dennoch bedienen zu können, wurden Sonderschichten eingeführt.
„Unsere Mitarbeiter, ob im Home-Office oder im neuen Schichtbetrieb – haben sich schnell an die Umstellung gewöhnt. Ein eingespieltes Team sowie kurze Entscheidungswege helfen uns, mit schwierigen Situationen schnell zurechtzukommen“, meint Christian Reinwald. Ebenso wichtig ist für uns ein guter Draht zu den Lieferanten.“

Liefersicherheit trotz Krise?

Die größten Sorgen der Kunden sind derzeit neben gesundheitlichen Risiken vor allem die Warenverfügbarkeit zu sichern sowie wichtige Komponenten ausreichend und rechtzeitig zu beschaffen. Für Distributoren bedeutet das vor allem, die Bestände zu erhöhen. Die Situation wird bei reichelt elektronik täglich geprüft, um schnell reagieren zu können.

„Wir haben unsere Lagerbestände rechtzeitig erhöht und können aktuell bis auf wenige Produktausnahmen noch gut liefern,“ gibt Christian Reinwald Einblick in die derzeitige Situation. Neben Arbeitsschutzartikeln wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmitteln stieg in den letzten Wochen vor allem die Nachfrage nach Home-Office-Ausstattung (Laptops, Video-Konferenzsysteme und Headsets) sowie Artikeln im Bereich der Messtechnik (IR-Thermometer).

Lieferengpässe für ganze Produktgruppen kann reichelt elektronik derzeit nicht verzeichnen. Vereinzelte Produkte aus Fernost, Messgeräte, Laborausstattung, und IT – wie z. B. Headsets sind schwieriger zu bekommen. Die Lieferzeiten erhöhen sich von drei auf sechs Monate und die Preise steigen. Einzelne Netzwerktechnik-Komponenten sind nur noch schwer und in geringen Stückzahlen erhältlich. Auch bei einigen Bauteilen wie bestimmten Widerständen und Kunststoff-Gehäusen kündigen sich Engpässe an. Diese sind aber in Relation zum gesamten Sortiment noch Einzelfälle.  
Ausblick

„Die Bestellungen der Kunden – privat wie geschäftlich – sind immer noch auf einem hohen Niveau. Jedoch wissen wir um die Sorgen um die Lieferverfügbarkeit der Geschäftskunden,“ schließt Christian Reinwald. „Wir beantworten derzeit sehr viele Fragen zur Lieferzeit. Kunden prüfen ihre Planungssicherheit ab. Wir liegen der Nachfrage aktuell im Plan."